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Lateinamerikas Corona-Kehrtwende: Warum die Staaten jetzt deutlich schneller impfen

Busch, Alexander
·Lesedauer: 3 Min.

Vom Nachzügler zum Vorreiter: Staaten wie Chile und Brasilien hingen lange im Kampf gegen Corona zurück. Doch jetzt sind dort mehr Menschen geimpft als in den meisten Ländern weltweit.

Nach einer Studie des Lowy Institute aus Australien von Ende Januar war Brasilien das Land weltweit, das am schlechtesten unter 98 Staaten im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie abgeschnitten hat. Foto: dpa
Nach einer Studie des Lowy Institute aus Australien von Ende Januar war Brasilien das Land weltweit, das am schlechtesten unter 98 Staaten im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie abgeschnitten hat. Foto: dpa

Endlich einmal gibt es gute Nachrichten von der Covid-Front aus Lateinamerika: Wenige Wochen nachdem die Impfungen in rund einem Dutzend Staaten begonnen haben, stehen einige Länder bereits auf den Spitzenplätzen nach der Zahl der Erstimpfungen – und zwar weltweit und nicht nur auf der südlichen Hemisphäre, wo bisher kaum Impfkampagnen angelaufen sind.

Nach den Erhebungen von Our World in Data (OWID) von der Universität Oxford, welche die Meldungen der Gesundheitsbehörden vieler Staaten vergleicht, steht Chile auf Platz 5 weltweit nach den Impfungen pro 100 Einwohner. Brasilien (8) und Mexiko (9) folgen im Spitzenfeld. Brasilien mit knapp sechs Millionen verabreichten Dosen steht auch absolut vor Industriestaaten wie Deutschland, Frankreich oder Italien.

Das ist erstaunlich: Denn in Mexiko wie Brasilien haben die Präsidenten die Pandemie nicht besonders ernst genommen. Brasiliens Rechtspopulist Jair Bolsonaro empfahl das Malariamittel Chloroquin als die beste Vorbeugung gegen den Coronavirus. Wer sich impfen lasse, mache dies auf eigenes Risiko, erklärte er immer wieder – so als ginge ihn die ganze Kampagne gegen die Pandemie nichts an.

Zudem hat Bolsonaro über Monate aktiv den Kauf und die Herstellung der Corona-Impfstoffe behindert, damit der Gouverneur von São Paulo, sein politischer Gegner, nicht davon profitieren könnte. Nach einer Studie des Lowy Institute aus Australien von Ende Januar war Brasilien das Land weltweit, welches am schlechtesten unter 98 Staaten im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie abschnitt.

Mexiko belegte Rang 97: Denn auch der mexikanische Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador hat die Pandemie lange Zeit heruntergespielt und weigert sich bis heute, soziale oder wirtschaftliche Ausgleichsleistungen des Staates in Gang zu setzen.

Bevölkerung macht Druck

Dass es in Lateinamerika zu einem Umschwung kommen konnte, liegt daran, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung gewandelt hat. Nach nun fast einem Jahr an mehr oder weniger strenger sozialer Isolation, ohne dass eine dritte Welle verhindert werden konnte, wollen die meisten Menschen geimpft werden, um sich möglichst bald wieder normal bewegen und arbeiten zu können.

Diesen Druck spüren auch die Bürgermeister und Gouverneure. Sie wissen, dass sie mit schnellen und effizienten Impfkampagnen politisch nur gewinnen können.

Das zeigen die Erfahrungen in Chile: Dort hat der bis vor Kurzem noch höchst unbeliebte Präsident Sebastián Piñera seit Anfang Januar um fünf Prozentpunkte an Popularität gewonnen, so das Umfrageinstitut Cadem. Die Hälfte der Bevölkerung hält die Arbeit der Regierung in der Pandemie für positiv. Vor zwei Wochen war es nur ein Drittel der Chilenen.

Chiles Bilanz im Kampf gegen Covid ist aber auch besonders beeindruckend: Mit 12,43 Geimpften je 100 Einwohner rangiert das Andenland weltweit nach Staaten wie Israel, Vereinigte Arabische Emirate, USA und Großbritannien an der Spitze. In den vergangenen sieben Tagen wurden nur in Israel mehr Menschen geimpft als in Chile.

Der Grund für den Erfolg ist, dass die chilenische Regierung bereits Mitte vergangenen Jahres Impfdosen bei einer großen Zahl von Anbietern bestellt hat. 35 Millionen Dosen will die Regierung bereits gesichert haben. Bis Juli sollen 15 Millionen der knapp 19 Millionen Chilenen mindestens einmal geimpft sein.

Auch in einzelnen Bundesstaaten Brasiliens haben sich die Gouverneure direkt an die Hersteller gewandt und Impfstoffe besorgt.

Am erfolgreichsten war João Doria, der Gouverneur von São Paulo, der direkt mit der chinesischen Regierung und dem Unternehmen Sinovac die Produktion von Impfstoffen in Brasilien aushandelte. Brasilien hat den Vorteil, dass es sowohl über private wie staatliche Produktionskapazitäten für Impfstoffe verfügt sowie ein gut ausgebautes Netz an Impfstationen im ganzen Land.

Doch nun drohen in Brasilien die Seren ausgehen. Wann neue Dosen verteilt werden können, bleibt unklar. Erstmals ist der Gesundheitsminister der Regierung Bolsonaro vorgeprescht und hat einen Plan vorgestellt, bis wann wie viele Millionen Dosen zur Verfügung stehen werden.

Besonders glaubwürdig wirkt das nicht, nachdem die Bundesregierung sich bisher nicht bewegt hat. Es zeigt jedoch: Impfskeptiker werden in Lateinamerikas Politik bald in der Minderheit sein.

Nach schleppendem Start ist die Impfkampagne in Ländern wie Brasilien und Mexiko schnell in Gang gekommen. Foto: dpa
Nach schleppendem Start ist die Impfkampagne in Ländern wie Brasilien und Mexiko schnell in Gang gekommen. Foto: dpa