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Von Frank Thelen gehypte Kryptobörse ist am Ende – so kam es dazu

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Frank Thelen warb öffentlich mehr für die Blockchain-Plattform Neufund.
Frank Thelen warb öffentlich mehr für die Blockchain-Plattform Neufund.

Der bekannte Investor Frank Thelen muss eine millionenschwere Beteiligung abschreiben. Wie das Berliner Fintech Neufund auf seinem Blog mitteilte, wurde der Service endgültig eingestellt. „Dieser Schritt ist uns besonders schwer gefallen, da unser Modell an sich funktioniert hat“, heißt es. Neufund wurde 2016 von Zoe Adamovicz und Marcin Rudolf gegründet und wollte Kleinanleger über seine Blockchain-Plattform an Startups beteiligen. Eine Idee, der Frank Thelen in Gesprächen mit Medien einst eine „brutal große Zukunft“ attestiert hatte.

Kryptische Mitteilung zum Abschied

Der Investor hatte sich über seine Beteiligungsfirma Freigeist Capital bereits früh an Neufund beteiligt. Zusammen mit weiteren Geldgebern flossen über die Jahre rund 15 Millionen Euro in das Unternehmen. Thelen selbst hatte 2017 nach eigener Aussage mit einem Betrag investiert, der seiner Firma „wirklich weh tut“. Dazu hatte Thelen mehrfach seine mediale Präsenz genutzt, um die Krypto-Plattform öffentlich bekannt zu machen.

Zu den genauen Gründen für die Schließung äußert sich Neufund in seiner Mitteilung nur kryptisch. Es habe weder Probleme mit der Einhaltung von Vorschriften, technische Ausfälle oder Sicherheitslücken gegeben. Neufund habe schlicht „Kapital für Unternehmen durch die Ausgabe von Wertpapieren unter Verwendung einer dezentralen Technologie beschafft“, heißt es. Laut dem Fintech haben sich seit der Gründung mehr als 1.000 Kleinanleger an Finanzierungsprojekten – etwa für ein E-Bike-Startup – beteiligt. Zusammengerechnet sollen so rund 20 Millionen Euro an Investitionen über Neufund abgewickelt worden sein. „Genau wie wir es uns vorgestellt haben. Nichtsdestotrotz müssen wir schließen“, schreibt das Unternehmen weiter.

Probleme mit Bafin, erfolglose Projekte

Eine erstaunlich harmlose Interpretation für die Probleme von Neufund in den zurückliegenden Jahren. Zunächst sollte es nach dem Funding im Jahr 2017 noch knapp zwei weitere Jahre dauern, ehe überhaupt das erste Startup über die Blockchain-Plattform finanziert werden konnte. Zuvor wurden regelmäßig neue Projekte beworben, die nach kurzer Zeit jedoch wieder von der Website verschwanden. Als für die kroatische E-Bike-Firma Greyp im Herbst 2019 dann doch das erste Geld floss, schritt schnell die Finanzaufsicht (Bafin) ein.

Laut dem Branchenportal Financefwd hatte die Firma entgegen der Vorschriften keinen Wertpapierprospekt veröffentlicht. In der Folge musste Greyp deutsche Anleger vom Angebot ausschließen. Für Neufund eine herbe Niederlage: Das Projekt sollte eigentlich die Vorzüge der Plattform unter Beweis stellen – und somit weitere Anleger anlocken. Tatsächlich wurden drei weitere geplante Projekte in der Folge nicht mehr realisiert.

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Sommer 2020 machte Neufund-Gründerin Zoe Adamovics dann auch die Finanzaufsicht für den erfolglosen Betrieb ihrer Plattform verantwortlich. Die Behörde agiere dermaßen restriktiv, „dass bald nichts mehr erlaubt ist und niemand etwas anpacken wird“. Dennoch sammelte Neufund im Dezember 2020 noch einmal Geld ein – unter anderem von Frank Thelen. Das Fintech kündigte vage einen „Neustart“ an. Daraus ist nichts geworden, wie der neue Blogpost nun zeigt.

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