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Imkern ist mehr als ein Hobby

·Lesedauer: 5 Min.

Münster (dpa/tmn) - Seit einigen Jahren ist Imkern richtig hip und jede Menge Hobbyimker möchten sich für Bienen, Natur und Umwelt einsetzen. Dass man den Beruf auch von Grund auf erlernen kann, wissen die wenigsten.

Wer Berufsimker oder Berufsimkerin werden will, kann die dreijährige Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Imkerei machen.

So wie Chiara Köser, die bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen als Imkerin arbeitet. Im Job-Protokoll erzählt die 23-Jährige, was erdende und herausfordernde Momente sind, was Imker eigentlich im Winter machen und warum der erste Stich des Jahres etwas ganz Besonderes ist.

Der Weg in den Beruf:

Ich habe mein Fachabitur in Agrarwirtschaft gemacht. Meine Ausbildung zur Tierwirtin der Fachrichtung Imkerei habe ich im öffentlichen Dienst bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gemacht und im Sommer 2021 abgeschlossen.

Die Ausbildung kann man auch bei Berufsimkern absolvieren. Mir hat aber gut gefallen, dass bei der Landwirtschaftskammer NRW die Öffentlichkeitsarbeit und die Beratung eine große Rolle spielen.

Die Aufgaben:

Einen typischen Arbeitstag gibt es für Imkerinnen und Imker nicht, dafür ist der Beruf viel zu komplex und abwechslungsreich. An einem Tag mitten im Sommer packen wir zum Beispiel frühmorgens den Bulli mit den Werkzeugen und Utensilien, die wir am Tag brauchen werden. Dann geht es los, um die Bienenvölker zu kontrollieren.

Wir müssen den Bienen zum Beispiel ausreichend Platz für die Brut im Volk geben, also Maßnahmen ergreifen, die das Ausschwärmen der Bienen verhindern sollen. Wir setzen auch, wenn nötig, neue Honigräume auf und gucken grundsätzlich, ob es allen Völkern gut geht. Die Arbeit muss sorgfältig für die Kolleginnen und Kollegen dokumentiert werden.

Was Imker im Winter machen:

Wir müssen zum einen die Bienen für den Winter vorbereiten, sodass sie genügend Futter haben. Und wir müssen etwa die Leerwaben behandeln und einlagern, damit sie vor Wachsmotten geschützt sind und sauber für die nächste Saison parat stehen.

Außerdem steht das Einlöten von Mittelwänden in die Rähmchen an und immer sind irgendwo kleine Material-Reparaturen nötig. Im Herbst und Winter bereiten wir auch Märkte vor, auf denen wir Waren wie Honig, Kerzen oder Präsente verkaufen. Und wir bieten zum Beispiele Seminare und Kurse an.

Die schönsten Seiten des Berufs:

Mit am Schönsten für mich ist es, mit den Bienen von einem Standort zum anderen zu wandern. Wandern bedeutet, die Bienen abzuholen und woanders hinzubringen. Das geschieht meist früh am Morgen. Dann schon körperlich aktiv zu sein und zum nächsten Ort zu fahren - das erfüllt mich persönlich jedes Mal.

Schön ist für mich zum Beispiel auch, wenn die Saison wieder beginnt und man den ersten Stich des Jahres bekommt. Dann weiß man: Jetzt geht es wieder los. Wir versuchen, ohne Schutzkleidung wie Schleier oder Handschuhe zu arbeiten. Einfach, um eine bessere Sicht und ein besseres Gefühl für die Bienen und das Volk zu haben. Das heißt dann: In der Hauptsaison werde ich mindestens einmal pro Tag gestochen, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Das sind die größten Herausforderungen:

Es geht uns immer um das Wohl der Bienen. Da müssen wir manchmal sehr schnelle und auch schwere Entscheidungen treffen. Das ist zum Teil nicht so schön, etwa, wenn ein Volk dem Tode nahe ist und man versucht, das noch in den Griff zu bekommen. Man darf keine Scheu vor Verantwortung und den Konsequenzen haben, schließlich ist man das ausführende Organ am Bienenstock.

Was viele anfangs außerdem unterschätzen, ist die körperliche Arbeit. Es ist ein sehr anstrengender Job. Es gehört viel Handwerk dazu und auch einiges an Reinigungsarbeiten.

Wer sich als Berufsimker durchsetzen will, braucht zudem viel Durchhaltevermögen, die Konkurrenz in den Supermärkten und aus der Industrie ist groß. Außerdem muss man flexibel sein, denn der Job ist sehr zeitintensiv.

Welche Klischees mir immer wieder begegnen:

Eines der allergrößten ist das Klischeebild vom Imker: Männlich, über 50, graues, langes Haar und Vollbart. Da wird schon oft schräg angeguckt, wenn man sich zum Beispiel als junge Frau als Azubi vorstellt und genau dem Gegenteil entspricht.

Dazu gehört auch, dass viele denken, die Imkerei sei bloß ein Hobby. Oft kommt die Frage: Kann man das wirklich als Ausbildung lernen? Aber wir erklären das immer ganz freundlich, bleiben locker und können auch darüber lachen.

Info-Kasten: Ausbildungsvergütung und Aussichten

Die Ausbildungsvergütung kann je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedlich ausfallen. Angehende Tierwirte können im Durchschnitt mit etwa 665 Euro brutto im Monat rechnen, zeigen etwa Zahlen des Bildungsserver Agrar von 2019.

Etwa die Hälfte der angehenden Tierwirte in der Fachrichtung Imkerei mache eine Ausbildung in einer staatlichen Einrichtung, sagt Ingrid Illies vom Institut für Bienenkunde und Imkerei von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Dort richtet sich die Vergütung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Bei der Landwirtschaftskammer NRW bekommen Azubis eigenen Angaben zufolge zum Beispiel eine monatliche Brutto-Vergütung von 1036 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Im dritten Jahr sind es 1140 Euro.

Die Berufsaussichten für Imkerinnen und Imker schätzen Branchen-Experten momentan positiv ein. «Wenn man derzeit einen Abschluss als Tierwirt der Fachrichtung Imkerei macht, findet man jederzeit ein Stelle», sagt Illies.

Insgesamt hat die Imkerei in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt - unter anderem, weil Themen wie das Insektensterben stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt sind und die Wertschätzung für Bienenprodukte zugenommen hat.

Einsatzmöglichkeiten gibt es für Imkerinnen und Imker diverse: Viele arbeiten selbstständig oder übernehmen den Familienbetrieb. Es gibt aber beispielsweise auch die Option, bei Bieneninstituten, in ökotoxikologischen Laboren, in der lebensmittelverarbeitenden Industrie oder etwa im Entwicklungsdienst in Afrika oder Asien tätig zu werden.

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