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Hoffnung für deutsche Traditionsindustrie: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Angela Cullen über industriellen Wandel im Zeichen der Klimapolitik. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Grünes Licht für Stahl

Bereits seit vergangenem Jahr schmieden Thyssenkrupp und der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky an einem Deal, der der angeschlagenen Stahlsparte des Industriekonzerns einen Ausweg weisen soll. Nun steht der große Wurf: Kretinskys EPCG-Gruppe soll zunächst 20% der Anteile an dem Unternehmen übernehmen. Es ist der erste Schritt, der letztlich zur Gründung eines gleichberechtigten 50/50-Joint-Ventures führen soll.

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Über die Konditionen der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Stahlsparte, einst Aushängeschild der deutschen Industrie, belastet wegen des hohen Investitionsbedarfs und der niedrigen Preise seit Jahren das Konzernergebnis. Konzernchef Miguel Ángel López Borrego hat ein Effizienzsteigerungsprogramm aufgelegt, um die Wettbewerbsfähigkeit von Thyssenkrupp zu stärken.

Thyssenkrupp muss in die grünere Stahlproduktion mit Hilfe von Wasserstoff investieren — was Subventionen nur zum Teil abdecken. Mit Kretinsky an Bord erhofft sich López eine Lösung für den Umbau zu einer weniger klimaschädlichen Produktion. Die Anleger geben ihm einen Vertrauensvorschuss: Die Aktie legte im frühen Handel um 11% zu.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Alexander Kell und Rainer Bürgin: Mehrprozentig, auf Lockerungskurs, Altavista-Gefahr, neuer Schwung, und Währungs-Waffe.

Mehrprozentig

Während Boeing einen Qualitätsicherungs-Alptraum durchlebt, bescherten die gestern Abend vorgelegten Quartalszahlen von Airbus der Aktie den dritten Tagesverlust in Folge (-2%). Gewinn und Cashflow enttäuschten deutlich. Ein positives Zeichen sieht die Deutsche Bank indessen in dem Umstand, dass es auf operativer Ebene zwar an Verbesserungen mangele, Airbus aber dennoch den Jahresausblick bestätigte. Airbus-Chef Faury hatte Anfang der Woche erklärt, traditionelle Boeing-Kunden fragten verstärkt nach Airbus-Maschinen. Freie Produktionsslots bei der A320-Familie gebe es aber bis 2030 nicht. Die Produktion des A350 wird ausgeweitet. Gesucht war heute die Traton-Aktie (+6%), nachdem der LKW-Konzern insbesondere dank Scania die Erwartungen übertraf. Einen Kurssprung von mehr als 7% gab es bei der französischen Remy Cointreau, die eine Erholung der chinesischen Cognac-Preise prognostizierte. Der Spirituosensektor hatte im Zuge der Pandemie einen Boom erlebt, seither jedoch herrscht Flaute. Die japanische Großbank Nomura (+2%) profitierte nach drei Jahren Gewinnrückgang vom Schub im Bondhandel und den im Zuge der Yen-Schwäche anziehenden Aktienmärkten in Japan.

Auf Lockerungskurs

Die Inflationserwartungen der Verbraucher in der Eurozone sind laut EZB im März leicht gesunken. Sie erwarten nun, dass die Preise in den nächsten 12 Monaten um 3% steigen werden, nach 3,1% im Februar. Das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2021. Über die kommenden drei Jahre wird unverändert ein Anstieg von 2,5% erwartet. Die Zahlen dürften die Entschlossenheit der Währungshüter stärken, im Juni mit Zinssenkungen zu beginnen. EZB-Ratsmitglied Panetta warnte am Donnerstag gar vor “unnötigen Verzögerungen”. Die könnten eine Rückkehr zu ultraniedrigen Zinsen bewirken, wenn der Wirtschaft nicht rechtzeitig unter die Arme gegriffen würde. Mangelnde Lockerung durch die US-Notenbank sollte dabei für die EZB kein Hindernis darstellen, so der Italiener. Das sieht auch Christian Noyer so, EZB-Vize von 1998 bis 2003. Es könne “eine Lücke von einigen Monaten oder Quartalen geben” zwischen den Lockerungsschritten auf beiden Seiten des Atlantiks, so der Franzose auf Bloomberg TV. Wegen der Größe des Euro-Währungsraums könne die EZB aber unabhängig von der Fed entscheiden. BI erwartet, dass Fed-Chef Powell den Markt auf “weniger” Lockerung vorbereiten wird — mindestens.

Altavista-Gefahr

Die starken Zahlen von Microsoft und der Google-Mutter Alphabet signalisieren, dass die Innovationswirtschaft weiterhin von gestiegenen Unternehmensausgaben und einem starken Verbraucher profitiert. Microsoft hat inzwischen seine gesamte Produktpalette mit der KI-Technologie des Partners OpenAI ausgestattet. Auch GMail und Google Docs verfügen mittlerweile über künstliche Intelligenz. Einen Großteil der Basistechnologie hinter dem derzeitigen KI-Boom wurde ja von Google entwickelt. Trotzdem hat OpenAI dem Suchmaschinen-Platzhirsch im neuen Zukunftsfeld den Rang abgelaufen, denn Alphabet steht vor einem Dilemma. Die aufstrebenden Chatbots sind zwar aus der neuen Welt der Computernutzung nicht mehr wegzudenken. Mit jedem neuen GPT, an das Nutzer ihre Anfragen stellen, könnte die Marktmacht der Google-Suche aber schwinden. Einst populäre Portale wie Altavista, Yahoo und Lycos lassen grüßen. Das Startup X.AI von Elon Musk nähert sich derweil einem $6 Milliarden schweren Finanzierungsdeal.

Neuer Schwung

Das Hotel Bauer in Venedig und zwei weitere Italien-Objekte aus dem kollabierten Imperium von René Benko gehen an die deutsche Industriellenfamilie Schoeller. Sie hatte der Signa Prime Selection schon im letzten Sommer mit einem Großkredit aus der Patsche geholfen, als die Nobelimmobiliensparte mit einer Liquiditätsklemme rang. Das Fünf-Sterne-Hotel in der Nähe des Markusplatzes mit Blick auf den Campo San Moise und die Kirche Della Salute gehörte bis 2020 dem US-Hedgefonds Elliott. Signa hatte einen 135-Millionen-Euro-Kredit beschafft, um es komplett zu renovieren mit Neueröffnung 2025. Mit dem Besitzerwechsel wird hier nun wieder neuer Schwung erhofft. Neuen Schwung könnte auch Varta brauchen, die mit einem Nachfragerückgang für Energiespeicher kämpft und womöglich erneut eine Umschuldung braucht. Eine Gläubigergruppe um den Londoner Risikokapitalgeber Blantyre und Hayfin Capital hat sich sicherheitshalber nun auch Berater ins Boot geholt. Wie zu hören ist, sollen Freshfields Bruckhaus Deringer und Houlihan Lokey ihnen bei den Gesprächen mit dem Varta-Management zur Seite stehen. Das Unternehmen hatte dem Vernehmen nach bereits Rothschild angeheuert.

Währungs-Waffe

Für den Fall, dass Donald Trump wieder ins Weiße Haus einzieht, arbeiten seine Berater Kreisen zufolge jetzt schon einmal an Möglichkeiten, wie der Rest der Welt aktiv von einer Entdollarisierung abgehalten werden kann. Unter anderem geht es um Sanktionen für Verbündete oder Gegner, die aktiv versuchen, bilateralen Handel in anderen Währungen als dem Dollar zu betreiben. Die — verbale — Rebellion gegen die Dollar-Dominanz im globalen Finanzsystem nahm 2022 an Fahrt auf, als nach dem Angriff auf die Ukraine die russische Zentralbank und eine Vielzahl weiterer Sanktionsziele den Zugang zum Dollar verloren. Die BRICS-Staaten haben auf einem Gipfel im August 2023 über eine Entdollarisierung diskutiert. Präsident Biden unterzeichnete diese Woche ein Gesetz, das ihm neue Befugnisse zur Beschlagnahmung russischer Dollar-Guthaben einräumt. Wie zu hören ist, sieht Trump derzeit keine Vorteile in einer Dollar-Intervention mit dem Ziel, die Währung aus Wettbewerbsgründen zu schwächen. Wegen der aufgeschobenen Fed-Lockerung ist der Greenback jüngst gestiegen, was in Übersee dazu geführt hat, Eingriffe zur Wechselkursstützung zu erwägen. Der Yen fiel gestern auf den schwächsten Stand gegenüber dem Dollar seit 1990.

Was sonst noch passiert ist

  • Lufthansa-Warteschleifen

  • Knauser-Gebot

  • Brexit-Kosten

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