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Japans Notenbank streicht das Kaufziel für Staatsanleihen

Die Bank von Japan will sowohl Unternehmen als auch den Staat noch stärker unterstützen. Selbst der unbegrenzte Kauf von Staatsanleihen wird jetzt möglich.


Die Aufgabe des jährlichen Kaufziels von 80 Billionen Yen (688 Milliarden Euro) soll die Wirtschaft, die immer stärker unter den Folgen der Coronakrise leidet, stützen. Foto: dpa

Die Bank von Japan hat sich am Montag das Recht zugestanden, unbegrenzt japanische Staatsanleihen (JGBs) zu kaufen. Die Aufgabe des jährlichen Kaufziels von 80 Billionen Yen (688 Milliarden Euro) ist Teil weiterer geldpolitischer Hilfen für die Wirtschaft, die immer stärker unter den Folgen der Coronakrise leidet. In ihrem Paket verstärkt die Bank von Japan besonders die Finanzierung von Unternehmen.

So erhöhte die Notenbank ihr Limit für den Besitz von kurzfristigen Geldmarktpapieren und Unternehmensanleihen drastisch auf 20 Billionen Yen (172 Milliarden Euro). Bisherigen Besitz mit eingerechnet, erhöhen Japans Währungshüter damit die Kaufziele für diese zwei Wertpapiere um 650 Prozent auf jeweils 7,5 Billionen Yen (64,5 Milliarden Euro). Außerdem will die Bank in ihrem Covid-19-Programm nun auch private Schulden als Sicherheit von Banken akzeptieren, um so kleineren Unternehmen den Zugang zu Bankkrediten zu erleichtern.

Japans Zentralbank setzt mit ihrer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik den Ton für die Sitzungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB), die ebenfalls in dieser Woche neue Hilfsmaßnahmen beschließen dürften. Gerade die Bank von Japan steht dabei unter Druck, da sie nach 20 Jahren Nullzinspolitik weniger Spielraum als andere Notenbanken hat.

So lagert schon jetzt fast die Hälfte aller japanischen Staatsanleihen (JGBs) in ihren Tresoren. Außerdem ist sie durch den massiven Kauf von börsennotierten Aktienfonds inzwischen stiller Großaktionär in vielen Konzernen der Japan AG geworden. Die neuen Maßnahmen liegen daher „im Bereich der Erwartungen“, meint Toshihiro Nagahama, Chefvolkswirt des Wirtschaftsforschungsinstituts der Dai-ichi-Lebensversicherung. Aber er sieht auch eine wichtige Botschaft in den Maßnahmen. „Ich denke, dass die monetäre Lockerung sich seit der Corona-Pandemie von einer faktischen Wechselkurspolitik zu einer Maßnahme zur Unterstützung des Cashflows der Unternehmen gewandelt hat.“

Bloombergs Ökonom Yuki Masujima sieht dies ähnlich: „Die Maßnahmen werden es der Zentralbank erlauben, mehr zu tun, um die Japan AG und Konjunkturprogramme zu unterstützen.“ Das oberste Ziel scheine die Vermeidung einer Pleitewelle zu sein. Die Reflation der Wirtschaft, also der Versuch, mit einer Geldschwemme die Konjunktur anzukurbeln, sei vorerst gestoppt worden.

Ein Schachzug mit Hintersinn

Auf den ersten Blick erscheint diese Interpretation paradox, da die Bank von Japan ihre bisherige Obergrenze für den JGB-Kauf aufgibt. So versprach die Notenbank, dass sie so viele Staatsanleihen kaufen werde wie nötig sei, um die Zinsen für zehnjährige JGBs bei null Prozent zu halten.

Da der hochverschuldete Staat nun noch einmal auf Pump die Wirtschaft mit einem massiven Konjunkturprogramm stützen will, könnte diese Maßnahme wie ein Freibrief zum Schuldenmachen wirken. Aber Daisuke Karakama, der Chef-Marktökonom der Mizuho-Bank, sieht in der Aufgabe des 80-Billionen-Yen-Limits „eine ausgezeichnete Arbeit der Verwaltung“, mit der die Bank sich weniger den Weg zu mehr JGB-Käufen ebnet, sondern auch einen möglichen Einstieg in den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik.

Der Grund: Das Kaufziel war nur noch ein Symbol der Geldpolitik und faktisch schon lange ausgehöhlt. Derzeit muss die Notenbank nur noch jährlich JGBs für zehn Billionen Yen kaufen, um die Zinsen für zehnjährige JGBs nahe null Prozent zu halten.

Aber die Existenz der Grenze sei ein Hindernis für einen künftigen Abbau der Notenbankbilanz gewesen, so Volkswirt Karakama. Denn bisher fürchtete die Notenbank, dass die Finanzmärkte die Streichung ihres Kaufziels als eine Aufgabe ihrer ultralockeren Geldpolitik werten würden. Davon kann in der gegenwärtigen Situation nicht mehr die Rede sein.

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