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Das wird für den HSV auf Dauer nicht gutgehen

·Lesedauer: 8 Min.
Das wird für den HSV auf Dauer nicht gutgehen
Das wird für den HSV auf Dauer nicht gutgehen

Zehn Jahre spielte Aaron Hunt für Werder Bremen, sechs beim Hamburger SV. Keine Frage, er kennt sich aus bei beiden Klubs und er weiß, was es heißt, ein Nordderby zu spielen. Hunt stand in seiner Karriere bei 15 dieser Spiele auf dem Platz.

Am Samstag empfängt Werder den HSV - zum ersten Mal in der 2. Liga. (Das Nordderby ab 19:30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Im SPORT1-Interview spricht der 35-Jährige, der seit Sommer vereinslos ist, über das Duell, die beiden Trainer, seine Situation - und lobt Bayern-Star Joshua Kimmich.

SPORT1: Herr Hunt, Sie sind gerade vereinslos, was machen Sie den ganzen Tag?

Aaron Hunt: Ich halte mich trotzdem fit, habe zwei mal am Tag Training - Fußball und im Gym. Und jetzt habe ich mehr Zeit für die Familie. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange keinen Klub finde. Ich mache mich deshalb aber nicht verrückt, habe eine lange Karriere hinter mir, würde gerne noch zwei Jahre spielen. Wenn jetzt nichts mehr kommt, worauf ich Lust habe, dann ist das leider so. Es ist nicht dramatisch.

Hunt lobt Kimmich für Beraterverzicht

SPORT1: Wollen Sie in Deutschland bleiben und in der 1., 2. oder 3. Liga etwas finden oder reizt auch das Ausland?

Hunt: Eigentlich ist eher das Ausland in meinem Kopf. Es wurde auch geschrieben, dass ich in die 3. Liga oder in die Regionalliga gehen würde, aber das haben Leute behauptet, die keine Ahnung haben. Ich würde Dubai ganz cool finden, weil ich dort schon oft mit meiner Familie Urlaub gemacht habe. Ich mag die Kultur. Aber ich werde mir das nicht aussuchen können. Grundsätzlich schließe ich nichts aus. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

SPORT1: Haben Sie eigentlich einen Berater oder machen Sie es wie Joshua Kimmich?

Hunt: Ich habe keinen festen Berater. Vieles läuft in der heutigen Zeit über Kontakte und die habe ich schon zu dem einen oder anderen Verein. Zu Kimmich sage ich nur ‚Warum nicht?‘ Es muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er das machen will. Es ist auf jeden Fall gut, wenn man als Spieler da selbst dabei ist, ob ich es ganz alleine machen würde, weiß ich nicht. Das war jedenfalls ein cooler Move von Kimmich.

Der HSV ist für Hunt etwas Besonderes

SPORT1: Lassen Sie uns über das Nordderby sprechen. Tut es am Samstag doppelt weh nicht dabei sein zu können?

Hunt: Ja. Es ist eines der Spiele, bei denen ich gerne mitspielen würde. Jetzt gibt es in der 2. Liga für den HSV nicht so viele Highlight-Spiele außer das Stadtderby gegen St. Pauli und das Spiel gegen Werder. Ansonsten halten sich die Highlights in Grenzen. Obwohl es in dieser Saison schon deutlich besser ist als in den vergangenen Jahren. Neben Werder musste ja auch Schalke absteigen. Ich habe dem Nordderby immer entgegen gefiebert.

SPORT1: Zuletzt sagten Sie, dass Sie immer wieder zum HSV zurückkehren würden. Woher kommt diese große Liebe?

Hunt: Ich habe auch in Bremen sehr lange gespielt und finde Werder immer noch top, auch, wenn sie abgestiegen sind. Aber ich habe trotz der Rivalität zum HSV wie auch zu Werder eine große Sympathie und habe bei beiden Vereinen sehr gerne gespielt. Sportlich war es für mich in Bremen erfolgreicher, aber der HSV ist schon etwas Besonderes. Das können Außenstehende nicht beurteilen. Auch, wenn es sportlich alles andere als gut lief zu meiner Zeit. Es waren schon einige Tiefschläge dabei. Ich habe aber jedes Spiel genossen. Gerade im Volkspark war es immer ein tolles Erlebnis zu spielen.

„Die ganze Transferperiode war in Bremen sehr holprig.“

SPORT1: Wie sehen Sie die aktuelle Situation? Werder ist Dritter, der HSV Neunter.

Hunt: Wir sind noch früh in der Saison und beide trennen nur zwei Punkte. Gewinnt der HSV, ist man wieder vor den Bremern. Momentan ist die Tabelle noch wenig aussagekräftig. Werder hätte schon den einen oder anderen Punkt mehr auf dem Konto, wenn die Personalplanung früher finalisiert hätte werden können. Die ganze Transferperiode war in Bremen sehr holprig. Dadurch konnte der eine oder andere Neuzugang erst später verpflichtet werden, so wie der französische Außenstürmer Roger Assale. Werder wird nicht alles in Grund und Boden spielen, aber man wird um den Aufstieg mitspielen. Defensiv haben sie viel Qualität und vorne sind sie für die 2. Liga überdurchschnittlich besetzt. Bei Niklas Füllkrug warten alle, dass der Knoten endlich platzt.

Hunt kritisiert HSV-Trainer Walter

SPORT1: Warum sind Sie beim HSV so sicher, dass er mit dem Aufstieg nichts zu tun haben wird, wenn man so weiterspielt wie bisher? Das haben Sie bei den Kollegen der Deichstube gesagt.

Hunt: Man schaut gerne zu, aber der HSV hat mich bisher in keinem Spiel überzeugt. In keiner Partie hat man den Gegner von Anfang bis Ende dominiert, so dass man als klarer Sieger vom Platz hätte gehen müssen. Sie hätten immer drei, vier Tore erzielen können, aber genauso viele auch bekommen können. Es wird in dieser Liga auf Dauer nicht gut gehen so einen Fußball zu spielen. Es braucht defensiv viel mehr Stabilität. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

SPORT1: Das ist deutliche Kritik am Spielsystem von Tim Walter.

Hunt: Das ist das, was ich sehe. Walters Fußball ist ein gewisses Spektakel, aber es kann in beide Richtungen gehen. Gegen Sandhausen war es ein Spiel auf ein Tor, aber der Siegtreffer wurde erst kurz vor Schluss erzielt. So richtig überzeugt hat mich der HSV bisher nicht.

Hunt: Zeit in Hamburg war sehr belastend

SPORT1: Sie haben den kompletten Zerfall in den vergangenen Jahren miterlebt. Was ist da alles passiert? Wie haben Sie das erlebt?

Hunt: Wo fangen wir da an? (lacht) Der Abstieg hatte sich über zehn Jahre abgezeichnet. Es war immer so, dass man wieder hinten drin steckte im Tabellenkeller. Zwei Mal schaffte es der Verein erst über die Relegation hinaus, drin zu bleiben. Und irgendwann erwischte es uns dann. Da gibt es schon einige Parallelen zu Werder. In Bremen gab es in den zurückliegenden Jahren immer nur Abstiegskampf. Ich bin mit dem HSV in die 2. Liga gegangen, weil ich da etwas geradebiegen wollte. Aber wir haben es einfach nicht geschafft. Und ich musste das eine oder andere Jahr länger in der 2. Liga verbringen, als es mir lieb war.

SPORT1: Wie schwer war es für Sie?

Hunt: Es war eine verdammt schwere und belastende Zeit mit vielen Rückschlägen. Wir sind in die erste Zweitligasaison mit viel Euphorie gegangen, weil wir unbedingt wieder aufsteigen wollten. Wir hatten auch eine spannende Mannschaft, aber wir haben uns in den ersten beiden Jahren selber geschlagen. Man kann diese zwei Spielzeiten wie eine Schablone übereinander legen. Einer sehr guten Hinrunde folgte eine schlechte Rückserie. Immer, wenn es drauf ankam, wurden zu viele Spiele weggeworfen. Und zu viele Spieler konnten ihre Leistung nicht mehr abrufen. Vielleicht war der Druck zu hoch.

Hunt gefällt HSV-Kaderplanung nicht

SPORT1: Glauben Sie, dass man beim HSV in dieser Saison endlich weiß, wie die 2. Liga tickt?

Hunt: Schwer zu sagen. Eigentlich wusste wir das auch schon in der vergangenen Runde, da wurden erfahrene Spieler geholt, die die Liga kennen (Terodde, Gjasula, Leistner, Ulreich, d. Red.). Das hat aus irgendeinem Grund auch nicht funktioniert. Jetzt wurde wieder ein neuer Weg eingeschlagen und diese Spieler wurden wieder weggeschickt. Am Saisonende sind wir alle schlauer, ob es der HSV gepackt hat. Aber einfacher wird es auch in dieser Spielzeit nicht. Alles ist noch enger beisammen. Bestes Beispiel, wie man sich in dieser Liga zurechtfindet, ist Jahn Regensburg. Für den HSV wird es nicht einfacher, wenn man jedes Jahr zehn, elf neue Spieler holt.

SPORT1: Sie sprachen die Leistungsträger an die wieder weg sind. Zeigt das, wie sehr der HSV bei der Personalplanung rumschlingert?

Hunt: Man hat sich wieder für einen anderen Weg entschieden, auch, wenn nach außen etwas anderes verkauft wird. Aber es ist Fakt, dass jetzt mit jungen Spielern etwas ausprobiert wird, um erfolgreich zu sein. Ich finde das echt schwierig, würde gerne mal sehen, dass etwas aufgebaut wird, was über zwei, drei Jahre funktionieren kann. Der HSV bräuchte eine gewisse DNA. Wenn man jedes Jahr die komplette Achse austauscht, wird es schwierig etwas konkret aufzubauen. Kontinuität war immer ein Fremdwort beim HSV.

Markus Anfang gefällt Hunt besser als Tim Walter

SPORT1: Vergleichen Sie doch mal die beiden Trainer Markus Anfang und Tim Walter. Wem trauen Sie den Aufstieg eher zu?

Hunt: Von Markus Anfang halte ich viel. Er hat schon mit Darmstadt gezeigt, dass er Fußball spielen lässt und sein Ansatz mit viel Ballbesitz hat mir damals schon gefallen. Und bei Weder hat er noch etwas mehr Qualität in seinem Team. Da kann etwas Gutes entstehen. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

SPORT1: Wie blicken Sie auf Ihre Nordderbys zurück?

Hunt: Es gibt gar kein spezielles, das mir im Kopf geblieben ist. Jedes Derby hat seine eigene, kleine, charmante Geschichte. Auch das am Samstag wird wieder ganz speziell werden, weil es das erste in der 2. Liga ist. Mehr geht nicht. Es wird ein richtig heißes Duell werden. Der Gewinner wird mit ordentlich Rückenwind in die nächsten Wochen gehen.

SPORT1: Werden Sie im Stadion sein?

Hunt: Nein, ich werde es mir ganz gemütlich daheim auf der Couch anschauen.

SPORT1: Was wäre, wenn sich Jonas Boldt doch noch mal bei Ihnen melden würde? Oder haben Sie komplett mit dem HSV abgeschlossen?

Hunt: Das wird nicht passieren. Man hat den Weg bewusst mit anderen Spielern gewählt. Ich hoffe natürlich, dass sie am Ende zusammen mit Werder aufsteigen. Das wäre super. Beide gehören in die Bundesliga.

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