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HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Kanzler Kretschmann

Arne Delfs
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- “Sie kennen mich.” Mit diesem Slogan warb der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der Endphase des baden-württembergischen Landtagswahlkampfs auf Plakaten für sich. Und recycelte dabei - auch hier vorbildlich ökologisch - einen legendären Satz der Kanzlerin, den diese im Bundestagswahlkampf 2017 im TV-Duell mit dem damaligen SPD-Kandidaten Martin Schulz eingesetzt hatte.

Wirklich kennen tun wir weder die eine noch den anderen. Aber so viel ist sicher: Ausgezahlt hat sich dieser wohlüberlegte Wahlkampfspruch für beide: Angela Merkel gewann bekanntlich die Bundestagswahl, wenn auch mit deutlichen Verlusten. Und Kretschmann wurde am vergangenen Sonntag mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Wobei sich für den bundesweit einzigen grünen Regierungschef die rhetorische Anleihe bei der CDU-Kanzlerin durchaus auszahlte: Laut einer Analyse von infratest dimap wechselten rund 145.000 ehemalige Unionswähler ins grüne Lager, nur knapp halb so viele zog es in die Gegenrichtung.

Angesprochen auf seinen Wahlslogan, gab Kretschmann unumwunden zu, dass er sich diesen bei der Kanzlerin abgeguckt hatte. “Ja, da habe ich schon etwas von ihr abgekupfert”, gab der 72-Jährige am Wahlabend in den ARD-Tagesthemen unumwunden zu. Eine Offenheit, die sympathisch wirkt in einer Zeit, in der Unionsabgeordnete vor allem von sich reden machen, indem sie heimlich mit überteuerten Masken-Deals Profit machen.

In der neuesten Forsa-Umfrage fällt die Union erstmals seit langem unter die 30%-Marke, während die Grünen noch einmal drei Punkte zulegen auf 21%. Damit hätte derzeit rein rechnerisch nur noch eine schwarz-grüne Koalition eine Mehrheit. Sollte sich der Sturzflug der Union in diesem Tempo fortsetzen, könnte daraus bald eine Koalition unter Grünen-Führung werden.

Damit erhält die Frage, wen die Grünen als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl schicken werden, ein ganz neues Gewicht. “Alles ist möglich”, sagte Co-Grünen-Chef Robert Habeck am Montagmorgen nach der Wahl. Und hatte dabei wahrscheinlich vor allem seine eigene Kandidatur im Kopf, auch wenn derzeit im parteiinternen Rennen seine Co-Chefin Annalena Baerbock die Nase vorn hat.

Doch bislang könnte man sich weder Habeck noch Baerbock gut im Kanzleramt vorstellen. Insbesondere Baerbock dürfte mit ihrer mitunter etwas schrillen Art viele konservative Wähler verschrecken. Nach Ostern wollen die beiden unter sich ausmachen, wer am Ende antritt.

Dabei hätte ein anderer, nämlich Kretschmann, die besten Chancen, für die Grünen das Kanzleramt zu erobern. Er hat in Baden-Württemberg bewiesen, dass ein grüner Regierungschef bei allem ökologischen Furor auch die Interessen der Wirtschaft im Auge behält.

Kanzlerkandidat Kretschmann. Das wäre mal wirklich eine Überraschung. Auch wenn wir ihn angeblich ja schon alle kennen.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

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