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Gehalt spielt nur die zweite Geige: Was Mitarbeiter wirklich motiviert

Geld ist doch nicht alles: Wenn es um die Arbeitsmotivation geht, ist nicht die Höhe des Gehalts  entscheidend, sondern sogenannte „weiche Faktoren“ wie Teamwork und ein positives Arbeitsumfeld. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Arbeitnehmern.

Die Unternehmensberatung Hay Group hat gemeinsam mit dem Online-Jobportal StepStone 18.000 Mitarbeiter in Unternehmen zu ihrer Arbeitsmotivation befragt. Als wichtigsten Faktor nannten 80 Prozent ein kollegiales Arbeitsumfeld. 66 Prozent schätzen einen erfüllenden Job als wichtig ein. Erst auf Platz drei (56 Prozent) landet das Gehalt. Es folgen weitere weiche Faktoren wie eine gute Führungskraft und genügend Entscheidungsfreiräume bei der Arbeit.

Diese Ergebnisse überraschen den Berufscoach Gordon Müller-Eschenbach keineswegs, denn die genannten Faktoren seien entscheidend dafür, „ob ein Mitarbeiter heute noch seine Kreativität und Innovationskraft zündet oder einfach nur seine Arbeitszeit absitzt“. Zusätzlich gestärkt werde die Wichtigkeit dieser Motivationskriterien durch die heutigen strukturellen Arbeitsumstände wie „Führungsnachwuchsmangel, hohe Mobilität der Mitarbeiter, internationale Teams, zunehmende Vernetzung und vom Markt eingeforderte Transparenz“, erklärt der Autor von „Das Wir in Wirtschaft“. Die „Sogwirkung von rein monetären Anreizsystemen“ verflüchtige sich außerdem in der zunehmend abgesicherten Welt schnell.







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Umdenken in den Führungsetagen

Für die Firmen ist das eigentlich eine gute Nachricht. Es bedeutet nämlich, dass sie „nicht zwingend mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um ihre Mitarbeiter zu mehr Leistung anzuspornen.“ Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Thomas Haussmann von der Hay Group. Stattdessen ließe sich mit Investitionen in ein positives Organisationsklima und gezielter Führungskräfteentwicklung meist mehr erreichen. Das bestätigt auch die Kontrollfrage in der Erhebung: Als mit Abstand häufigste Gründe für einen Jobwechsel nannten die Befragten ein schlechtes Arbeitsklima (86%), einen unbefriedigenden Job (80 Prozent) und eine schlechte Führungskraft (71 Prozent). Eine Gehaltserhöhung würde sich nur bei gut der Hälfte aller Mitarbeiter (53 Prozent) überhaupt leistungssteigernd auswirken.

Nach Ansicht von Karrierecoach Müller-Eschenbach ist die Studie bestens dazu geeignet, „die Manager der 'old school' aufzuwecken, um über andere Anreize nachzudenken - in der Hoffnung, dass sie sich nicht nur andere 'goldene Handschellen' ausdenken.“ Gemeint sind damit Boni, die lediglich zwischenzeitlich den Arbeitsanreiz steigern können. Allerdings kann zu viel Anreiz auch den Leistungsdruck steigern, zu einem Gefühl der Überforderung führen und schließlich demotivierend wirken, wie es im Fazit der Studie heißt. Ist ein Arbeitssystem auf Boni ausgerichtet, wird „Loyalität nur scheinbar erkauft und vom eigentlichen Bindungsmoment der Mitarbeiter getrennt: Der Freude an der eigenen und gemeinschaftlichen Verwirklichung“, weiß der Experte.


Hürden zum Jobwechsel liegen niedriger
Erschwerend kommt für die Unternehmen heute hinzu, dass die Hürden des Arbeitgeberwechsels für Mitarbeiter nicht mehr so hoch sind. Ein Wechsel zur Konkurrenz lässt sich leicht schon mit einer E-Mail oder im eigenen (Online-)Netzwerk in die Wege leiten. Deshalb müssten Unternehmen besonders an einem Arbeitsumfeld interessiert sein, in dem sich ihre Mitarbeiter wohl fühlen und wenig Anreize zum Abwandern vorfinden. Laut der Motivations-Studie sind über ein Drittel der Befragten bei 20 Prozent mehr Gehalt zum Arbeitgeberwechsel bereit, ein weiteres Drittel würde sogar für weniger wechseln. Bleibt nur die Frage nach den Rahmenbedingungen: Diese müssen dann natürlich genauso stimmen. Findet der Arbeitnehmer bei der Konkurrenz weniger weiche Motivationsfaktoren, wird er den Wechsel noch einmal überdenken oder ganz ausschlagen.

Arbeitnehmer möchten also bevorzugt in Unternehmen arbeiten, „in denen sie sich entfalten können; ohne zu enge bürokratische Schranken und politische Spielchen der Abteilungsleiter. Teamgeist, Transparenz und Tatendrang sind die Früchte einer freien Unternehmenskultur“, schätzt Müller-Eschenbach ein. Insofern werden seiner Ansicht nach Werte wie Fairness und Kollegialität in Zukunft entscheidend sein, wenn sich Mitarbeiter für oder gegen einen Job entscheiden.