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Wirklich nicht gut genug für die WM?

Trent Alexander-Arnold. Ein Name, der den ein oder anderen Barcelona-Fan aufgrund seiner legendären Ecke in der Champions League 2019 noch in schlimmen Erinnerungen schwelgen lässt.

Nach seinem Raketenstart für die Reds vor sechs Jahren galt der Rechtsverteidiger für den FC Liverpool wie auch für die Three Lions als großer Hoffnungsträger.

Nachdem er jedoch von Gareth Southgate aus dem englischen 23-Mann-Kader für das Spiel in der Nations League gegen Deutschland gestrichen wurde, ist auch eine Berufung für die im November beginnende Weltmeisterschaft in Katar fraglich.

Alexander-Arnolds große Defensivschwächen

Doch wie kann das sein bei einem Spieler, auf den Jürgen Klopp weiterhin große Stücke hält?

Vor allem seine defensive Anfälligkeit wird ihm häufig vorgeworfen - zumindest von diversen Ex-Profis, die zwar die offensiven Qualitäten Alexander-Arnolds zu schätzen wissen, aber seine Defensivschwäche umso mehr verteufeln.

„Defensiv ist er auf Zweitliga-Niveau“, betonte Ex-Chelsea-Spieler Frank Lebouef in der französischen Sonntagszeitung Le Journal du Dimanche.

Klopps System, das in der aktuellen Spielzeit noch nicht so zuverlässig ist, sei in der Lage, die Schwächen Alexander-Arnolds zu kaschieren. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Premier League).

Der ehemalige Premier-League-Profi Gabriel Agbonlahor teilt die Meinung Lebouefs, wenn auch nicht in der Deutlichkeit. „Er ist hervorragend in der Offensive, aber er ist kein Spitzenverteidiger. Man kann ihn nicht wirklich zu einem Spitzenverteidiger trainieren. Er hat nicht das Tempo, die Körperlichkeit, das Bewusstsein“, sagte Agbonlahor dem Football Insider.

Haben auch die Trainer Schuld?

Arsenal-Legende Lee Dixon nimmt auch die Trainer des 23-Jährigen in die Pflicht. „Wir reden schon seit zwei oder drei Jahren darüber, und er hat sich defensiv immer noch nicht verbessert. Sie haben all diese Trainer, Einwurftrainer, Spielertrainer. Die müssen doch mit Alexander-Arnold im Eins-gegen-Eins arbeiten?“, zürnte der ehemalige Rechtsverteidiger bei FootballLondon.

Das Eins-gegen-Eins gilt als das vermeintliche Hauptproblem des Reds-Stars. (DATEN: Die Tabelle der Premier League).

Alexander-Arnold: Viele Experten verwundert

Dennoch wundern sich auch einige Experten über die vermeintlich fehlende Wertschätzung für Alexander-Arnold. „Englands kreativster Fußballer, Trent Alexander-Arnold, ist auf der Bank und sitzt sich auf seinem Hintern wund“, kommentierte Gary Lineker nach Englands 0:1 gegen Italien.

Ex-United-Profi Rio Ferdinand sagte in seinem Five-Podcast: „Warum ist Trent nicht im Kader? Was ist denn hier los? Ich kann es nicht verstehen. Ich weiß nicht, warum er ihn nicht genommen hat.“

James Pearce, Liverpool-Reporter für The Athletic, meinte: „Es ist lächerlich, dass seine WM-Teilnahme in Frage steht.“

Klopp versteht Southgate nicht

Und was sagt sein Vereinstrainer? „Wir treffen immer Entscheidungen, die andere Leute wahrscheinlich nicht verstehen. Aber ich habe es (Southgates Entscheidung, Anm. d. Red.) nicht verstanden, denn Trent Alexander-Arnold war zumindest in den letzten beiden Spielzeiten der herausragende Rechtsverteidiger im Weltfußball“, meinte Klopp zuletzt: „Das ist die Wahrheit.“

Die Wahrheit ist auch: In der laufenden Saison läuft der Außenverteidiger seinem Top-Level hinterher. Er hat laut der offiziellen Seite der Premier League von 23 Duellen zwölf verloren, immerhin 88 Prozent seiner Tacklings waren insgesamt erfolgreich. João Cancelo von Manchester City, ebenfalls Außenverteidiger, übertrifft den Reds-Star in diesen Kategorien aber beispielsweise im Vergleich deutlich.

Besorgniserregender ist aber fast die ausbleibende offensive Gefahr. Während Alexander-Arnold vergangene Premier-League-Saison zwölf Torvorlagen hatte, konnte er in dieser Spielzeit noch keinem seiner Mitspieler einen Treffer auflegen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Premier League).

Vielleicht liegt es daran, dass Alexander-Arnold im Nationalteam gerade hinten dran ist. Trainer Southgate begründete die Ausbootung zuletzt unter anderem damit, dass er - neben Kyle Walker (Manchester City) und Reece James (FC Chelsea) - Kieran Trippier (Newcastle United) für vielseitiger halte. Diese Einschätzung wundert Agbonlahor.

„... dann ist das eine Beleidung“

„Wenn ich Trent wäre, würde ich mich aus der Nationalmannschaft zurückziehen, bis ein neuer Trainer kommt, wenn ich nicht in den WM-Kader berufen werde“, sagte Agbonlahor bei Talksport: „Wenn Southgate sagt, Trippier sei vielseitiger als Trent, dann ist das eine Beleidigung.“

An Alexander-Arnold scheiden sich aktuell die Geister. Ob es der Liverpool-Star bis zur WM noch schafft, den in diesem Fall für ihn wichtigsten Mann, Gareth Southgate, von sich zu überzeugen?