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Fleisch essen ohne schlechtes Gewissen: Dieses Startup zeigt, wie es geht

·Lesedauer: 4 Min.
Hinrich Carstensen und Lina Kypke (v.l.) bieten Fleisch aus artgerechter Tierhaltung im Onlinehandel an.
Hinrich Carstensen und Lina Kypke (v.l.) bieten Fleisch aus artgerechter Tierhaltung im Onlinehandel an.

Drei Jahre ist es her, dass Hinrich Carstensen und Lina Kypke ihr Fleisch-Startup vor den Juroren in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ präsentierten. Zwei Millionen Menschen verfolgten den Pitch von Ein Stück Land. „In nur wenigen Minuten waren plötzlich 80.000 Menschen auf unserer Website“, so Carstensen im Gespräch mit Gründerszene. Im Voraus habe das Gründerpaar für rund 8.000 Euro in zusätzliche Serverleistung investiert – damit die Website dem Ansturm am Abend der Ausstrahlung standhalten könnte. Doch das Gegenteil passierte. „Während der gesamten Ausstrahlung war die Seite tot. Erst zwei Stunden später fuhr sie langsam wieder hoch“, erzählt Carstensen.

Der Abend sei im Chaos versunken, so das Gründerpaar. „Ich schaute auf meinen Laptop und sah, welche hohen Summen in den Warenkörben lagen, – aber keiner auschecken konnte. Das war richtig übel“, erzählt Kypke. Zwei Tage nach der Ausstrahlung war das Startup, das online Fleisch verkauft, ausverkauft. Also doch ein Happy End? Die durch den Serverausfall entstandenen Kosten wollte das Paar nicht allein tragen, sondern sich mit der Serverfirma sowie einer Agentur, die ebenfalls beteiligt war, teilen. Diese sollen sich jedoch quer gestellt haben, weshalb die Gründer vor Gericht zogen. Dort einigten sich alle Beteiligten darauf, die Rechnung zu dritteln. Das Gründerpaar musste außerdem für die Gerichtskosten aufkommen, so Carstensen.

Menschen tun sich zusammen, um gemeinsam ein Tier schlachten zu lassen

200.000 Euro wollten Carstensen und Kypke 2018 von den Juroren in „Die Höhle der Löwen“. Im Gegenzug waren sie bereit, zehn Prozent ihrer Anteile abzugeben. Einen Deal bekam das Startup letzten Endes nicht. Carstensen und Kypke betreiben einen Onlineshop, worüber sie Fleisch verkaufen, heißt Rindfleisch, Schwein, Geflügel – und seit kurzem Wildfleisch. Über die Website bestellen Kunden Pakete, die sie erst geliefert bekommen, sobald ein ganzes Vieh verkauft worden ist, sprich: sobald sich auch Käufer für die Innereien der Tiere wie etwa die Zunge oder die Leber gefunden haben. Erst dann müssen die Tiere zum Schlachthof. So soll die Verschwendung von Fleisch vermieden werden.

Das Ganze nennt sich Crowdbutching. Menschen tun sich zusammen, um gemeinsam ein Tier schlachten zu lassen. Ein Prinzip, das im ländlichen Raum schon seit langem gelebte Praxis ist. Carstensen und Kypke aus Mecklenburg-Vorpommern wollen mit ihrem Startup Ein Stück Land das Konzept nun ins Digitale übertragen.

Dafür arbeitet die 2017 gegründete Firma mit rund 25 Landwirten in Norddeutschland zusammen, die Rinder, Schweine und sonstiges Vieh halten. Die Gründer legen viel Wert auf artgerechte Tierhaltung. Kälber sollten also beispielsweise nicht von ihren Müttern getrennt werden und Rinder sowie Schweine auf der Weide leben und ausreichend Freilauf haben. Auch der Schlachtprozess soll für das Vieh so stressfrei wie möglich ablaufen, so werden sie nur in Kleingruppen zum Dorfschlachter gefahren – statt in Massen mit riesigen Lkws.

Nachhaltiger Fleischkonsum gewinnt an Popularität

Neben Ein Stück Land gibt es andere Fleischversender wie Kaufnekuh oder Besserfleisch. Kaufnehuh ist ein niederländisches Startup, das sich seit seiner Gründung 2015 auch in Deutschland einen Namen gemacht hat. Besserfleisch ist ein kleineres Startup aus Hamburg, dessen Auswahl limitierter ist. Schlagzeilen machte die US-amerikanische Crowdbutching-Firma Crowd Cow, nachdem Ashton Kutcher 2018 einen Millionenbetrag in das Startup investiert hatte.

Ein Paket mit 4,1 Kilo Galloway-Fleisch von Ein Stück Land kostet rund 130 Euro. Darin enthalten sind Hüftsteaks, Rumpsteak, Braten, Rouladen, Gulasch sowie Rinderfond. Pro Kilogramm Schlachtgewicht bekommen die Landwirte eine Provision. Beim Versand versucht das Startup Plastik zu vermeiden. So werden die Produkte in Kartons mit gepresstem Stroh verschickt. Trockeneis und Kühlbeutel aus gefrorenem Leitungswasser regulieren die Temperatur beim Transport.

„2021 war für uns ein schlechtes Jahr“

Mit ihrem Geschäft hat das Gründerpaar in diesem Jahr eigenen Aussagen zufolge einen Umsatz von etwa 800.000 Euro erreicht. Seit der Gründung 2017 habe sich der Umsatz jedes Jahr verdoppelt. Nur dieses Jahr nicht. „2021 war ein schlechtes Jahr“, so das Gründerpaar. Ein Stück Land begründet das gesunkene Interesse beispielsweise damit, dass die Deutschen wieder mehr Geld für Urlaubsreisen ausgegeben haben und Restaurantbesuche nach langer Zeit wieder möglich waren.

Neben dem Onlinegeschäft eröffnete das Startup 2019 auch ein Restaurant. Serviert wurde dabei alles, was an Fleisch im Onlinehandel übrig geblieben ist. Nach drei Monaten musste das Lokal jedoch aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Wiedereröffnen wollen sie den Laden nicht, außer für große Feiern wie Hochzeiten, Geburtstags- oder Betriebsfeiern. Die Küche wollen sie dafür nutzen, um Fleischprodukte im Glas zu entwickeln, wie etwa Bolognese aus Galloway-Hackfleisch, Hühnerfrikassee oder Hackbällchen in Tomatensuppe.

Die selbstgekochten Produkte sollen dabei nicht nur in den zwei Läden, die das Startup obendrein in einer kleinen Gemeinde namens Kayhude und in Hamburg hat, zum Verkauf angeboten werden. Ihr Ziel, so die Gründer, sei es, die Produkte in die Regale von Lebensmittelhändlern zu kriegen.

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