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IAA versucht Neuanfang in München

·Lesedauer: 5 Min.

An dem Standort in der bayerischen Landeshauptstadt will die IAA die sinkenden Besucherzahlen stoppen – mit einer Mobilitätsmesse und neuem Namen.

Im Sommer hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) die ersten Ideen für ein neues IAA-Konzept präsentiert. Die konkreten Vorbereitungen haben inzwischen begonnen. Nur Corona muss noch mitspielen. Foto: dpa
Im Sommer hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) die ersten Ideen für ein neues IAA-Konzept präsentiert. Die konkreten Vorbereitungen haben inzwischen begonnen. Nur Corona muss noch mitspielen. Foto: dpa

Der Ortswechsel von Frankfurt nach München soll den Neubeginn symbolisieren: In zehn Monaten wird in Bayerns größter Stadt zum ersten Mal eine Automesse neuen Typs ausgerichtet. Beim Veranstalter, dem Verband der Automobilindustrie (VDA), sind die Vorbereitungen angelaufen, und die Vermietung der Ausstellungsflächen hat begonnen.

„Wir werden eine völlig neue Plattform präsentieren, die für den Wandel der Automobilindustrie steht“, sagt VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es gehe nicht mehr darum, einfach nur Autos auf einem Messegelände zu präsentieren.

Mit der neuen „IAA Mobility“ soll Mobilität mit all ihren Facetten abgebildet werden. Das frühere Frankfurter Ausstellungskonzept sei Geschichte, so Mindel. Der VDA bezeichnet die neue Veranstaltung selbst nicht mehr als Messe, sondern als Plattform.

Auch der komplizierte alte Name „Internationale Automobil-Ausstellung“ gehört der Vergangenheit an. Die neu gewählte englische Marke „IAA Mobility“ soll der Münchener Veranstaltung vor allem im internationalen Umfeld einen höheren Bekanntheitsgrad verschaffen.

Die IAA in Frankfurt litt unter einem Rückzug von Ausstellern, gerade aus dem Ausland. Die neue Veranstaltung in München stößt auch bei Autoherstellern wieder auf Interesse, die der alten Messe den Rücken zugewandt hatten. So war beispielsweise vor einem guten Jahr auf der letzten Frankfurter IAA der französische Hersteller Renault ferngeblieben.

Kürzer und weniger fokussiert auf Autos

„Wir haben uns das neue Konzept sehr genau angesehen“, sagt dazu ein Sprecher des Importeursverbandes VDIK. Jedes einzelne Unternehmen werde dann in nächster Zeit für sich entscheiden, ob es im kommenden Jahr tatsächlich an der „IAA Mobility“ teilnehmen wolle.

Die großen deutschen Automobilkonzerne werden auf jeden Fall in München mit dabei sein. Daimler, Volkswagen, BMW & Co. sind die wichtigsten Mitgliedsunternehmen des VDA und tragen die neue Veranstaltung entsprechend mit.

Einigkeit herrschte schon im Vorfeld darüber, dass die neue IAA kürzer werden soll. Für die Automesse neuen Typs ist jetzt die erste Septemberwoche 2021 vorgesehen. In Frankfurt dauerte die Veranstaltung fast doppelt so lange. „Auf das neue Konzept sind wir alle gespannt“, heißt es dazu beispielsweise bei Ford Deutschland.

Die neue „IAA Mobility“ ist auch die Reaktion der Branche auf ein weltweites Phänomen: Die klassische Automesse hat immer mehr Probleme damit, noch ausreichend Besucher zu bekommen.

Messe in der Innenstadt

Nicht nur in Frankfurt hatten die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren abgenommen, sondern auch an anderen wichtigen Messeplätzen wie Paris oder Detroit. Die Veranstalter dort versuchen ebenfalls, den Zuspruch mit umfassenden Mobilitätskonzepten wieder zu vergrößern.

Für die neue „IAA Mobility“ hat der VDA zusammen mit der Messe München ein dreiteiliges Veranstaltungskonzept entworfen. Auf dem Messegelände im Osten der Stadt liegt der Fokus eindeutig auf Geschäftskunden. Der VDA spricht von einem „B2B-Summit“. Autohersteller und -zulieferer sollen dem neuen Konzept zufolge nicht mehr unter sich bleiben. Die Veranstalter wollen auch dafür sorgen, dass auf der Messe neue Mobilitätsunternehmen vertreten sein werden.

Geplant ist zudem – wie in Frankfurt – eine „IAA Conference“. Sie werde aber „größer und internationaler“, kündigt VDA-Geschäftsführer Mindel an. Mit der Konferenz solle auch der gesellschaftliche Dialog rund um das Thema Mobilität gestärkt und ausgebaut werden.

Komplett neu am Münchener Veranstaltungskonzept wird der sogenannte „Open Space“-Bereich in der Innenstadt sein. An den wichtigsten Plätzen in der City sollen sich die Aussteller mit ihren Produkten präsentieren können – insofern wird der Consumer-Bereich einer früheren IAA vom Messegelände in die Stadt verlagert.

„Alle Flächen sind dort frei zugänglich“, sagt Tobias Gröber, bei der Messe München verantwortlich für Veranstaltungen aus dem Consumer-Bereich. In der Münchener Innenstadt werde kein Eintritt verlangt. Diese Idee der offenen Messe stammt ursprünglich von der Mailänder Möbelmesse.

Digitale Formate als Ausweichmöglichkeit

Schließlich soll es noch einen dritten Bereich für die Münchener „IAA Mobility“ geben, die sogenannte „Blue Lane“. Das ist eine IAA-Besuchern vorbehaltene und gut zehn Kilometer lange Teststrecke zwischen der Innenstadt und dem Messegelände. Auf der „Blue Lane“ können Messegäste verschiedene Transportvarianten ausprobieren, und zwar nicht nur Autos. „Das geht auch mit der U-Bahn und dem Fahrrad, also allen Verkehrsträgern“, erläutert Messe-Manager Gröber.

Jürgen Mindel gibt sich zuversichtlich, dass das neue Konzept des VDA funktionieren wird. Mehr als 90 Prozent der Flächen im „Open Space“ seien bereits reserviert. „Das ist ein sehr erfreulicher Wert. Auch die Buchungen für den Summit liegen weit über unseren Erwartungen“, ergänzt er.

An den Plänen für die neue IAA arbeiten VDA und Messe München gemeinsam. Doch den Ausrichtern ist klar, dass eine fortgesetzte Corona-Pandemie das gesamte Konzept empfindlich stören kann. „Wir gehen davon aus, dass die Situation im nächsten September besser sein wird“, hofft Verbandsgeschäftsführer Mindel, betont aber, auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein.

Digitale Veranstaltungsformate sind deshalb schon jetzt in Vorbereitung. Messe-Manager Gröber glaubt, dass digitale Formate auch nach einem Abklingen der Pandemie zum Standard bei größeren Veranstaltungen wie einer Automesse gehören dürften. „Eine Mischung aus Digital- und Präsenzprogramm wird künftig normal sein.“

Know-how der Messe hilft dem Verband

Die Messe München habe ihr digitales Know-how in den zurückliegenden Monaten kräftig ausgebaut und werde dies auch in die Planungen der „IAA Mobility“ einbringen.

Auf der IAA in Frankfurt war der Verband der Automobilindustrie stets der alleinige Veranstalter. Für das neue Format in der bayerischen Landeshauptstadt kommt die Messe München als weiterer Veranstalter hinzu. „Die Kooperation mit der Messe ist ein Glücksfall“, sagt VDA-Geschäftsführer Mindel. Sie unterstütze die Organisation in Zeiten von Corona mit ihren internationalen und digitalen Erfahrungen.

Die „IAA Mobility“ könnte andererseits aber auch die erste Automesse mit neuem Konzept sein, die einigermaßen unbehindert über die Bühne gehen kann, sollte das Infektionsgeschehen im Laufe des kommenden Jahres nachlassen. Der ursprünglich für Anfang März angesetzte Auto-Salon in Genf, ein wichtiger IAA-Konkurrent, ist bereits abgesagt worden.

Auf jeden Fall können VDA und Münchener Messe auf die Unterstützung der Politik setzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach in der vergangenen Woche auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel von einem „faszinierenden Konzept“. Dass die IAA nach München komme, sei ein Vertrauensbeweise für die bayerische Politik.