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Eine Frau erzählt, warum sie nie wieder im Büro arbeiten will – und wie ihrer Firma „drei T's“ dabei helfen, Full Remote erfolgreich zu sein

·Lesedauer: 4 Min.
Alles am rechten Fleck: Wer gut organisiert ist, hat es leichter im Home Office.
Alles am rechten Fleck: Wer gut organisiert ist, hat es leichter im Home Office.

Man mag es über die Corona-Pandemie schnell vergessen haben, aber ein sonderlich fortschrittliches Home-Office-Land war Deutschland nie. Allein der Infektionsschutz war es, der viele Arbeitgeber dazu zwang, ihre Angestellten nach Hause zu schicken.

Dabei gibt es Firmen, deren Mitarbeiter völlig unabhängig von der Pandemie schon seit Jahren im Home Office arbeiten. Marina Hoyer ist bei so einem Unternehmen angestellt. In der Design-Agentur New Monday arbeiten seit der Gründung rund ein Dutzend Mitarbeiter komplett remote. Eine Bürofläche hat New Monday nicht.

Als PR- und Content-Strategist hat Hoyer einen klassischen Laptop-Job: Sie ist zuständig für die digitale Kommunikation des Unternehmens in Sozialen Medien und ist in ständigem Austausch mit Kunden.

Die Arbeit in einem Full-Remote-Unternehmen ermöglicht es ihr, zwei wichtige Teile ihres Lebens miteinander zu verbinden. Die Halb-Griechin ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber noch Familie in Griechenland. Nur ein paar Wochen im Jahr dort Urlaub zu machen, das hat ihr nicht gereicht. Dank Home Office kann sie den Laptop aufklappen, wo sie will. Besonders zur Weihnachtszeit ist sie viel lieber in Deutschland.

Aber was ist mit dem Kontakt zu den Kollegen – läuft das Unternehmen nicht Gefahr, dass jeder zum Einzelkämpfer wird?

Arbeitet seit einem halben Jahr komplett remote und möchte nie wieder zurück ins Büro: Marina Hoyer.
Arbeitet seit einem halben Jahr komplett remote und möchte nie wieder zurück ins Büro: Marina Hoyer.

Unternehmen sollte Mitarbeitern Zeit zum persönlichen Kennenlernen einräumen

„Wie viele andere Firmen auch, nutzen wir Slack zum Kommunizieren. Montags teilen wir dort immer ein Foto von unserem privaten Highlight der Woche, so kommen wir untereinander ins Gespräch – zum Beispiel darüber, was wir am Wochenende gemacht haben“, erzählt Hoyer Business Insider. Dass die Mitarbeiter von New Monday Zeit dafür haben, einander persönlich kennenzulernen, sei dem Unternehmen wichtig.

Auch andere Methoden, die viele Angestellte in der Home-Office-Zeit kennengelernt haben, wendet New Monday an. Neben regelmäßigen Coffee-Dates gibt es ein Mal im Monat einen Teamabend, bei dem sich alle mit einem Feierabend-Getränk vor die Kamera setzen und Spiele spielen – zum Beispiel mit der Plattform Kahoots, auf der man eigene Quiz erstellen kann. „Das lebt vom Miteinander: Jeder kann an diesen Abenden irgendetwas Persönliches mitbringen, zum Beispiel einen Lieblings-Gegenstand“, sagt Hoyer.

Jeden zweiten Freitag macht New Monday den „Freaky Friday“. Den verbringen die Mitarbeiter der Design-Agentur größtenteils nicht mit ihrer regulären Arbeit, sondern arbeiten gemeinsam und über die Abteilungen hinweg an kreativen Projekten.

Profitiert das Unternehmen von Full Remote?

Laura Nielsen, Mitgründern von New Monday, erklärt dazu: Gerade in der Gründungsphase vor drei Jahren sei es für das junge Unternehmen praktisch gewesen, keine hohen Fixkosten für eine Bürofläche zahlen zu müssen. Außerdem biete Full Remote die Möglichkeit, Personal auch außerhalb eines Standorts wie etwa Berlin zu akquirieren, was die Suche nach Talenten geografisch unabhängig macht. Mitarbeiter, die mit Full Remote gut umgehen können, seien zufriedener und gesünder – dadurch habe das Unternehmen weniger Fluktuation.

Strategie: Trust, Transparency & Time together

Was sollten andere Unternehmer beachten, wenn sie ihre Mitarbeiter auch komplett remote arbeiten lassen wollen? Laura Nielsen empfiehlt, sich an den „drei T’s“ zu orientieren: Trust, Transparency und Time together.

Trust
Eine Grundvoraussetzung von Remote-Work ist laut Nielsen das Vertrauen der Führungskräfte in die eigenen Mitarbeiter. Schenkt man ihnen Flexibilität, werden sie gute Ergebnisse erzielen. Bei der Personalauswahl solltet ihr stark auf die Softskills achten und prüfen, ob Mitarbeiter und Unternehmen die gleichen Werte teilen.

Transparency
Mitarbeiter müssen sich als Teil des Teams begreifen und sich gut aufgehoben fühlen. Dafür ist es wichtig, dass alle wissen, was im Unternehmen passiert und was die Zielsetzungen sind. Auch die Mitbestimmung ist ein wichtiger Aspekt: Den Mitarbeitern sollte klar sein, dass sie den Kurs mitbestimmen können und sollen. Ein Tipp von Nielsen ist, regelmäßige Termine für All-Hands-Meetings und Einzelgespräche einzuplanen, um herauszufinden, wo der Schuh drückt und Ideen zu sammeln, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Time together
Neben der gemeinsamen Arbeit an Projekten sollte es Zeit und Raum für das Team geben, sich kennenzulernen und auszutauschen. Nielsen empfiehlt, regelmäßige Learning-Sessions unabhängig von Projekten anzubieten sowie informelle Teamevents und Coffee-Breaks, in denen die Mitarbeiter unabhängig von der Arbeit Zeit miteinander verbringen können.

„Fühle mich wohl, bin produktiver und spare mir Zeit!“

Marina Hoyer betont, dass es Typ-Sache ist, für immer im Home Office arbeiten zu wollen: „Man muss sich strukturieren können und diszipliniert sein.“ Es müssen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer darauf achten, typische Stolperfallen zu umgehen. Hoyer schätzt es zum Beispiel, dass ihr Arbeitgeber darauf achtet, dass die Mitarbeitenden nicht nach Feierabend noch Nachrichten bekommen.

„Ich fühle mich wohl in meiner persönlichen Arbeitsumgebung, bin produktiver und spare mir durch Full Remote viel Zeit am Tag“, lautet das Fazit von Marina Hoyer – und ihr ist klar: „Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, jemals wieder anders zu arbeiten."

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