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Gasverbrauch mit Importen senken? Chemiebranche widerspricht Studie

FRANKFURT (dpa-AFX) -Die deutsche Chemiebranche wehrt sich gegen eine Studie, wonach die Industrie gasintensive Produkte durch Importe ersetzen und so viel Energie sparen könnte. Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VCI, Wolfgang Große Entrup, kritisierte eine am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts IWH zu dem Thema.

"Wir halten es für verantwortungslos, derart einfache und unfundierte Botschaften aus einer Studie herauszulesen, die auf einem sehr hohen Abstraktionsniveau erstellt wurde", sagte Große Entrup der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. "Vor dem Hintergrund einer so komplexen Thematik führt dies fahrlässig zu falschen Entscheidungen." Man dürfe beim "Ausverkauf unserer Industrie" nicht tatenlos zusehen. "Wir haben Versorgungsengpässe bei wichtigen Grundstoffen." Sie seien - anders Wirtschaftsweise und IWH suggerierten - nicht kurzfristig ersetzbar.

Der IWH-Studie zufolge kann die Industrie viel Gas ohne große Umsatzeinbußen durch Importe sparen. Würden Produkte mit hoher Gasintensität und hoher Importsubstituierbarkeit überhaupt nicht mehr in Deutschland hergestellt, würde die Industrie laut IWH etwa 26 Prozent ihres Gasverbrauchs einsparen, aber weniger als drei Prozent ihres Umsatzes verlieren. Nach Angaben des IWH verursacht die Herstellung von 300 Produkten mit dem höchsten Gasverbrauch knapp 90 Prozent des gesamten Gasverbrauchs der Industrie. Laut der Studie kommen die fünf Produkte mit dem höchsten Gasverbrauch pro Euro Umsatz aus der chemischen Grundstoffindustrie.

Kritik kam auch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. Es sei wenig hilfreich, Einspareffekte zu beziffern, ohne die Komplexität von Produkten und Wertschöpfungsketten angemessen abzubilden, kritisierte das IW. Die Studie betrachte nur die Produktebene, während produktionstechnische Zusammenhänge, Kuppelproduktion und Lieferkettenabhängigkeiten nicht berücksichtigt worden seien. Es sei missachtet worden, dass an vielen Chemiestandorten Produktionsprozesse eng verzahnt seien und nicht losgelöst betrachtet werden könnten.