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Galeria Karstadt Kaufhof verlässt das Insolvenzverfahren

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Der Warenhauskonzern hat sich entschuldet und will mit drei neuen Geschäftsführern in die Offensive gehen. Doch noch sind die Bedingungen schwierig.

Das Unternehmen hat das Insolvenzverfahren genutzt, um Ballast abzuwerfen. Foto: dpa
Das Unternehmen hat das Insolvenzverfahren genutzt, um Ballast abzuwerfen. Foto: dpa

Genau ein halbes Jahr nach dem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren arbeitet der größte deutsche Warenhauskonzern wieder komplett in eigener Verantwortung: Wie das Amtsgericht Essen am Mittwoch mitteilte, ist das „Insolvenzverfahren betreffend die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH aufgehoben“.

Auch die Tochterunternehmen Karstadt Sports, Karstadt Feinkost, Le Buffet und Dinea wurden aus dem Insolvenzverfahren entlassen. Voraussetzung dafür war, dass in allen Fällen die Gläubigerversammlung dem jeweiligen Insolvenzplan zugestimmt hatte.

„Diesen Tag und diesen Erfolg haben wir alle herbeigesehnt, nachdem uns im Frühjahr klar wurde, wie stark die Auswirkungen der unvorhersehbaren Pandemie und der behördlichen Schließungen aller unserer Warenhäuser sich auf uns auswirken würden“, schreibt Vorstandschef Miguel Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief, der dem Handelsblatt vorliegt. Er betonte, es sei nicht übertrieben, „wenn wir diesen Moment ein Stück weit als ,historisch‘ bezeichnen“.

Experten jedoch merken an, dass Galeria nicht erst durch die Pandemie in die Krise geraten ist. „Der Konzern stand bereits vor der Coronakrise vor deutlichen Herausforderungen: hohe Mieten, Frequenzrückgang in den Innenstädten, eine Vielzahl von Filialen, hohe Kosten und eine unklare Positionierung im Markt“, sagt Jörg Funder, Handelsexperte von der Hochschule Worms. Corona sei da nur ein „Brandbeschleuniger“ gewesen.

Galeria hat die Phase der Insolvenz genutzt, um Ballast abzuwerfen. So mussten die Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten. Außerdem werden nach aktuellem Stand 42 der bisher 172 Karstadt- und Kaufhof-Häuser geschlossen. Tausende Mitarbeiter werden ihren Job verlieren.

Müllenbach erklärte, dass „ein gewaltiger Berg von Arbeit und eine Zeit der großen Ungewissheit“ hinter dem Unternehmen lägen. Er räumte jedoch auch ein, dass die Pandemie immer noch da sei und mit ihr die Kaufzurückhaltung der Menschen und die geringeren Frequenzen in den Innenstädten.

In die Zeit des wichtigen Weihnachtsgeschäfts geht das Unternehmen jetzt mit einer erweiterten Geschäftsleitung. Zum 1. Oktober starten die drei neuen Geschäftsführer Engelbert Thulfaut, Dirk Lessing und Karin Busnel-Knappertsbusch. Müllenbach schrieb, das Unternehmen habe damit „namhafte Handelsexperten“ für das Unternehmen gewinnen können.

Außerdem kommt Andreas Hink als neuer Leiter des Digitalgeschäfts. Das ist bei Galeria Karstadt Kaufhof eine der größten Herausforderungen. Denn das Unternehmen hat zurzeit einen Onlineanteil von gerade mal 4,3 Prozent am Umsatz und konnte deshalb in der Coronakrise so gut wie gar nicht vom Boom des E-Commerce profitieren.

„Diese Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden“, so Müllenbach. Er wies aber auch darauf hin, dass „schnelle finanzielle Hilfe“ des Eigentümers Signa es erst ermöglicht habe, „dass wir überhaupt am Fortbestand unseres Unternehmens arbeiten konnten“.