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Helaba holt 70% der LBBW-Edelmetallkunden über Landesbanken-Deal

(Bloomberg) -- Die vereinbarte Zusammenführung einzelner Geschäftsbereiche von Helaba und LBBW nimmt weiter Konturen an. Kurz vor dem Auslaufen einer Frist hat die Helaba eigenen Angaben zufolge rund 70% der bisherigen LBBW-Kunden im Geschäft mit Sorten und Edelmetallen für sich gewinnen können. Helaba-Vorstand Frank Nickel wertet den Schritt als Baustein für die weiteren Pläne seines Hauses, wie er im Bloomberg-Interview sagte.

Die beiden Landesbanken hatten sich vor einem Jahr darauf verständigt, dass die LBBW ihr physisches Sorten- und Edel­metallgeschäft bis Ende 2022 an die Helaba vermittelt. Ob Kunden und Partner aus dem Sparkassensektor dieser Empfehlung folgen würden, blieb aber ungewiss.

Der Ausbau des Edelmetallgeschäfts ist für die Helaba von strategischer Bedeutung, da sie ihre Einnahmen diversifizieren will. “Künftig sollen 50% der Erträge aus dem nicht-zinstragenden Geschäft kommen”, bekräftigte Nickel. “Da bilden die Provisionserträge aus dem Edelmetallgeschäft schon einen starken Beitrag.“ Zum nicht-zinstragenden Geschäft zählen neben Provisionen unter anderem auch Mieteinnahmen.

Die Helaba rechnet infolge des LBBW-Deals damit, dass sich die Zahl ihrer Transaktionen im Sorten- und Edelmetallgeschäft von über 1,5 Millionen auf 2,5 Millionen pro Jahr erhöhen wird.

Schon vor der LBBW-Vereinbarung hatte die Helaba eigenen Angaben zufolge mit mehr als 50% der Sparkassen im Edelmetallgeschäft zusammengearbeitet. Dieser Wert steige jetzt auf etwa 70%. Die LBBW betreute nicht nur Sparkassen aus Baden-Württemberg, sondern etwa auch aus Niedersachsen, nachdem sie vor ein paar Jahren ihrerseits bereits die entsprechenden Geschäfte der NordLB aufgenommen hatte.

All das dürfte ganz im Sinne von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sein, der sich seit Langem für den Abbau von Doppelstrukturen im Sparkassen-Sektor einsetzt und so für mehr Wettbewerbsfähigkeit sorgen will. Zwar gibt es für das von ihm angeregte Sparkassen-Zentralinstitut, welches bei einer Fusion von Landesbanken oder DekaBank entstehen könnte, bisher keine Mehrheiten. Doch die Zusammenlegung einzelner Geschäftsbereiche könnte letztlich in einem ähnlichen Ergebnis münden, auch wenn dieser Weg länger dauert.

Gold-Run wegen Krieg

Mit Blick auf das Edelmetallgeschäft gibt es innerhalb der Sparkassen-Gruppe neben der Helaba allerdings weiterhin noch einen anderen großen Mitspieler: die BayernLB. Sie dürfte ebenfalls ehemalige LBBW-Kunden abgegriffen haben.

Nickel kann sich damit arrangieren. “Aus Sicht einer Sparkasse ist es gut, dass wir Wettbewerb im Edelmetallgeschäft innerhalb der Sparkassengruppe haben, aber er sollte überschaubar bleiben”, sagte er. Möglicherweise verhindert der Wettbewerb, dass sich Sparkassen außerhalb der Gruppe mit Edelmetallen versorgen.

Sparkassen nutzen die Dienstleistungen einer Landesbank beispielsweise dann, wenn Endkunden Gold oder Silber erwerben wollen. In einigen Regionen kaufen Sparkassen Edelmetalle aber auch als Eigenanlage. Der Edelmetall-Tresor der Helaba steht nicht in Hessen, sondern in Düsseldorf. Er war einst mit der Übernahme des Verbundgeschäfts der gescheiterten WestLB zur Helaba gekommen.

Laut Daniela Schweizer, die das Sorten- und Edelmetallgeschäft bei der Helaba leitet, läuft das sogenannte Onboarding neuer Sparkassen bereits. Es soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

“In 2022 ist das Edelmetallgeschäft sehr gut gelaufen. Wir liegen beim Ertrag und Handelsvolumen deutlich über dem Vorjahreswert”, sagte Schweizer. Vor allem wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine habe es im ersten Halbjahr einen regelrechten Run auf Kleinststückelungen an Gold und Silber gegeben. Jetzt stehe noch das Weihnachtsgeschäft bevor.

Während sich die Helaba der LBBW-Vereinbarung zufolge um das Sorten- und Edelmetallgeschäft kümmert, wird das Zins- Währungs- und Rohstoffmanagement für Sparkassenkunden künftig bei der LBBW gebündelt. Laut Nickel sind die beiden Bereiche “von Volumen und Profitabilität her in etwa gleichwertig“.

(Neu: Tresor im 9. Absatz)

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