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Hauck & Aufhäuser kurz vor dem Kauf des Bankhauses Lampe

Seit Wochen verhandelt die Tochter des chinesischen Fosun-Konzerns mit der Traditionsbank der Oetker-Familie. Jetzt steht der Deal vor dem Abschluss.

Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits 1852 wurde die Privatbank, damals noch in Bielefeld, gegründet, 18 Jahre vor der Deutschen Bank. Seit 1964 gehört das Traditionshaus fest zum Reich der Unternehmerfamilie Oetker. Doch die hat seit geraumer Zeit keine rechte Freude mehr an ihrer Bank, weil das Institut nicht zum Kerngeschäft der Gruppe mit Tiefkühlpizza, Puddingpulver und Bier passt.

Deshalb haben die Oetkers Lampe zum Verkauf gestellt, und jetzt steht der letzte verbliebene Bewerber, die Privatbank Hauck & Aufhäuser, nach Informationen aus Finanzkreisen kurz vor dem Zuschlag.

Eine Veröffentlichung der Details sei bereits in den kommenden Tagen möglich. Der Kaufpreis liegt Finanzkreisen zufolge in einer Spanne zwischen 200 und 300 Millionen Euro. Sobald die Übernahme von den Aufsehern abgesegnet und juristisch vollzogen ist, soll die neue Bank auch einen neuen Namen bekommen, in dem sich beide Institute wieder finden. Weder Hauck & Aufhäuser noch Lampe wollten die geplante Übernahme kommentieren.

Bereits vor Weihnachten hatte Oetker den Kreis der potenziellen Bieter verkleinert. Die Schweizer UBS verabschiedete sich genauso wie der französische Bankier Philippe Oddo, dem seit 2016 schon die Frankfurter BHF-Bank gehört. Auch die Bethmann Bank, eine Tochter der niederländischen ABN Amro, stieg aus.

Übrig blieb Hauck & Aufhäuser. Das Bankhaus, das zum Imperium des chinesischen Mischkonzerns Fosun gehört, hofft, durch den Zukauf mehr Masse zu gewinnen. Im jüngsten verfügbaren Geschäftsbericht für das Jahr 2018 meldete Lampe ein verwaltetes Vermögen von 19 Milliarden Euro. Hauck & Aufhäuser kam zum gleichen Zeitpunkt auf 124 Milliarden Euro. Außerdem ergänzten sich die Produktpaletten und die geografische Präsenz beider Institute, heißt es. Durch den Zukauf wolle sich Hauck & Aufhäuser endgültig zu einem Anbieter mit dem vollen Leistungsspektrum rund um das Thema Vermögen entwickeln, vom Wealthmanagement bis hin zum Investmentbanking.

Gerade unter den kleineren Privatbanken kommt es derzeit zu einer Marktbereinigung, weil diese Adressen oft den wachsenden Anforderungen der Aufsicht, dem Margendruck und dem Niedrigzins nicht mehr standhalten. Im vergangenen Jahr schluckte die Münchener Merkur Bank die fränkische Bank Schilling, Merck Finck gehört inzwischen zur Luxemburger Bankengruppe KBL, und der US-Finanzinvestor Apollo übernahm die Oldenburger Landesbank.

Größe ist im Geschäft mit den Reichen und Wohlhabenden ein entscheidender Faktor, denn die Konkurrenz ist hart und wird immer härter. Weil der deutsche Markt auf den ersten Blick attraktiv aussieht, drängen immer mehr Spieler ins Wealth-Management. Eine Studie der Unternehmensberatung ZEB zeigt, dass das verwaltete Vermögen der untersuchten Banken seit 2013 im Schnitt zwar von 194 Milliarden Euro auf zuletzt 288 Milliarden Euro stieg – ein jährliches Plus von zehn Prozent.

Gleichzeitig sanken aber die Gewinne um acht Prozent pro Jahr. Ein Grund dafür sind die Kosten für IT und Regulierung, die sich umso besser rechnen, je größer die Kundenbasis ist.

Fosun will mit der Lampe-Übernahme seine Expansion in Deutschland fortsetzen, auch wenn die Chinesen zuletzt einige Probleme mit ihren Beteiligungen hatten. Als Großaktionär konnte Fosun nicht verhindern, dass der Reisekonzern Thomas Cook in die Pleite rutschte. Beim ebenfalls in finanzielle Probleme geratenen Modeunternehmen Tom Tailor mussten die Chinesen die Mehrheit übernehmen. Fosun gehört außerdem die Frankfurter Leben, eine Spezialgesellschaft für Altbestände an Lebensversicherungen.

Hauck & Aufhäuser übernahmen die Chinesen bereits vor drei Jahren. Dem Vernehmen nach ist der Konzern bislang zufrieden mit seiner Erwerbung, auch wenn die Bank im aktuellsten verfügbaren Geschäftsbericht für das Jahr 2018 nur noch ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 17 Millionen Euro ausweist, nach 29 Millionen im Vorjahr. 2019 soll deutlich besser gelaufen sein, heißt es in Finanzkreisen.

Das Bankhaus Lampe schrieb 2018 operativ Verluste. Markus Bolder, einer der persönlich haftenden Gesellschafter, räumte damals ein, dass das Ergebnis im einstelligen Millionenbereich negativ war. Gleichzeitig hatte Bolder für 2019 eine operative schwarze Null in Aussicht gestellt.