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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Alexander Kell

(Bloomberg) -- Alles muss raus, Warten auf Hoch Christine, Supermarkt-Panikkäufe als Börsen-Lehrstück, heil durch die Krise und Krise als Chance. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Aktien: Viel zu billig oder viel zu teuer?

Nach zwei Tagen Verschnaufpause hat am heutigen Donnerstag die Panik wieder die Märkte erfasst. Italien schließt wegen des Corona-Vormarschs landesweit Geschäfte und Restaurants. US-Präsident Trump hat gegenüber Europa einen 30-tägigen Einreisestopp verhängt. Der DAX sackt angesichts dessen mehr als 5% ab, zeitweise lag der deutsche Leitindex sogar 7,3% im Minus. Titel der sehr unmittelbar betroffenen Deutschen Lufthansa rutschen fast 10% ab. Die rote Laterne im tiefroten Index hatte im Mittagshandel aber Wirecard mit einen Verlust von fast 13%, denn die Flaute im Touristik- und Freizeitbereich dürfte das Geschäft des Zahlungsdienstleisters belasten. Im Stoxx Europe 600 lag nur ein einziger Wert klar im Plus, die Aktie der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Pargesa, die übernommen werden soll. Sie notierte rund 3% höher.

Lagardes große Stunde

EZB-Chefin Christine Lagarde hat die Politik gewarnt: Ohne eine schlagkräftige Reaktion drohe das Coronavirus zu Verwerfungen zu führen, die in einer Krise wie 2008 münden könnten. Am Nachmittag wird sich zeigen, welche Gegenmaßnahmen sie plant. An den Märkten wird erwartet, dass die EZB ihren Einlagensatz um mindestens 10 Basispunkte senkt. Dass es dabei nicht bleiben wird, gilt als Konsens. Mehr QE, eine Lockerung der Konditionen für gezielte langfristige Refinanzierungsgeschäfte, ein Programm für mehr Kredite an kleine Unternehmen wären denkbar. Einen ersten Eindruck zur geldpolitischen Antwort der EZB auf Corona wird die Mitteilung um 13.45 Uhr geben. Um 14.30 Uhr steht Lagarde dann wie üblich der Presse Rede und Antwort.

Was die Panik-Käufe im Supermarkt lehren

Wie schnell sich Corona ausbreiten wird und wie lange das Virus öffentliches Leben und Wirtschaft im Griff behalten wird, scheint unklar. Viele fühlen sich aber besser, wenn sie genug haltbare Nahrung, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier im Haus haben. An der Börse sei die Lage ähnlich, schreibt Bloomberg-Opinion-Autorin Shuli Ren. Investoren begännen wieder, auf gesunde Bilanzen zu achten. Mit Corona und dem Preiskrieg am Ölmarkt werde es für bonitätsschwache Unternehmen schwieriger, Gelder am Bondmarkt aufzubringen. Analysten von Bernstein zufolge geht in Rezessionen der Trend zu Firmen, die Anlegern mittels Aktien-Rückkäufen und Dividenden-Renditen gute Erträge bieten. Auch der Cashflow rücke in den Fokus. Wichtig mit Blick auf Corona ist neben den Absatzmärkten indessen nicht zuletzt die Lieferkette.

Alle leiden, wo entstehen Chancen?

Bloomberg-Kolumnistin Brooke Sutherland verwies unlängst darauf, dass der Ausverkauf an den internationalen Börsen vor Konzernen keinen Halt gemacht hat, die zugunsten künftiger Profitabilitätssteigerungen Balast jenseits des Kerngeschäfts abgestoßen haben. Beispiele seien die US-Industriekonzerne Honeywell und Dover, die Konglomerate Danaher und Pentair sowie der Chemieriese DuPont de Nemours. Die langfristigen strategischen Gründe für die Trennung von Konzernteilen dürften sich durch das Coronavirus nicht ändern, so Sutherland. Anleger könnten mit dem gesunkenen Kursniveau an den Aktienmärkten also auf verwertbares Potenzial stoßen.

Alle leiden, wer gewinnt?

Im amerikanischen Börsenbarometer S&P 500 gibt es nur eine Handvoll Werte, die auf Sicht dieser Ausverkaufswoche im Plus liegen. Zwei davon sind die Aktien von Dollar Tree und Dollar General, zwei Einzelhandelsketten mit Fokus auf das Niedrigpreis-Segment. “Dollar-Läden entwickeln sich generell besser in der Rezession”, sagt Loop-Capital-Analyst Anthony Chukumba. In schlechten Zeiten tendierten Verbraucher dazu, höherpreisigen Alternativen den Rücken zu kehren - was neben Lebensmittel-Spezialgeschäften selbst Discounter wie Walmart und Target zu spüren bekämen. Eine richtig gute Börsenwoche hatte indessen die deutsche Microcap-Aktie NanoRepro. Sie zog am Dienstag über 130% an, nachdem der Spezialist für Medizin-Heimtests mitheteilt hatte, eine Corona-Test ins Vertriebsportfolio aufgenommen zu haben. Gestern legten die Titel weitere 45% zu, plus heute: mehr als 15%.

Kontakt Reporter: Alexander Kell in Frankfurt akell@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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