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HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Wer macht die CDU wirklich kaputt?

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die Union hat ihre interne Machtfrage geklärt. CSU-Chef Markus Söder musste im Kampf um die Kanzlerkandidatur seine Niederlage gegenüber CDU-Pendant Armin Laschet eingestehen. Dem Vernehmen nach ging es in den Gremiensitzungen vor Söders offiziellem Rückzug hoch her.

Als die Spitzen beider Parteien am Sonntagabend im Berliner Reichstag zusammenkamen, musste sich der Bayer anhören, mit seinen Ambitionen in der K-Frage der größeren Schwesterpartei irreparablen Schaden zuzufügen. “Ihr macht die CDU kaputt”, soll Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der seit 1972 für die Union im Bundestag sitzt, den versammelten Bajuwaren vorgehalten haben.

Und es soll ein Satz gefallen sein, der sich im Rückblick auf die politischen Geschehnisse der letzten Tage pikant liest: “Mit Dir verlieren wir die Wahl!” Man würde vermuten, dass diese düstere Prognose von Söder kam - hatte er doch in Umfragen über Monate vor seinem nordrhein-westfälischen Konkurrenten gelegen. Tatsächlich war es genau andersherum. Der Aachener Laschet, der das bevölkerungsreichste Bundesland regiert, sprach Söder ab, nördlich des Weißwurstäquators reüssieren zu können.

Die Realität holte den Streithahn postwendend ein: Nachdem der Führungsstreit in der Union zu Laschets Gunsten beigelegt und Annalena Baerbock als Kanzlerinkandidatin der Grünen inthronisiert wurde, ist die Union laut wenigstens einer Meinungsumfrage im freiem Fall. In einer am Dienstag veröffentlichten Forsa-Umfrage stürzte sie im Vergleich zur Vorwoche um erschreckende sieben Prozentpunkte auf 21% ab, die Grünen schossen um fünf Punkte nach oben und verdrängten mit 28% die Union vom Spitzenplatz. Kanzlerin Baerbock also, als Nachfolgerin von Angela Merkel, wenn man Forsa glaubt, und ein Ministerpöstchen vielleicht für Machtkampfsieger Laschet.

Da die Qualität solcher Umfragen allerdings nicht über jeden Zweifel erhaben ist und eine am selben Tag durchgeführte und veröffentlichte Umfrage von INSA, die 2017 treffsicherer waren, zu ganz anderen Ergebnissen kam, sollte man mit Schnellschüssen vorsichtig sein. Womöglich ist die öffentliche Stimmungslage von einem gewissen emotionalen Überschwang geprägt, da sich nun eine Politikerin ohne Regierungserfahrung - ihr Erwachsenenleben verbrachte sie mehrheitlich im akademischen und politischen Raum - anschickt, Deutschland und die Welt zu verändern.

Nachdem die 40-jährige Grünen-Frontfrau sich geräuschlos gegen ihren Konkurrenten Robert Habeck durchgesetzt hatte, ging Baerbock für ihr erstes Interview als Kandidatin am Montag zur besten Sendezeit zu ProSieben - keine Selbstverständlichkeit in einem politischen Biotop, das privaten Fernsehsendern traditionell nicht eben freundschaftlich gegenüber steht. Aber die Zeiten ändern sich. Kritische Fragen musste Baerbock dort kaum über sich ergehen lassen.

Wenn Baerbock bis zur Bundestagswahl unhinterfragt im Vagen bleibt und weiterhin in den Medien gut wegkommt, werden am Abend des 26. Septembers sicher viele in der Union fragen, wie die CDU-Nomenklatura sich im schicksalhaften Monat April gegen die klaren Präferenzen der Unionsverbände und ihrer Bundestagsfraktion durchsetzen konnte. Der Ausruf “Ihr macht die CDU kaputt!” könnte dann auf diese selbst zurückfallen.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Rainer Bürgin ist Reporter bei Bloomberg News.)

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