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Lufthansa erwägt Börsengang von Lufthansa Technik

Ein Teilbörsengang des Ablegers ist wahrscheinlich. Dabei würde Lufthansa als Aktionär an Bord bleiben. Für diese Lösung gibt es gute Argumente.

Die Fluggesellschaft wandelt sich zu einer Holdingstruktur, mit einer stärkeren Trennung der verschiedenen Unternehmensbereiche. Foto: dpa

Die Lufthansa erwägt den Börsengang ihrer Tochter Lufthansa Technik. Damit soll die Expansion der Tochter finanziert und den Marktwert der Fluggesellschaft gesteigert werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf namentlich nicht genannte Insider beruft.

Allerdings prüfe der Konzern ebenfalls die Abspaltung eines Teils der Sparte. Die Börsenplatzierung von einem der weltweit größten Wartungsunternehmen für Düsenflugzeuge sei jedoch wahrscheinlicher, hieß es. Die Diskussionen befänden sich noch in einem frühen Stadium, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen worden. Ein Sprecher der Lufthansa lehnte es ab, sich dazu zu äußern.

Nach Informationen des Handelsblatt präferiert die Geschäftsführung von Lufthansa Technik einen Teilbörsengang des Ablegers. Dabei würde Lufthansa als Aktionär an Bord bleiben.

Für diese Lösung gibt es gute Argumente: Die Lufthansa-Gruppe ist ein wichtiger Kunde von Lufthansa Technik. Zwar wurde die Wartung der Lufthansa-Jets während der Standzeiten am Flughafen, die sogenannte Line Maintenance, bereits in Lufthansa Passage integriert. Diesen Teil der „Flugzeugpflege“ steuert Lufthansa also bereits selbst und braucht die Lufthansa Technik hier nicht mehr. Die kommt aber weiterhin bei den großen Wartungen der Jets zum Einsatz.

Hinzu kommt: Lufthansa Technik ist auch ein Impulsgeber, was Innovationen in der Luftfahrt angeht. Lufthansa würde bei einem Teilbörsengang Zugriff auf dieses Potential behalten. Gerade angesichts der Klimadebatte und unter dem wachsenden Druck, das Fliegen neu zu erfinden, wäre das sinnvoll.

Zudem könnte der Börsenwert von Lufthansa Technik bei einem Teilbörsengang auch auf den Aktienkurs von Lufthansa einzahlen. Dass Lufthansa Technik wertvoll ist, zeigt der Blick auf die MTU. Der Triebwerks- und Wartungsspezialist konnte seinen Kurs nach dem Börsengang im vergangenen Jahr stetig steigern. Aktuell ist MTU mit über 15 Milliarden Euro rund doppelt so viel wert wie die gesamte Lufthansa-Gruppe.

Lufthansa Technik hat laut Bloomberg-Intelligence-Analyst George Ferguson einen Unternehmenswert von rund 7,5 Milliarden Euro. Das ist mehr als die Marktkapitalisierung der Lufthansa, die derzeit bei rund 6,9 Milliarden Euro liegt. Die Lufthansa-Tochter erzielte in den ersten neun Monaten 2019 einen Umsatz von 5,15 Milliarden Euro und ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit) von 371 Millionen Euro, so der jüngste Finanzbericht des Unternehmens. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 26.000 Mitarbeiter.

Neben dem geplanten Umbau zur Holding gibt es noch einen anderen Treiber für die Überlegungen von Lufthansa. Das Unternehmen soll sich künftig stärker auf das eigentliche Fliegen konzentrieren. Deshalb wird gerade die Cateringtochter LSG Skychefs verkauft.