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Krank nach dem Baden im Sommer: Diese Viren heften sich an Mikroplastik und überleben so bis zu drei Tage

Bis zu drei Tage können einige Viren überleben, die sich im Abwassersystem an Mikroplastik heften und so in Seen und Flüsse gelangen.

Ausflügler genießen das schöne Wetter am Schlachtensee in Berlin. (Bild: dpa)
Ausflügler genießen das schöne Wetter am Schlachtensee in Berlin. (Bild: dpa)

Die Plastikverschmutzung in Seen und Flüssen ist nicht nur eine Gefahr für die im Wasser lebende Tierwelt, sondern auch für Menschen. Die Interessengruppe "Surfers Against Sewage" berichtet, dass mehr als die Hälfte aller Briten, die in unbehandelten Gewässern geschwommen hätten, erkrankt seien. Am häufigsten litten die Schwimmer demnach an Magen-Darm-Beschwerden.

Die Zeitschrift "Environmental Pollution" veröffentlichte jüngst eine Studie, wonach Viren, die Erbrechen und Durchfall verursachen, sich an Mikroplastik haften können und im Süßwasser bis zu drei Tage lang infektiös bleiben. Außerdem experimentierten Forscher der Universität Stirling in Schottland mit winzigen Plastikkügelchen, wie sie in Gewässern auf der ganzen Welt vorkommen. Sie fanden heraus, dass Viren auf Mikroplastik länger überleben konnten als auf natürlichem Material.

Mikroplastik ist seit seiner Entdeckung vor mehr als 20 Jahren in praktisch jedem Winkel der Welt zu finden. Die Partikel sind nicht größer als Reiskörner, meist jedoch deutlich kleiner, und werden von Menschen und Tieren unwissentlich über das Trinkwasser und die Atemluft aufgenommen.

Die Wissenschaftler sind sich zwar nicht ganz sicher, wie sich die Aufnahme von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit im großen Maßstab auswirkt. Aber neuere Forschung hat ergeben, dass die Plastikverschmutzung das Überleben von Viren in fremden Umgebungen beeinflussen kann, was wiederum die Ausbreitung von Krankheiten beeinflussen könnte.

Kunststoffe können in der Kanalisation Viren aufnehmen

Mikroplastik könne aus Haushaltsabfällen und Abwässern stammen, die entweder direkt in Flüsse gelangten oder ihren Weg durch die Kanalisation nähmen. Die Autoren der Studie zur Umweltverschmutzung aus Stirling vermuten, dass Plastikpartikel in der Kanalisation mit Viren aufeinandertreffen.

Die Forscher stellten fest, dass Magen-Darm-Viren wie das Norovirus und das Rotavirus sich in besonders hohen Konzentrationen in menschlichen Abwässern finden. Und selbst nach der Klärung der Abwässer wurden diese Viren im Schlamm nachgewiesen, der auch in die Wasserstraßen gelangt. Bei einigen Muschelbänken konnte bereits eine Kontamination nachgewiesen werden.

Dieselbe Forschergruppe hatte zuvor in Plastikabfällen, die an Stränden in Schottland angeschwemmt worden waren, Krankheitserreger aus dem Abwasser, darunter das Bakterium E. coli, gefunden.

Manche Viren haften besser an Kunststoffen als andere

Viren und Bakterien haften sich Mikroplastik im Abwassersystem, um länger überleben zu können und sich besser verbreiten zu können. Das erhöht allerdings die Gefahr einer Erkrankung für Strandbesucher und auch Wildtiere.

Die Forscher fanden heraus, dass das Rotavirus, ein Magen-Darm-Virus, das häufig Babys und Kinder befällt, besser an den Kunststoffen haftete und im Vergleich zu den anderen getesteten Viren eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit hatte.

Das Rotavirus weist einige strukturelle Ähnlichkeiten mit anderen Magen-Darm-Viren und den Viren, die Erkältungen verursachen, auf, da ihm eine Virushülle fehlt. Die Autoren schlussfolgerten, dass unbehüllte Viren eine bessere Chance haben, an Plastik zu haften.

"Man braucht nicht viele Viruspartikel, um krank zu werden", erklärte der leitende Forscher Richard Quilliam der britischen Zeitung "The Telegraph". "Und wenn sich die Viren dann aus dem Plastik ins Wasser oder in den Sand lösen, wird ihre Persistenz in der Umwelt erhöht."

Der Text wurde aus dem Englischen von Tristan Filges übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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