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Gewinn der Citigroup bricht ein – JP Morgan steigert überraschend Ergebnis

·Lesedauer: 5 Min.

Die US-Banken profitieren vom florierenden Aktien- und Anleihehandel. Citi bekommt die Folgen der Coronakrise als einer der größten Kreditkartenanbieter jedoch deutlich zu spüren.

Die US-Großbank musste zuletzt 400 Millionen Dollar Strafe zahlen Foto: dpa
Die US-Großbank musste zuletzt 400 Millionen Dollar Strafe zahlen Foto: dpa

Amerikas größte Bank JP Morgan Chase zeigt sich in der Coronakrise deutlich widerstandsfähiger als die Konkurrenz. Das Institut meldete am Dienstag einen Quartalsgewinn von 9,4 Milliarden Dollar. Das sind vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Coronakrise ist damit vorerst abgeschüttelt. Im ersten Halbjahr musste die Bank wie alle anderen großen Institute auch Gewinneinbußen hinnehmen, um sich auf Kreditausfälle vorzubereiten.

Nun zeigt sich, dass die Bank offenbar zu pessimistisch war. Die Verbraucher sind in besserer Verfassung als ursprünglich angenommen. Der Wertpapierhandel und das Investmentbanking waren im dritten Quartal ebenfalls überraschend stark. Die Umsätze aus dem Handelsgeschäft stiegen um 30 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar – das war deutlich mehr als die 20 Prozent, die Finanzchefin Jennifer Piepszak noch im September in Aussicht gestellt hatte. Die Gebühren aus dem Investmentbanking-Geschäft zogen um neun Prozent an.

Auch fuhr die Bank die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite zurück. Das hat laut Piepszak jedoch eher mit einer veränderten Kreditstruktur zu tun als mit einem deutlich verbesserten Ausblick auf die Lage. So hätten gerade Unternehmenskunden ihre Revolverkredite zurückbezahlt und sich anderweitig finanziert.

Angesichts der anhaltenden Coronakrise gebe es weiter viele Unsicherheiten, betonten Piepszak und CEO Jamie Dimon am Dienstag. Sollte die Wirtschaft erneut einbrechen, „dann wird der Konsument stark darunter leiden“, warnte Dimon. Er sprach sich für ein weiteres Konjunkturpaket aus, das die Wirtschaft und damit auch die Bankkunden unterstützen würde. Gerade die zwölf Millionen Arbeitslosen und die von einer Pleitewelle bedrohten Mittelständler bräuchten dringend Hilfe. Doch die Bank sei weiter auf verschiedene Szenarien vorbereitet.

Octavio Marenzi, CEO der Kapitalmarktberatung Opimas, sagte zu den Zahlen: „Wenn man sich die Ergebnisse von JP Morgan ansieht, könne man meinen, die Covidkrise hätte es nie gegeben.“ Die Eigenkapitalrendite sei mit 15 Prozent zurück auf Vorkrisenniveau. „Die Schwächen im Privatkundengeschäft wurden von der anhaltenden Stärke im Investmentbanking ausgeglichen.“

Gewinn der Citigroup bricht ein

Weniger rosig war die Stimmung dagegen beim Konkurrenten Citigroup. Der Quartalsgewinn brach um 34 Prozent ein, auf 3,2 Milliarden Dollar. Anders als JP Morgan erhöhte Amerikas drittgrößte Bank die Risikovorsorge um gut acht Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Das war jedoch auch weniger als die sieben Milliarden Dollar, die die Bank jeweils in den ersten beiden Quartalen zurückgelegt hatte. Die Erträge gingen um sieben Prozent auf 17,3 Milliarden Dollar zurück.

Auch Citi profitierte von der guten Stimmung an den Kapitalmärkten. Die Handelsumsätze stiegen um 17 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Doch das konnte die Schwächen in anderen Bereichen nicht ausgleichen. Das Privatkundengeschäft war aufgrund der anhaltenden Rezession schwach.

Als einer der größten Kreditkartenanbieter des Landes spürt Citi deutlich, dass sich die Verbraucher bei Ausgaben zurückhalten. Alle Banken leiden unter den niedrigen Leitzinsen, die die US-Notenbank Fed im März im Zuge der Coronakrise auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt hatte und dort vermutlich länger belassen wird.

Citigroup musste zudem 400 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil „verschiedene Bereiche im Risikomanagement und bei den internen Kontrollen“ Mängel aufweisen würden, so die Fed und der Bankenaufseher OCC.

Die Strafe kam nur wenige Wochen, nachdem ein Banker versehentlich 900 Millionen Dollar an eine Gruppe von Kreditgebern des Kosmetikunternehmens Revlon geschickt hatte. Die Kreditgeber hätten eigentlich nur eine Zinszahlung bekommen sollen, doch der Mitarbeiter hat laut Citi versehentlich die gesamte Kreditsumme überwiesen. Der Fall soll nun im Dezember vor Gericht ausgefochten werden, da die Empfänger sich weigern, das Geld zurückzuschicken.

Branchenkenner verweisen auf strukturelle Probleme, wenn einem einzelnen Mitarbeiter so etwas passieren kann. CEO Michael Corbat kündigte Investitionen an, um die digitale Infrastruktur der Bank insgesamt zu verbessern.

Corbat hatte im September angekündet, die Bank im Februar und damit früher als geplant zu verlassen. Seine Nachfolgerin wird Jane Frazer, die bisherige Leiterin des Privatkundengeschäfts. Sie wird damit die erste Frau an der Spitze eines großen Wall-Street-Hauses sein. Frazer wird in der Branche für ihre zupackende Art und ihre tiefe Kenntnis der Bank geschätzt. Sie muss jedoch eine Reihe von schwierigen Entscheidungen über die Zukunft des Instituts treffen.

Citi hat anders als die anderen großen Banken ein starkes Auslandsgeschäft, vor allem in Mexiko und in Asien. Dafür ist das Privatkundengeschäft in den USA vergleichsweise klein. Synergieeffekte zwischen den Staaten gibt es kaum. Dabei war es gerade das Privatkundengeschäft in den USA mit seinen stabilen Renditen und der Möglichkeit, die Kunden auch für andere Produkte zu gewinnen, was JP Morgan und Bank of America in den vergangenen Jahren deutlich Auftrieb verschafft hat.

Einen Käufer für das Mexiko-Geschäft zu finden dürfte in diesen Zeiten schwierig werden, warnen Analysten. Genauso schwer ist es, Geschäft in den USA zuzukaufen, zumal Citis Aktienkurs deutlich schlechter abgeschnitten hat als die Papiere der Konkurrenz. Unter Corbats Amtszeit, die 2012 begann, ist der Kurs um rund 55 Prozent gestiegen. Das Papier von JP Morgan liegt 200 Prozent im Plus. Und dann müssten auch noch die Regulierer zustimmen.

Michael Corbat stimmte die Analysten am Dienstag auf eine längere Phase der Investitionen ein, auch um die regulatorischen Probleme zu beheben. Die Bank habe „nicht schnell genug und nicht umfassend genug“ gehandelt, räumte er ein.

Analyst Mike Mayo von Wells Fargo vermisst bei der Citi „eine gewisse Dringlichkeit“ darin, die Dinge anzupacken und forderte Corbat auf, den CEO-Posten noch schneller zu räumen, um den Weg für seine Nachfolgerin freizumachen. Corbat lehnte das ab. Er wolle Fraser genügend Zeit geben, um sich einzuarbeiten.

Die Citi-Aktie verlor im Tagesverlauf rund vier Prozent. Das Papier von JP Morgan lag in einem schwachen Markt knapp zwei Prozent im Minus.