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Jetzt kommen die E-Pods: Ist das der nächste Sharing-Trend?

Marco Weimer
·Lesedauer: 4 Min.
In Hamburg startet Flizzy dieses Jahr sein Sharing-Abo während in Berlin Enuu seine E-Pods zum Verleih anbieten will
In Hamburg startet Flizzy dieses Jahr sein Sharing-Abo während in Berlin Enuu seine E-Pods zum Verleih anbieten will

Sie sind kompakt konstruiert, elektrisch betrieben und könnten Carsharing in Großstädten attraktiver machen. Sogenannte E-Pods oder Kabinenroller passen in kleinste Parklücken, sind regensicher überdacht und bieten mehr Stauraum als ein Roller. In Deutschland wollen gleich zwei Startups ein eigenes Sharing-Angebot mit E-Pods auf die Straße bringen. Die neuen Anbieter versuchen damit eine Nische zwischen Pkw, E-Scooter und Fahrrad auszufüllen.

Dazu gehören auch Yoann Loetscher und Luca Placi. Sie haben 2018 in der Schweiz das Startup Enuu gegründet und zuvor ein eigenes Fahrzeug entwickelt. Der E-Pod wiegt 180 Kilogramm und kommt mit einer Batterieladung etwa 50 Kilometer weit. Es kann mit einem Moped-Führersein Klasse M auf der Straße gefahren werden und darf jede Parkfläche nutzen. Zum Vergleich: Etwa vier Enuu passen auf einen Auto-Parkplatz. Produziert wird der E-Pod in China. Im Mai will Loetscher die ersten 150 Fahrzeuge auf Berlins Straßen verteilen. Ähnlich wie bei den Wettbewerbern Emmy oder Tier Mobility wird pro Minute berechnet – und zwar in einer ähnlichen Preisklasse mit 19 Cent. Im Vergleich zu den E-Scootern soll es jedoch keine Start- oder Freischaltgebühr geben.

Enuu hat eine europäische Zulassung für Elektroleichtfahrzeuge. „Darum brauchen wir auch keine weitere Zulassung vom deutschen Kraftfahrt-Bundesamt. Wir haben uns allerdings noch eine Bestätigung vom Berliner Senat für die Inbetriebnahme unseres Services eingeholt“, sagt Loetscher gegenüber Gründerszene. Auf dem Fahrradweg oder Fußgängerweg darf das Fahrzeug nicht genutzt oder abgestellt werden.

So schnell wie ein Fahrrad

Das kommt den Städten zunächst entgegen. Hier gab es in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten mit Leihrädern und E-Scootern, die unsachgemäß abgestellt wurden oder andere Verkehrsteilnehmer behinderten. Ein Enuu ist mit 30 km/h etwas schneller als ein Fahrrad unterwegs.

Das Startup hat von Varsavsky Axel Springer Ventures (VAS ) im Jahr 2019 umgerechnet 1,3 Millionen Euro (1,4 Millionen Schweizer Franken) eingesammelt. Im Jahr 2020 wurde die Runde von VAS und zusammen mit Schweizer Business Angels auf 3,2 Millionen Euro erhöht.

In Basel hatte das Startup unter anderem mit Vandalismus zu kämpfen. Im Jahr 2020 waren in der Schweiz noch mehr als hundert Fahrzeuge im Betrieb. Die Schweizer Fahrzeuge sind Loetscher zufolge mittlerweile an B2B-Partner verkauft worden. Auch Corona-bedingt hat sich das Startup aus dem Sharing-Geschäft in der Schweiz zurückgezogen und will nur noch mit Geschäftspartnern zusammenarbeiten. Loetscher begründet den Schritt auch damit, dass er in deutschen Großstädten mehr Potenzial sehe. Vor allem in Anbindung mit multimodalen Plattformen wie Jelbi oder Free Now. Auch in München und Hamburg soll Ennu auf die Straße kommen, wenn es nach Loetscher geht.

Das Hamburger Modell im Abo

In Hamburg könnten die Schweizer auf Flizzy treffen. Der Hamburger Jungunternehmer Jan Hauke hat 2020 das gleichnamige Unternehmen aufgebaut und will ebenfalls mit Elektroleichtfahrzeugen das Carsharing kompakter angehen. Allerdings soll es hier um ein Abo-Modell gehen. Anstatt die Fahrzeuge minuten- oder kilometerbasiert anzubieten, ist eine monatliche Flatrate geplant. Bei zwölfmonatiger Bindung kostet Flizzy voraussichtlich 30 Euro, bei flexibler Kündigung nach derzeitigem Plan 99 Euro im Monat. Dafür will Hauke rund 200 Fahrzeuge im Laufe des Jahres in Hamburg verteilen.

Ähnlich wie bei Enuu soll ein Modell auf die Straßen kommen, das 45 km/h schnell ist und mit Führerscheinklasse M gefahren werden kann. Das andere Fahrzeug mit etwa 80 km/h hat mehr Platz zu bieten, dafür braucht es dann allerdings einen regulären Autoführerschein. Die ersten Fahrzeuge hat Hauke aus eigener Tasche und mit Krediten finanziert. Für weitere Anschaffungen führt Hauke derzeit Gespräche mit möglichen Investoren. Bei Flizzy kommen chinesische Fahrzeuge der Marke Zhejiang Today Sunshine für die größere Variante und Jiayuan beim kleineren Modell zum Einsatz.

Französischer Autobauer plant ein kleines Sharing-Auto

Der französische Autohersteller Renault hat mit der Marke Mobilize vor Kurzem ein eigenes Elektroleichtfahrzeug als Prototypen vorgestellt. Die kleinen E-Pods sollen zu einem Großteil aus recycelten und recyclebaren Materialien bestehen und eigens für Carsharing entwickelt werden. Derzeit stehen die Franzosen mit Kommunen und Mobility-Anbietern im Austausch, heißt es in einem Medienbeitrag. Auf Grundlage der bestehenden Anforderungen soll die Marke Mobilize zur Marktreife geführt werden. Auch Toyota hat ein ultrakompaktes Fahrzeug angekündigt, den C+pod.

Bis dahin können sich Enuu und Flizzy mit ihren Fahrzeugen schon mal als Sharing-Anbieter erproben und analysieren, ob Kunden bereit sind, vom Auto und Roller auf E-Pods umzusteigen.

Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Business Insider Deutschland GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zu Business Insider findet ihr hier: www.businessinsider.de/informationen/impressum