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Zweite Corona-Welle belastet Ifo-Geschäftsklima stark

·Lesedauer: 3 Min.
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts: Die deutsche Wirtschaft läuft trotz Corona weitgehend störungsfrei, aber wie lange noch?
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts: Die deutsche Wirtschaft läuft trotz Corona weitgehend störungsfrei, aber wie lange noch?

Zum Jahresauftakt verschlechtert sich die Stimmung in deutschen Unternehmen. Die Erholung der deutschen Wirtschaft sei vorerst beendet, sagen die Münchner Ökonomen. Und wie werden die Aussichten für die kommenden Monate beurteilt?

München (dpa) - Die Stimmung in den Unternehmen in Deutschland hat sich zu Beginn des Jahres angesichts der verlängerten Corona-Beschränkungen überraschend deutlich eingetrübt.

Im Januar fiel das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigster Konjunkturindikator, im Monatsvergleich um 2,1 Punkte auf 90,1 Zähler, wie das Ifo-Institut in München mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang auf 91,4 Punkte erwartet. Im Dezember hatte sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen nach zwei Rückgängen in Folge noch verbessert.

«Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet», kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der Umfrage unter etwa 9000 Unternehmen. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr wurden durch die befragten Unternehmen schlechter bewertet.

Im Bereich Dienstleistungen sei der Indikator für das Geschäftsklima «merklich» gesunken, hieß es. Der Sektor wird durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besonders hart getroffen. Im Bereich Handel ist der entsprechende Indexwert geradezu abgestürzt, von plus 0,3 Punkten im Dezember auf minus 17,2 Zähler im Januar. «Die Stimmung verschlechterte sich, teilweise massiv, in nahezu allen Einzelhandelssparten», betonte das Ifo.

Aber auch im verarbeitenden Gewerbe, zuletzt eine Stütze der deutschen Wirtschaft in der zweiten Corona-Welle, ist der Indexwert nach acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Auch im bisher robusten Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima verschlechtert.

«Bei den deutschen Unternehmen macht sich zu Beginn des Jahres Ernüchterung breit», sagte Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank. Mittlerweile zeigten sich die Auswirkungen der strikteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland der Bank ING. Für Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, ist vor allem der Rückschlag bei den Geschäftserwartungen besorgniserregend: «Das kratzt an dem Szenario, dass mit den Impffortschritten bis Sommer bereits eine deutliche Entlastung zu spüren sein wird.»

Angesichts der stockenden staatlichen Hilfe für geschlossene Betriebe sprach sich Fuest für flexiblere Instrumente aus. «Man könnte die Steuervorauszahlungen des letzten Jahres pauschal kürzen und den Firmen so helfen», sagte er im ZDF-«Morgenmagazin». Dazu könnten die Finanzämter einbezogen werden, die Kontakte zu allen Firmen hätten.

Fuest warnte vor einem radikalen Lockdown einschließlich geschlossener Industriebetriebe. «Es wäre Wahnsinn, die Industrie jetzt stillzulegen.» Das dürfe man unter keinen Umständen tun. «Wir müssen die Industrie offen halten, wir können uns einen wirtschaftlichen Zusammenbruch nicht leisten.» Es müssten ja auch weiter Hilfen gezahlt werden können für die geschlossenen Bereiche. «Wo soll das denn sonst herkommen», sagte Fuest.

Die Corona-Krise müsse nicht zwangsläufig zu einer Pleitewelle führen. Die betroffenen Branchen seien begrenzt. «Natürlich wird es mehr Insolvenzen geben», sagte der Ifo-Präsident weiter. «Aber wir können ohne eine massive Insolvenzwelle durch diese Pandemie kommen, wenn wir es richtig angehen.»