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„Erpresserisch“: Revolut hat Ärger mit Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm

·Lesedauer: 3 Min.
Revolut-Gründer Nikolay Storonsky in seinem Büro in London.
Revolut-Gründer Nikolay Storonsky in seinem Büro in London.

Bei einer Finanzierungsrunde im Juli sammelte der Fintech-Konzern Revolut über 800 Millionen US-Dollar ein und wurde mit 33 Milliarden Dollar bewertet. Dank des Beteiligungsprogramms wurden dadurch auch mindestens 76 der Mitarbeiter zu Millionären. Bisher sind sie das nur virtuell, denn der Verkauf der Anteile ist beschränkt. Nach der erfolgreichen Finanzierungsrunde erlaubt Revolut seinen Mitarbeitern allerdings, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Anteile zu verkaufen.

Wie das Startup-Newsportal „Sifted“ berichtet, erhält der Konzern dabei nun aber Gegenwind. Ehemalige Mitarbeiter seien von Revolut vergangene Woche per Whatsapp-Nachricht darüber informiert worden, dass sie beim Einlösen ihrer Anteile einen Aufpreis zahlen müssten. Dem Portal zufolge werde eine Bearbeitungsgebühr von 2,75 Prozent fällig, wenn die Ehemaligen am bevorstehenden zweiten Aktienverkauf teilnehmen wollten. Derzeitige Mitarbeiter des Unternehmens würden hingegen keine Gebühr zahlen und sogar Vorkaufsrecht genießen. Auch beim möglichen Verkaufsvolumen gibt es Unterschiede. Aktuelle Angestellte, die seit mindestens 18 Monaten dabei sind, dürften ganze 20 Prozent ihrer Anteile verkaufen. Bei ehemaligen liege das Limit dagegen bei zehn Prozent.

Laut „Sifted“ führt dieses Vorgehen nun intern zu Protesten. Ein Mitarbeiter habe die Gebühr sogar als „erpresserisch“ und intransparent bezeichnet. Da es Optionsinhabern verboten ist, ihre Anteile außerhalb dieses formellen Prozesses zu verkaufen, klagte ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter, dass er „hinter Papiergewinnen“ gefangen sei.

Derzeitige Mitarbeiter tragen noch zum „Wachstum des Unternehmens“ bei

Ein Revolut-Sprecher bestätigte dem Newsportal, dass man derzeitige Mitarbeiter bevorzuge. Die würden nämlich „das Wachstum des Unternehmens noch unterstützen“. Außerdem seien Aktien eine Langzeitinvestition. Das Startup decke außerdem schon einen Teil der Kosten, die aus der Notwendigkeit resultierten, nach dem Verkauf neue Investoren zu finden. Das würde das Unternehmen nämlich mehr kosten als die 2,75 Prozent Bearbeitungsgebühr, so der Sprecher zu „Sifted“.

Die Geschichte verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen Mitarbeiter bei der Verwaltung ihrer Aktien im Rahmen von Beteiligungsprogrammen konfrontiert sind. Dass der Verkauf der Anteile an bestimmte Bedingungen gebunden ist, ist nämlich der Regelfall. Oft sind ein erfolgreicher Verkauf oder Börsengang des Unternehmens Voraussetzung – bis dahin könnten Jahre ins Land gehen.

Andere ehemalige Mitarbeiter zeigen Verständnis

Eigentlich sticht Revolut im Vergleich mit anderen europäischen Startups also positiv hervor, wenn es den vorzeitigen Verkauf von Anteilen ermöglicht. Ohne Bedingungen geht es aber auch beim Fintech-Konzern nicht. Und obwohl es umstritten ist, dass Revolut die Verkaufsgebühr für ehemalige Mitarbeiter nicht übernimmt, ist es nicht ungewöhnlich, so das Urteil von „Sifted“. Andere Anbieter von Sekundärverkäufen würden den Verkäufern beispielsweise bis zu vier Prozent berechnen. Grund dafür sei die Komplexität der Verkäufe, die oft ein Team von Beratern und Anwälten erfordern würden. Außerdem ermögliche Revolut seinen Aktionären, ihre Anteile ohne Abschlag zum Bewertungspreis von 609 US-Dollar pro Aktie zu verkaufen.

Eine weitere Gruppe ehemaliger Revolut-Mitarbeiter zeigte sich daher „Sifted“ gegenüber weniger erzürnt über das Angebot. Einer von ihnen äußerte Verständnis und sagte dem Newsportal, dass er auch beim privaten Verkauf über einen Makler vier bis fünf Prozent Provision zahlen müsse. Und dabei könne er nicht unbedingt mit einem Verkauf zum Hauptaktienkurs rechnen.

Nichtsdestotrotz hätten gerade ehemalige Mitarbeiter für den kometenhaften Aufstieg des Startups gesorgt – und damit einen gehörigen Teil zur heutigen Milliardenbewertung beigetragen. Einige von ihnen beharren auch deswegen auf ihrer kritischen Haltung: Eine Gebühr sei verständlich, aber sie sollte gleichmäßig über derzeitige und ehemalige Mitarbeiter verteilt sein, wird einer von ihnen von "Sifted" zitiert. Auch würden einige Aktionäre das Verbot von Privatverkäufen der Revolut-Anteile kritisch sehen. Das mache sie vollständig vom Fintech-Konzern abhängig.

sb

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