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IG Metall fordert mehr Tarifbindung

Fast eine Woche tagt die IG Metall in Nürnberg. Über fast 800 Anträge wird beraten. Foto: Oliver Dietze/Archiv

483 Delegierte, fast 800 Anträge, sechs Plenartage: Die IG Metall fährt zum Gewerkschaftstag in Nürnberg groß auf. Es sollen Antworten gefunden werden auf große Fragen - nach der Zukunft der Arbeit und nach klimafreundlicher Produktion in der Metallbranche.

Nürnberg (dpa) - Mit einer Forderung nach mehr Tarifbindung hat die IG Metall in Nürnberg ihren 24. ordentlichen Gewerkschaftstag eröffnet.

Die stellvertretende Vorsitzende Christiane Benner forderte die Industriebetriebe auf, sich wieder stärker in Tarifgefüge zu begeben, um Herausforderungen gemeinsam mit den Gewerkschaften zu lösen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte, die größten Probleme in der Arbeitswelt existierten dort, wo es keine Tarifbindung gebe.

In den kommenden Tagen wollen sich die 483 Delegierten aber vor allem mit der Frage auseinandersetzen, wie in einer sich dramatisch verändernden Arbeitswelt durch Energie- und Mobilitätswende die Sicherung der Beschäftigung gewährleistet werden kann.

«Die Transformation liegt nicht vor uns, die hat bereits begonnen», sagte Arbeitsminister Heil. Es werde Bereiche geben, in denen menschliche Arbeit etwa durch die Digitalisierung ersetzt werde. Es gebe aber auch Bereiche, wo die Nachfrage nach menschlicher Arbeit sogar wachse - etwa in der Pflege. «Nur 20 Prozent der Altenpflegerinnen und Altenpfleger sind tarifgebunden», sagte Heil. Es sei eine «Frage der Vernunft», dies zu ändern.

Neben der Beratung über das Arbeitsprogramm für die nächsten vier Jahre und der Behandlung von fast 800 Anträgen stehen für die Gewerkschafter auch Vorstandswahlen an. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann und seine Stellvertreterin Benner wollen sich erneut zur Wahl stellen. Am Donnerstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einer Rede in Nürnberg erwartet.

Bundesarbeitsminister Heil betonte auch, er wolle für den Fall, dass in Deutschland eine wirtschaftliche Krise bevorstehe, alle Instrumente parat haben, um flexibel reagieren zu können. Deutschlands mit 2,2 Millionen Mitgliedern mächtigste Gewerkschaft erhofft sich eine Ausweitung des Kurzarbeitergelds. Diese Lohnersatzleistung aus den Kassen der Arbeitslosenversicherung soll dazu genutzt werden, Metallbeschäftigte für die veränderten Anforderungen fit zu machen.

In vom Wandel betroffenen Branchen, etwa in der Automobil-Zulieferindustrie, wurden bereits erste Ankündigungen von Kurzarbeit gemacht. Experten erwarten weitere Unternehmen, die von dem Mittel Gebrauch machen wollen.

Nach Einschätzung von Gewerkschaftschef Hofmann stecken die Kernbranchen der IG Metall wie Fahrzeug- und Maschinenbau mitten in gewaltigen Umbrüchen, getrieben von der Digitalisierung und der Umstellung auf klimafreundlichere Antriebe. Den Staat sieht Hofmann in einer besonderen Verantwortung, dass es dabei gerecht zugeht.

Auch die Stahlindustrie oder der Energieanlagenbau stecken in der Krise. Ziel der Gewerkschaft sei es, möglichst viele Jobs in Deutschland zu halten und neue Arbeitsplätze dort anzusiedeln, wo alte wegfallen. Zur Mobilitäts- und Energiewende will die Gewerkschaft ein Aktionsprogramm beschließen.

Die Arbeitgeber warnten die IG Metall davor, mit überbetrieblichen Qualifizierungsansprüchen zusätzliche Kosten zu verursachen. Die tariflichen Regelungen zum Thema stammten größtenteils aus dem Jahr 2015 und seien umfassend genug. Sie müssten nur konsequent genutzt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt. Die künftigen Tarifforderungen müssten sich klar am Produktivitätsfortschritt orientieren und die «fatale Kostenentwicklung» der vergangenen Jahre stoppen.