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KI, Home Office: Warum diese Radiologin ihren Job als Ärztin hinwarf, um zu gründen

Glaubt an die Macht von KI: Raya Diagnostics-Gründerin Nora Sommer - Copyright: Raya Diagnostics
Glaubt an die Macht von KI: Raya Diagnostics-Gründerin Nora Sommer - Copyright: Raya Diagnostics

Ärzte stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen. Durch den demografischen Wandel steigt der Anteil an älteren Menschen in Deutschland – und mit ihm auch die Anzahl derjenigen, die eine ärztliche Versorgung benötigen. Dem Zentrum für Krebsregisterdaten zufolge leben in Deutschland mehr Menschen mit einer Krebsdiagnose als je zuvor. Gleichzeitig kämpfen viele Kliniken mit den Problemen des Fachkräftemangels. Auch in der Radiologie, die bei der Erkennung von Erkrankungen wie Krebs eine besonders wichtige Rolle spielt. Die Radiologin Nora Sommer will mit ihrem Telemedizin-Startup Raya Diagnostics genau hier ansetzen – auch mit der Hilfe von KI. Was sie von den meisten anderen Startups unterscheide? „Bei uns geht es immer um Patientenleben“, so Sommer.

Warum eine Radiologin ein Startup gegründet hat

„Wir haben auf der einen Seite einen großen Bedarf nach radiologischer Diagnostik und gleichzeitig eine stark abnehmende Anzahl an Radiologen“, sagt die Gründerin im Gespräch mit Gründerszene. Deshalb hat sie 2021 gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Christoph Commes von Bits & Pretzels und dem Informatiker Tobias Höfler Raya Diagnostics gegründet. Zuvor war Sommer zehn Jahre lang als Radiologin an der Universitätsklinik der LMU München tätig, kennt also die Alltagsprobleme eines Radiologen ganz genau.

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„Es fällt uns schwer, die ärztliche Expertise im System zu halten“, erklärt die Gründerin. Gemeint ist der Verlust gut ausgebildeter Fachärzte. Aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen wollen viele von ihnen nicht mehr in der medizinischen Versorgung arbeiten, laut Sommer. Die Radiologengruppe 2020 - ein deutschlandweiter Verbund inhabergeführter radiologischer Praxen – hat im vergangenen Jahr in einem Positionsschreiben vor den Engpässen im Gesundheitssystem gewarnt. Beispielsweise werden seit 2023 die Schulkosten der MTR-Auszubildenden (Medizinischer Technologe für Radiologie) in der ambulanten Radiologie nicht mehr erstattet.

Radiologen spielen bei der Diagnose von Erkrankungen eine wichtige Rolle. Die weitläufige Annahme, dass sie einzig das Röntgenbild erstellen, stimmt laut Sommer nicht. Stattdessen analysieren und interpretieren die Radiologen digitale Bilddatensätze, anhand derer sie einen Befund erstellen, der dem Arzt eine finale Diagnose für den Patienten ermöglicht. Jährlich werden rund 130 Millionen Röntgenuntersuchungen allein in Deutschland durchgeführt – bei einem Anteil von rund 10.000 Radiologen in Deutschland.

Gründerin zur Digitalisierung: „Manchmal wird sogar noch eine CD von A nach B geschickt oder gefaxt“

Raya Diagnostics bietet eine Entlastung für die Kliniken an. Die Idee: Ein Team aus Radiologen erstellt die Befunde für die radiologischen Abteilungen in den Klinken. Die Radiologen im Team von Raya – insgesamt etwa 25 Festangestellte – arbeiten im Home-Office. „Die Radiologie ist digital. Da ist es egal, ob man in der Klinik oder Zuhause befundet“, erklärt Sommer. Das Team verspricht eine Versorgung 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche.

Für Radiologen soll somit die Arbeit attraktiver werden. Anfahrtswege können durch das Home-Office eingespart werden. Und die Fachärzte können Zuhause ihren „eigenen, perfekten Arbeitsplatz gestalten“, wie die Gründerin betont. Bei Raya arbeite der Großteil der Radiologen in Teilzeit. Trotzdem verspricht das Startup eine ganztägige Abdeckung und Befundergebnisse innerhalb von 20 Minuten. Wie soll das funktionieren?

Zuerst müsse man sich den alten Arbeitsablauf ansehen, so Sommer. Im Regelfall sei es so, dass die Patienten in einer Klinik untersucht werden. Der zuständige Chirurg leitet den Fall an den Radiologen weiter – ist dieser nicht in der Klinik, werde Sommer zufolge oft gefaxt. Der Tele-Radiologe erhält das Fax und gibt seine Zustimmung. Die Untersuchung findet statt und der Radiologe erhält die Bilddaten. Nach Auswertung dieser erstellt er den Befund und schickt diesen per Fax erneut an die Klinik zurück. Der Befund wird von der Klinik eingescannt und in die digitale Patientenakte hochgeladen. „Manchmal wird sogar noch eine CD von A nach B geschickt oder gefaxt“, sagt Sommer. Klingt umständlich, ist es auch.

Wer mit Raya Diagnostics arbeitet, hat folgenden Ablauf: Wenn die Klinik, mit der Raya zusammenarbeitet, keinen Radiologen vor Ort hat, kann der zuständige Arzt über das System die Informationen an die Radiologen bei Raya weiterleiten. Diese überprüfen den Fall und geben ihre Zustimmung für eine weitere Untersuchung. Eine Assistenz erstellt in der Klinik die Bilder und sendet diese an die Radiologen bei Raya. Der Befund wird erstellt und an die Klinik weitergeleitet – alles digital und in einem System.

Für die Kliniken sei es nicht umständlich, Raya Diagnostics bei sich zu integrieren. Das Startup arbeitet mit HL7 - einem Standard im Gesundheitssektor beim Austausch von Daten. Dadurch seien 70 Prozent des Marktes theoretisch für Raya abgedeckt. Dem Startup zufolge arbeiten sie bereits mit 40 Klinikstandorten in Deutschland. Pro Jahr werden rund 80.000 Untersuchungen durchgeführt, heißt es.

Unterstützung durch KI, doch wo liegen die Grenzen?

Eine Auswertung der tausenden Datensätze wäre ohne KI-Algorithmen kaum möglich. „Die KI ist ein zusätzliches digitales Augenpaar, das nie müde wird“, erklärt Sommer. Die Radiologie gehört in der Medizin zu den Bereichen, in denen schon sehr früh auf die Technologie zurückgegriffen wurde. Die Gründerin ist sich sicher: „Ohne KI können wir die Lücke, die durch den demografischen Wandel und Fachkräftemangel entsteht, nicht schließen.“

Doch auch die Tele-Radiologie kommt an ihre Grenzen. Ein direkter Austausch zwischen Patient und Radiologen findet nicht statt. Bei Ultraschalluntersuchungen könne dies zu Fehlern führen. Hier sei es besser, wenn der Radiologe vor Ort ist, sagt Sommer. „Die fehlende Anwesenheit radiologischer Fachärzte vor Ort könnte zu einer aus Sicht des Strahlenschutzes unerwünschten Vermehrung von CT-Untersuchungen führen“, heißt es zudem in einem Artikel des österreichischen Gesundheitswesens aus dem Jahr 2022.

Ohne Tele-Radiologie wird es in Zukunft jedoch nicht gehen. Da sind sich Nora Sommer und Fachexperten einig. Das Startup will also weiter wachsen. Finanzierungen haben sie bei Raya bisher aus einem persönlichen Netzwerk und von Business Angels erhalten, sagt die Gründerin. Genaue Angaben zum Finanzierungsvolumen und zum Umsatz will die Radiologin nicht machen. Zum Ende des Jahres soll das Startup schwarze Zahlen schreiben.