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Kann ich einem Finanzberater beim Vermögensaufbau vertrauen?

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Finanzberatungen sind eigentlich eher Verkaufsgespräche. Denn oft fließen für die vermittelten Produkte Provisionen.
Finanzberatungen sind eigentlich eher Verkaufsgespräche. Denn oft fließen für die vermittelten Produkte Provisionen.

Finanzberatung ist Vertrauenssache. Doch denken Berater wirklich stets nur an die Bedürfnisse ihrer Kunden? Klar ist: Nicht immer zahlen sich Empfehlungen aus. Als Kunde muss man daher kritisch sein.

Essen (dpa/tmn) - Für das Alter vorsorgen: Das wollen viele, wissen aber nicht genau, wie das geht. Die Lösung lautet häufig: Finanzberatung. Denn Experten in Geldinstituten haben oft für jede Lebenslage das passende Produkt. Aber hat mein Finanzberater tatsächlich immer nur mein Wohl im Sinn? Kann ich ihm vertrauen?

Niels Nauhauser ist da skeptisch. «Eine Beratung, die die Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt stellt, findet man nirgends», sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nach wie vor seien Finanzberatungen eher Verkaufsveranstaltungen: «Es wird verkauft, was Provision bringt.»

Auch Gerhard Schick, Vorstand des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende, schreibt in seinem Buch: «Beratung auf Provisionsbasis, das ist in etwa so, als würde man sich von einem Anwalt beraten lassen, der bei der Gegenpartei angestellt ist.» In den Vertriebsgesprächen gehe es nicht darum, zu überlegen, was das Beste für den Anleger ist, sondern bestimmte Anlageprodukte in den Markt zu bringen, kritisiert Schick.

Problem besteht seit Jahren

Wirklich neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. «Es sind die gleichen Probleme wie vor zehn Jahren», sagt Nauhauser - und das, obwohl der Gesetzgeber zahlreiche Vorschriften erlassen hat, die mehr Transparenz bringen sollten. «Solche Maßnahmen setzen nicht am Problem an, es ist nur ein Herumdoktern an den Symptomen.»

Die sogenannten Beipackzettel für Riester-Verträge etwa hätten nicht dazu geführt, dass verschiedene Angebote nun besser vergleichbar sind. Denn ein Bausparvertrag und eine Rentenversicherung ließen sich kaum vergleichen - «das ist anders als bei technischen Produkten.»

Niedrige Zinsen, zunehmende Digitalisierung, Filialsterben: Diese aktuellen Trends machen es den Verkäufern nicht leichter. «Das Gesamtproblem ist aber nicht geringer geworden», findet Nauhauser. Denn die Branche ist erfinderisch: Mit neuen Produkten, digitalen Angeboten oder Beratung auf Termin versucht sie mitzuhalten.

Die Lösung: Sich selbst um seine Finanzen kümmern

Wer Probleme vermeiden will, muss sich eigenständig um seine Finanzen kümmern. «Es bleibt Verbrauchern nichts anderes übrig, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen», empfiehlt Nauhauser.

Wichtige Grundregeln dabei: Nicht nur zu einem Anbieter gehen, sondern immer mehrere Angebote einholen. Außerdem sollten sich Verbraucher gut auf die Gespräche vorbereiten, ihren Finanzbedarf ermitteln, die Anlageziele festlegen, die Anlagedauer bestimmen und das Risiko abschätzen, das sie einzugehen bereit sind.

Aus Sicht von Schick sollten Verbraucher auf vermeintlich kostenlose Finanzberatungen besser verzichten. «Kostenlos ist sie nämlich nur, wenn wir tatsächlich nichts kaufen», schreibt er. «Eine echte Beratung erhält nur, wer sie aus eigener Tasche bezahlt.»