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Zu langsamer Ausbau: Energiebranche warnt vor erheblicher Ökostromlücke

Witsch, Kathrin
·Lesedauer: 3 Min.

Die deutsche Wirtschaft hat inzwischen das Thema Energiewende für sich entdeckt. Doch trotz größeren Interesses stockt der Ausbau bei Wind und Solar.

Reichen die Ausbauziele bis 2030? Foto: dpa
Reichen die Ausbauziele bis 2030? Foto: dpa

Sonnenenergie, Wind und Wasserstoff haben selten so viel Aufmerksamkeit erhalten wie im vergangenen Jahr. Der europäische Green Deal, die deutsche Wasserstoffstrategie und die Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) rückten die Branchen in den Fokus der Öffentlichkeit.

Die Energiewirtschaft investiert Milliarden, auch die Finanzwelt entdeckt endlich grüne Investments. Dennoch kommt der Ausbau erneuerbarer Energie seit mehreren Jahren nur schleppend voran. Neue Windkraftanlagen werden kaum noch gebaut, auch weil es in der Bevölkerung erhebliche Widerstände dagegen gibt. Experten warnen, dass Deutschland in eine Ökostromlücke laufen könnte, wenn sich der Ausbau nicht endlich beschleunigt.

„Die Bundesregierung berechnet viel zu wenig Strombedarf. Wir werden deutlich mehr brauchen als das, wovon die Politik derzeit ausgeht“, mahnt Momme Janssen, Chef des norddeutschen Windturbinenherstellers Enercon, am zweiten Tag des Handelsblatt Energie-Gipfels. RWE Renewables-Chefin Anja-Isabell Dotzenrath plädiert für einen langfristigen Plan: „Die Ausbauziele nur bis 2030 reichen nicht. Wir brauchen Ziele pro Technologie, auch für 2040 und 2050“.

Dramatisch ist vor allem der Einbruch bei der Windenergie an Land. 2019 wurden nur noch Windräder mit einer Leistung von insgesamt 1078 Megawatt gebaut, 55 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor. Das war der niedrigste Stand seit 20 Jahren. 2020 haben sich die Zahlen zwar etwas erholt, genug ist es aber nicht. Grund sind vor allem lange Genehmigungsverfahren, fehlende Flächen für Windräder, Protest und Klagen von Bürgerinitiativen und Naturschützern.

Die Photovoltaik dagegen wächst: Ein Boom wurde im vergangenen Jahr vor allem bei Aufdachanlagen, Solarheizungen und Solarspeichern verzeichnet. Rund 25 Prozent mehr Solardächer wurden in Deutschland installiert. Für eine mehrheitlich grüne Energieversorgung ist aber auch das zweistellige Wachstum zu wenig.

Elektroautos, Wärmepumpen und auch die CO2-arme Industrieproduktion werden die Nachfrage nach Strom drastisch nach oben treiben. Die Experten des EWI schätzen den Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 auf bis zu 748 Terawattstunden (TWh). Die Bundesregierung dagegen rechnet bislang mit einem Strombedarf von 590 TWh.

„Wir werden über einen höheren Strombedarf reden müssen, denn die Nachfrage wird steigen, und deshalb muss der Ausbau der erneuerbaren Energien zwingend schneller vorangehen“, sagte die Vorsitzende des deutschen Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, am Donnerstag.

Im ersten Quartal will die Bundesregierung die Ausbauziele für Wind und Solar deswegen noch „spürbarer und verlässlicher gegenüber der jetzigen Planung anheben“, so lautet zumindest die Formulierung für die geplante Nachbesserung des neuen EEGs.

Höhere Ausbauziele sorgen jedoch nicht automatisch für mehr Wind- und Solaranlagen. So wurden in den vergangenen Jahren deutlich weniger Windräder zugebaut als geplant. Hier fordern Branchenmitglieder bessere Rahmenbedingungen. „Es gibt andere Länder, an denen sich Deutschland ein Beispiel nehmen sollte. Sonst wird die Situation sich vor allem bei der Windenergie an Land nicht verbessern“, sagt Enercon-Chef Janssen.

Für die Windindustrie ist mit der 2017 eingeführten Umstellung fester staatlicher Vergütungen auf freie Ausschreibungen, in denen nur die Hersteller mit den niedrigsten Geboten gewinnen, der Heimatmarkt eingebrochen. Jetzt konzentrieren sich Größen wie Nordex, Siemens Gamesa und Enercon zunehmend auf ausländische Märkte. Manche wie der ehemalige Turbinenhersteller Senvion haben ihre Strategie jedoch zu spät geändert und mussten Insolvenz anmelden.

Auch beim Auricher Unternehmen Enercon ist ein Erfolg nicht in Stein gemeißelt. Der Windkonzern hat sich als deutscher Marktführer viel zu lange fast ausschließlich auf die Heimat verlassen und muss sich jetzt erst einmal neben deutlich größeren Konkurrenten wie Vestas, Siemens Gamesa und GE im internationalen Windgeschäft behaupten.