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Gehälter bis zu 83.000 Euro: Welche fünf Job-Profile im Finanz- und Rechnungswesen 2022 besonders gefragt sind

·Lesedauer: 8 Min.
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Controller, Buchhalter oder Steuerberater: Das Finanz- und Buchhalterwesen bietet zahlreiche und teils sehr lukrative Jobmöglichkeiten. Denn Finanzabteilungen mit vielen standardisierten Prozessen kommt eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung von Unternehmen zu. Das erfordert neue Fachkenntnisse. Die Aufgabenschwerpunkte verschieben sich hin zu beratender und analytischer Arbeit. Skills, die die vorhandene Belegschaft laut der Personalberatung Robert Half nicht immer abdecken kann. Der Personalbedarf ist also hoch.

In welchen Bereichen Unternehmen gerade vermehrt suchen und was ihr in diesen Positionen verdienen könnt, hat Robert Half kürzlich in einem Report veröffentlicht. Dafür hat die Personalberatung 300 Manager mit Personalverantwortung befragt. Die angegebenen Gehälter beziehen sich auf die Bruttojahresgehälter ohne Zusatzleistungen und basieren auf den Daten mehrerer tausend Vermittlungen.

Das Ergebnis: Besonders gefragt sind Fachkenntnisse etwa in der Business-Analyse, Finanzmodellierung und -planung, Rohbilanz und IFRS. Unter IFRS werden bestimmte Standards verstanden, die ein System von Grundsätzen und Regeln für die Darstellung verschiedener Transaktionen und Positionen in Abschlüssen beinhalten. Einen starken Mangel an Finanzfachkräften konnten die Experten von Robert Half im Bankwesen, der Automobil-, Dienstleistungs- und Immobilienbranche sowie im Investment Banking feststellen. Aufgeschlüsselt nach Jobs habt ihr 2022 in den folgenden Positionen die besten Chancen:

Controller

Der Begriff "Controlling" stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie steuern, regeln oder überwachen. Und genau das macht ein Controller. Er oder sie stellt sicher, dass ein Unternehmen so wirtschaftlich wie möglich arbeitet. Dabei stützen sich Controller auf feste Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, den Verschuldungsgrad oder den Cash-Flow. Als Controller begleitet ihr also den Management-Prozess eines Unternehmens bei der Festlegung und der Umsetzung von Zielen. Die Verantwortung ist groß. Denn in der Rolle eines Controllers erfasst und analysiert ihr Daten, um so die Effizienz des Unternehmens zu maximieren. Gibt es Abweichungen, steuert ihr gegen und berichtet dem Management über etwaige Gründe einer Verfehlung der Unternehmensziele.

Laut den Experten von Robert Half hat sich das Berufsbild allerdings gewandelt. Während Controller früher als reine Zahlenprüfer galten, die lediglich die Geschäftszahlen kontrollierten, ist der Job heute deutlich vielseitiger. Zwar gehöre immer noch die Analyse und die Kontrolle der Unternehmenszahlen zu den Aufgabenschwerpunkten. Zusätzlich würden Controller aber mittlerweile auch nach Einsparpotenzialen und Wachstumsmöglichkeiten für ein Unternehmen suchen. Das heißt, sie tragen maßgeblich dazu bei, dass eine Firma wettbewerbsfähig bleiben kann. In einer so datenbasierten Zeit wie aktuell herrscht deshalb eine große Nachfrage nach Fachkräften im Controlling.

Das und die hohe Verantwortung schlägt sich in den Gehältern nieder. Diese variieren nach Berufserfahrung, Unternehmensgröße und Qualifikationen. Ein Junior-Controller, die oder der gerade erst in ein Unternehmen einsteigt, verdient im Mittel laut der Auswertung von Robert Half 43.250 Euro. In einem Konzern und mit mehr Berufserfahrung kann ein Junior-Controller aber durchschnittlich sogar 60.500 Euro verdienen. Richtig viel Gehalt gibt es für den Posten als Senior-Controller: 83.500 Euro verdient ihr durchschnittlich in dieser Postion, wenn ihr eine lange Berufserfahrung vorweisen könnt und in einem eher größerem Unternehmen arbeitet.

Allerdings sind hier auch die Anforderungen deutlich höher als bei einem Junior-Controller. Ein Senior-Controller plant und steuert etwa die Unternehmensprozesse, berät das Management und arbeitet an der Strategieentwicklung eines Unternehmens mit. Ein Junior-Controller verfasst dagegen Reportings und Analysen, hilft bei der Budgetplanung oder bereitet Daten für Präsentationen auf.

Finanzbuchhalter

Der Finanzbuchhalter ist eine spezielle Form eines Buchhalters. Die Bezeichnung ist nicht geschützt, in der Regel bringen Mitarbeiter aber ein hohes Know-how im Bereich Rechnungswesen mit. Bewerberinnen und Bewerber sollten zudem gute Kenntnisse im deutschen Handels- und Steuerrecht mitbringen, schreibt die Personalberatung Robert Half. Das ist auch nötig. Denn Finanzbuchhalter behalten die Vermögens-, Ertrags- und die allgemeine Finanzlage im Blick, auf der viele Entscheidungen der Unternehmensführung basieren. Zudem führt ihr als Finanzbuchhalter Buchungen aus, vor allem Eingangs- und Ausgangsrechnungen. Weitere Aufgaben sind die Durchführung der Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung, die Überwachung von Zahlungseingängen, Monats-, Quartals- und Jahresabschlüssen, Anlagenbuchhaltung oder die enge Zusammenarbeit mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.

Der Job als Finanzbuchhalter ist etwas weniger lukrativ als der des Controllers. Dennoch zeigt die Analyse von Robert Half, dass ihr mit der entsprechenden Berufserfahrung im Durchschnitt 68.500 Euro verdienen könnt. So viel bekommen Finanzbuchhalter, die über eine außergewöhnliche Expertise verfügen. Mit überdurchschnittlichen Qualifikationen bringen Finanzbuchhalter rund 59.250 Euro nach Hause. Das Einstiegsgehalt liegt mit 38.500 Euro allerdings eher auf einem niedrigen Niveau.

Kreditoren- und Debitorenbuchhalter

Als Kreditoren- und Debitorenbuchhalter seid ihr verantwortlich für die Kontrolle der Außenstände und Forderungen eines Unternehmens. Ihr habt im Blick, wo das Unternehmen Schulden hat und wann welche Rechnungen zu begleichen sind. Besonders im Fokus sind die Forderungen von Lieferanten und anderen Geschäftspartnern – den sogenannten Kreditoren. Typische Aufgaben des Kreditoren- und Debitorenbuchhalters sind also zum Beispiel offene Rechnungen zu prüfen und zu erfassen, den Bezahlvorgang zu veranlassen oder die Kreditoren in einer Datenbank zu verwalten.

Es gibt keine direkte Ausbildung oder Studiengang zu diesem Bereich. Eine gute Basis ist allerdings eine Ausbildung zum Industrie- oder Bürokaufmann oder zum Steuerfachangestellten. Eine Weiterbildung zum Kreditorenbuchhalter bietet zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer an.

Laut der Personalberatung Robert Half brauchen Kreditoren- und Debitorenbuchhalter einen guten Blick fürs Detail und viel Einschätzungsvermögen. Deshalb steigt das Gehalt in diesem Bereich stark mit der Berufserfahrung. Der Verdienst ist für Berufseinsteiger mit 34.750 Euro vergleichsweise niedrig, steigt aber bei einer mittelmäßigen Erfahrung auf 38.750 Euro und bei einer überdurchschnittlichen Qualifikation auf 48.000 Euro.

Lohn- und Gehaltsbuchhalter

Gehalt- und Lohnbuchhalter verwalten, wie der Name schon sagt, die Entgeltabrechnungen der Angestellten – etwa die Überweisung von Löhnen oder Gehältern. Darüber hinaus pflegen sie die Stammdaten der Mitarbeiter, führen Personalakten, Arbeitszeit- und Lohnkonten, prüfen Überstunden oder Fehlzeiten. Darüber hinaus sind sie Ansprechpartner bei allen lohnsteuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Fragen. Weil sich die Gesetzeslage immer wieder ändert, müssen Lohnbuchhalter sich regelmäßig weiterbilden.

Eine eigene Berufsausbildung gibt es auch hier nicht. Interessiert ihr euch für diesen Job, solltet ihr laut der Personalberatung Robert Half allerdings eine kaufmännische Ausbildung oder ein Studium mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt abgeschlossen haben. Mithilfe einer Weiterbildung könnt ihr euch auf die Position des Lohn- und Gehaltsbuchhalters spezialisieren. Es gibt mehrere Anbieter, darunter die IHK. Es gibt auch mehrere berufsbegleitende Lösungen, zum Beispiel ein Fernstudium oder ein Abendlehrgang. Normalerweise müsst ihr am Ende der Weiterbildung eine Prüfung ablagen.

Auch hier spielt vor allem Expertise eine Rolle in Bezug auf das Gehalt. Neueinsteiger kommen im Durchschnitt auf lediglich 35.500 Euro brutto. Für Lohn- und Gehaltsbuchhalter, die schon ein bisschen Erfahrung haben, gibt es im Schnitt 43.000 Euro. Wer mit überdurchschnittlichen Qualifikationen aufwarten kann, zum Beispiel besonderer Expertise in Bezug auf Sozialversicherung, liegt bei durchschnittlich 55.500 Euro. Hat ein Lohn- und Gehaltsbuchhalter noch einmal mehr Erfahrung, dann kann er oder sie im Durchschnitt sogar 67.000 Euro verdienen.

Sachbearbeiter in der Buchhaltung

Als Sachbearbeiter in der Buchhaltung könnt ihr in allen möglichen Bereichen der Buchhaltung arbeiten. Jobs findet ihr laut Robert Half in praktisch allen Branchen. Das Aufgabenspektrum ist dementsprechend groß. Je nachdem, in welchem Bereich ihr arbeitet, pflegt ihr unter anderem Zahlungseingänge- und -ausgänge, tauscht euch mit Ämtern und Behörden aus, organisiert ihr Verträge, fertigt statistische Auswertungen an oder helft bei den Monats- und Jahresabschlüssen.

Wie viel ihr als Sachbearbeiter verdient, hängt von vielen Faktoren ab: etwa eurer Qualifikation, der Branche oder der Größe des Unternehmens, für das ihr arbeitet. Um Sachbearbeiter in der Buchhaltung zu werden, braucht ihr eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung oder ein Studium mit Schwerpunkt Finanzen und Buchhaltung. Zudem empfiehlt Robert Half für diesen Job gute MS-Office-Kenntnisse, insbesondere Excel, sowie Erfahrung mit SAP.

Für Berufseinsteiger in kleineren Unternehmen gibt es im Durchschnitt nur 33.000 Euro im Jahr. Ein überdurchschnittlich qualifizierter Sachbearbeiter kann dagegen mit 46.000 Euro rechnen. Wer hoch qualifiziert ist und eine große Verantwortung trägt, kann mit 55.000 Euro jährlich rechnen.

Neben diesen fünf Berufen gibt es noch viele andere Jobs im Finanz- und Rechnungswesen, für die verstärkt Angestellte gesucht werden. Besonders viel verdienen könnt ihr zum Beispiel als Steuerberater. Hier liegt das Einstiegsgehalt schon bei fast 70.000 Euro jährlich. Mit langjähriger Berufserfahrung sind sogar mehr als 90.000 Euro drin. Ein ähnlich gutes Gehalt bekommt ihr als Compliance Manager. Das meiste Geld winkt aber natürlich im Management. So verdient ihr als Chief Financial Officer, also als kaufmännischer Geschäftsführer eines Unternehmens, im Durchschnitt 210.000 Euro jährlich. Oder ihr leitet den gesamten Bereich Controlling. Dann gibt es im Jahr knapp 120.000 Euro.

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