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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Lagarde hat nun doch ein Auge auf die Spreads, SNB setzt auf stärkere Interventionen, EZB-Schritt nur Strohfeuer an Aktienmärkten, Ifo-Index fällt auf niedrigsten Stand seit 2009, und Europa nun vor China bei Coronavirus-Infektionen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Lagarde hat nun doch ein Auge auf die Spreads

Europäische Staatsanleihen von Italien bis Griechenland schnellten am Donnerstag empor, nachdem die EZB ein neues, 750 Milliarden Euro umfassendes Anleihekaufprogramm aufgelegt hatte, mit dem sie asymmetrisch im Markt agieren kann. Die Renditen stürzten ab, angeführt von einem Rückgang der fünfjährigen griechischen Bonds um mehr als 200 Basispunkte, die Anleihe-Spreads der Eurozone schnurrten zusammen. Dass der EZB-Kapitalschlüssel für den Kauf von Vermögenswerten nun kein Hindernis mehr sei, stelle eine “bedeutsame Abweichung von den Normen der Ära Mario Draghi” dar, heißt es bei Bloomberg Economics. “Die EZB hat nun die Möglichkeit, zu kaufen, was sie will und wann sie will”. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit von QE ergeht am 5. Mai.

SNB setzt auf stärkere Interventionen

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Leitzinsen am Donnerstag beibehalten, will aber angesichts der “außergewöhnlich großen Herausforderungen” durch das Coronavirus verstärkt am Devisenmarkt intervenieren, um Franken-Höhenflüge zu stoppen. Leitzins und Zins auf Sichtguthaben bleiben bei -0,75%. “Negativzins und Interventionen sind notwendig, um die Attraktivität von Anlagen in Franken zu reduzieren und wirken so dem Aufwertungsdruck entgegen”, hieß es. US-Präsident Donald Trump wird das womöglich nicht gefallen, was ein Risiko für die helvetischen Exporteure darstellt. In den Augen der USA erfüllt die Schweiz bereits zwei von drei Kriterien, um als Währungsmanipulator gebrandmarkt zu werden, und größere Schritte der SNB zur Begrenzung der Frankengewinne könnten ausreichen, sich zu qualifizieren.

EZB-Schritt nur Strohfeuer an Aktienmärkten

Das massive neue Anleihenkaufprogramm der EZB hat am Donnerstagvormittag nur ein Strohfeuer bei den europäsichen Aktien entfacht. Der Stoxx Europe 600 Index gab im Verlauf des Handels seine Gewinne wieder ab und notierte 0,3% niedriger um 11:37 Uhr MEZ, nachdem er um bis zu 1,7% gestiegen war. In den Sektoren brachen die Bergbauwerte und der Reisesektor erneut ein. “Wir sehen, wie Zentralbanken und Regierungen sich bemühen, den Satz ‘was auch immer nötig ist’ mit effektiven und überzeugenden Schritten in reale Maßnahmen umzusetzen”, sagte Juan Luis Garcia Alejo, Generaldirektor von Andbank Wealth Management Spain. In Deutschland stiegen Lufthansa nach drastischen Maßnahmen, die bei Analysten positiv aufgenommen wurden. Qiagen stiegen nach einer Meldung zur Produktion von Coronavirus-Testkits. HeidelbergCement litten unter gestrichenen Jahreszielen.

Ifo-Index fällt auf niedrigsten Stand seit 2009

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich in diesem Monat massiv verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging so stark zurück wie seit 1991 nicht mehr und fiel auf den niedrigsten Stand seit August 2009. “Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate verfinsterten sich wie nie zuvor”, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. “Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession”. Der Erwartungsindex fiel von revidiert 93,2 Punkten im Februar auf 82 Punkte im März, der Lage-Index von revidiert 99 auf 93,8 und der Gesamtindex von revidiert 96,0 auf 87,7. In Italien genügt ein Blick auf die Entwicklung des Stromverbrauchs als Indikator, wie es um die Wirtschaft steht.

Europa nun vor China bei Coronavirus-Infektionen

Die Staaten Europas - mit gut der Hälfte der chinesischen Bevölkerung - meldeten mehr als 85.000 Coronavirus-Infektionen, verglichen mit 80.900 in China, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Die Anzahl der Todesfälle erreichte in Europa knapp 4000, verglichen mit etwa 3200 in China. In Italien sind bislang durch das Virus 2978 Menschen gestorben, allein 475 am Mittwoch. Dies ist die höchste Zahl an Todesopfern an einem Tag seit Ausbruch des Virus Ende letzten Jahres. Bundeskanzlerin Angela Merkel wandte sich Mittwochabend mit einem Appell an die Menschen in Deutschland, forderte sie auf, sich “an die Regeln” zu halten und deutete für den Fall der Nichtbeachtung eine Verschärfung der Maßnahmen an. In Deutschland stieg die Zahl der Infizierten auf mehr als 12.300, die Zahl der Toten auf 29.

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