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„Knall doch einfach raus, wie es dir als Gründerin gerade geht“

·Lesedauer: 4 Min.
„Von Burnout nicht mehr weit entfernt“; Der Linkedin-Post von Gründerin Christina Schmitt wurde binnen weniger Stunden tausendfach geliked und kommentiert.
„Von Burnout nicht mehr weit entfernt“; Der Linkedin-Post von Gründerin Christina Schmitt wurde binnen weniger Stunden tausendfach geliked und kommentiert.

Nur wenige Linkedin-Posts in Deutschland dürften sich diese Woche so rasant verbreitet haben wie der von Christina Schmitt. Am Montag machte die Gründerin auf dem Karriereportal die Krise ihrer Markenagentur Speicher8 öffentlich. Es fehle an Kunden, falsche Entscheidungen seien getroffen worden, die Firma stehe mit mehr als 50.000 Euro im Minus. „Ich bin aktuell an einem Punkt, der vom Burnout nicht mehr weit entfernt ist“, schrieb Schmitt in einem knapp 3.000 Zeichen langen Text. Wenn es „scheiße“ laufe, drohe ihr bald die Insolvenz.

Ungewöhnlich intime Einblicke für das sonst hauptsächlich durch Erfolgsberichte bekannte Netzwerk. Was auf den Beitrag von Schmitt folgte, war eine Welle der Solidarität: Binnen weniger Stunden kamen unter Schmitts Post mehrere tausend Likes und wohlwollende Kommentare zusammen. Im Gespräch mit Gründerszene zeigt sich Schmitt überwältigt von der Anteilnahme – und erklärt, wie es zu dem viralen Post überhaupt kam.

Christina, du hast bei Linkedin mit einem bemerkenswerten Post auf dein kriselndes Startup aufmerksam gemacht. Wie kam es dazu?

Mit meinen Mitarbeitern habe ich in den vergangenen Monaten viel Zeit in ein Rebranding der Agentur gesteckt. So viel, dass die Kosten unsere Einnahmen bereits weit überstiegen. Wir waren also dringend auf neue Kunden angewiesen. Um Geld zu sparen, wollten wir Content auf Linkedin posten – so wie es viele Unternehmen eben machen. Das hat aber null funktioniert. Mir sind keine guten Themen eingefallen und wenn, haben sie keinen interessiert. Da hab ich mir gedacht: Knall doch einfach raus, wie es dir als Gründerin gerade geht.

Das heißt, der Linkedin-Post war ein Marketing-Stunt?

Nein, überhaupt nicht. Ich wollte einfach ehrlich und authentisch sein, meine Gefühle mitteilen und zeigen, dass es mir wirklich wichtig ist, meine Firma zu retten. Andere Gründerinnen und Gründer verstecken sich in so einer Krisensituation vielleicht. Mir erschien es plötzlich sinnvoll, das Gegenteil davon zu tun.

Mit Erfolg: Dein Post zählt inzwischen über 8.400 Likes und 1.100 Kommentare. Hast du mit dieser Reaktion gerechnet?

Mich hätte es schon überrascht, wenn zehn Leute den Post kommentiert hätten. Mit Worten wie „Oh, Christina, ich drück dich!“ oder „Kopf hoch, du schaffst das schon“. Aber, dass es so viele werden? Niemals. Bislang war ich bei Linkedin auch kaum existent. Ich habe selten kommentiert, bloß 200 Kontakte. Jetzt sind es 5.000.

Wann ist dir klar geworden, dass deine Geschichte viral geht?

Nach einer Stunde ungefähr. Ich hatte den Post vor der Veröffentlichung noch meinem Kollegen gezeigt. Er meinte nur: „Wenn es wirklich das ist, was du fühlst, hau es so raus.“ Danach hab ich den Laptop zugeklappt, das Büro verlassen und bin spazieren gegangen. Als ich wieder zurückkam, war auf meinem Profil bereits die Hölle los. Ich habe nur gedacht: „Was geht hier gerade ab?“ Die Leute haben mir nicht nur Mut zugesprochen, sondern auch aktiv ihre Hilfe angeboten – bei der Buchhaltung, beim Webdesign oder auch im Vertrieb.

Nimmst du sie denn an?

Auf jeden Fall! Erste Videotelefonate habe ich schon geführt. Ein erster Schritt wird zum Beispiel sein, dass wir uns vor allem bei der Akquise neuer Kunden helfen lassen. Das ist die größte Baustelle.

Laut deinem Linkedin-Post hast du das in den vergangenen Monaten selbst nicht „auf die Reihe“ bekommen.

Genau, mir liegt Vertrieb einfach nicht. Es macht mir null Spaß und ich bin auch niemand, der seine Fähigkeiten gerne in den Vordergrund stellt. Entsprechend schwer fällt es mir, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Du hast außerdem geschrieben, dass du vor der Gründung deiner Firma immer „eine gewisse Arroganz“ gegenüber früheren Arbeitgebern hattest. Dafür schämst du dich jetzt. Warum?

Ich war nie eine gute Arbeitnehmerin. Ich hatte schon immer sehr starke Vorstellungen von einer gemeinwohlorientierten Welt, weshalb ich mit vielen früheren Chefs oft in Konflikt geraten bin – auch was die Art des Arbeitens angeht. Ich wollte verändern, Dinge tun, die meiner Person entsprechen. Das war selten der Fall. Deshalb habe ich mich ja auch für die Selbstständigkeit entschieden. Ich war wirklich überzeugt, dass ich es besser weiß. Im Rückblick hätte mir etwas mehr Demut sicher geholfen.

Auch privat scheint dich die Krise deiner Firma zu belasten. Du seist an einem Punkt, der von Burnout „nicht mehr weit entfernt“ ist.

Das hat auch mit meiner Beziehung zu tun. Mein Freund hat gerade ein anderes privates Projekt abgeschlossen, sodass wir in den vergangenen Monaten beide unter enormen Stress standen. Es ging immer nur um diese beiden Sachen, wirklich gute Gespräche oder sowas wie Quality Time gab es kaum. Das hat mich zusätzlich zermürbt.

Wie geht es jetzt mit deiner Firma weiter?

Die nächsten vier Wochen werden überlebenswichtig. Damit wir noch mit einer schwarzen Null am Jahresende rauskommen, braucht es zudem mindestens 30.000 Euro Umsatz. Dafür werden wir hart kämpfen müssen. Der enorme Zuspruch und Support aus der Szene macht mich aber zuversichtlich, dass wir das schaffen.

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