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Gegen den Verpackungsmüll: Vytal will Mehrweg-Geschirr per App statt über Pfand steuern

Terpitz, Katrin
·Lesedauer: 4 Min.

Gastronomen müssen bald Mehrwegschalen anbieten. Das bringt Vytal neue Investoren. Ein Lieferando-Mitgründer hilft beim Ausbau zur Lieferapp.

In der Pandemie boomen Gerichte zum Mitnehmen und Lieferdienste – und zugleich wächst der Müllberg an Plastikverpackungen. Schon vor der Coronakrise fielen laut der Deutschen Umwelthilfe pro Jahr rund 155.000 Tonnen Abfall durch Einweggeschirr an. Jede Stunde wurden rund 400.000 Menüschalen weggeworfen. Im ersten Lockdown kamen schätzungsweise 80.000 Einwegboxen pro Stunde hinzu.

„Diese Ressourcenverschwendung muss ein Ende haben. Lieferessen und Take-away können auch nachhaltig verpackt sein“, sagt Tim Breker, Mitgründer von Vytal. Das Start-up aus Köln bietet seit September 2019 eine digitale Lösung gegen den Verpackungsmüll an: ein Kreislauf aus Mehrwegschalen, der per App statt über Pfand gesteuert wird. Schon rund 700 Restaurants, Kantinen und Supermärkte machen mit.

Das Prinzip funktioniert so: Gastronomen erhalten Mehrwegbehälter samt Deckel von Vytal. Die sind auslaufsicher und wärmespeichernd. Pro Befüllung zahlen sie je nach Schalengröße 15 bis 25 Cent. „Das ist günstiger als so manche Einwegverpackung“, meint der 33-jährige Breker. An der Kasse werden die Schüssel und der QR-Code auf der Vytal-App des Kunden eingescannt.

Der zahlt nichts dafür und darf die Schale ungespült am selben Tag bei jedem Vytal-Partner abgeben. Ansonsten hat er 14 Tage Zeit, sie mit kaltem Wasser ausgespült zurückzubringen. Erst danach geht sie für zehn Euro automatisch in sein Eigentum über.

„Dieser psychologische Kniff führt zu einer Rückgabequote von 99 Prozent und hält unseren Schalen-Kreislauf in Gang“, erklärt der Betriebswirt und promovierte Psychologe. Über 80 Prozent der Bowls werden dort abgegeben, wo sie ausgeliehen wurden. Inzwischen hat Vytal auch Mehrwegverpackungen für Sushi und Pizza im Angebot und einen Kaffeebecher aus Edelstahl.

Von der Geschäftsidee hat Vytal nicht nur den „Höhle der Löwen“-Investor Georg Kofler im Herbst überzeugt. Nun investieren Lieferando-Mitgründer Kai Hansen, der Nixdorf Kapital Impact Fund, der Burning Issues Impact Fund und andere insgesamt mehr als zwei Millionen Euro. Auch Kofler stockte mit seiner Food Chain GmbH das Investment auf 750.000 Euro auf.

Die drei Gründer Tim Breker, Sven Witthöft und Fabian Barthel halten nun 69 Prozent an Vytal. Sie waren Unternehmensberater bei BCG und ernährten sich regelmäßig von Lieferessen, als ihnen die Geschäftsidee kam.

Rückenwind bekommt Vytals nachhaltiges Konzept von der Politik: Die EU will als zentralen Aspekt des Green Deal bis 2025 eine nachhaltige und geschlossene Kreislaufwirtschaft einführen. Ab 3. Juli sind hierzulande Essensbehälter und To-go-Becher aus Styropor und Bioplastik verboten. Das Bundeskabinett beschloss zudem im Januar eine Pflicht für Gastrobetriebe, bis 2023 auch Mehrwegverpackungen anzubieten. Das gilt sowohl für Bistros als auch für Fast-Food-Ketten.

Lieferando-Gründer Hansen hat das Konzept von Vytal überzeugt, weil es „einfach, innovativ und schnell skalierbar“ sei. „Gastronomen steigern ihren Umsatz, weil Kunden häufiger zurückkommen. Und sie sparen Kosten im Vergleich zu vermeintlich biologisch abbaubaren Einwegverpackungen ein“, so Hansen. 2020 wurden durch Vytal 200.000 Wegwerfverpackungen eingespart. In diesem Jahr soll die Zahl um den Faktor 15 auf drei Millionen steigen.

Mehrwegbowls für Rewes Salatbar

Zu den 700 Gastronomie-Partnern, die Vytal nutzen, gehören Restaurants und Großcaterer von Eurest, Aramark, Dussmann bis Klüh. „In den Betrieben, in denen wir es bereits eingeführt haben, ist das Feedback gigantisch“, sagt Thorsten Greth, Geschäftsführer von Klüh Catering. Auch Rewe bietet das kostenlose Mehrwegsystem für seine Salatbar an. Die Tests laufen derzeit in Kölner Supermärkten.

Vytal ist nicht allein im Markt: Das Start-up Recup aus München etwa bietet neben Mehrweg-Kaffeebechern mit Rebowl auch Mehrwegschüsseln an. Der Kreislauf basiert allerdings auf Pfand, wie beim Schweizer Anbieter Recircle. Recup kooperiert auch mit 1200 Tankstellen von Shell und 600 Aral-Tankstellen in Deutschland.

Nun geht Vytal den nächsten Schritt: Das 36-köpfige Team baut die App zur Plattform für Essensbestellungen ohne Verpackungsmüll aus. Zielgruppe sind Gastronomen mit eigenem Lieferservice. Bei Lieferando lässt sich bereits jetzt per Vytal-Liefercode das Essen von Partner-Restaurants in Bowls bestellen. Für die Vermittlung von Lieferessen berechnet Vytal eine Provision von sieben Prozent.

„Damit sind wir günstiger als die etablierten Lieferdienste“, betont Breker. Diese berechnen etwa 13 Prozent, wenn sie Bestellungen nicht selbst ausliefern. Lieferando-Mitgründer Hansen soll nun dabei helfen, die Bestellfunktion für Lieferessen von Vytal weiter auszubauen. „Wir wollen erreichen, dass nachhaltiges Mehrweggeschirr für Bestellessen zum Standard wird“, sagt Breker.