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Elektronikkonzern Hella verkauft Kamerageschäft an Volkswagen

·Lesedauer: 4 Min.

Für geschätzte 100 Millionen Euro übernimmt der Autohersteller die Teilsparte der Hella Aglaia. Ein Deal, von dem beide Seiten profitieren werden.

Das Unternehmen erlöst einen wahrscheinlich dreistelligen Millionenbetrag für die Teilsparte. Foto: dpa
Das Unternehmen erlöst einen wahrscheinlich dreistelligen Millionenbetrag für die Teilsparte. Foto: dpa

Volkswagens Software-Einheit könnte bald viele Mitarbeiter dazubekommen. Wie der Autozulieferer Hella am Dienstag mitteilte, soll das Geschäft mit Software für Frontkameras samt etwa 200 Mitarbeitern des Tochterunternehmens Hella Aglaia an die „Car.Software.Org“ verkauft werden. In dieser Einheit bündelt der Autobauer aus Wolfsburg seine Software-Kompetenzen. Hier sollen künftig unter anderem das zentrale Betriebssystem für Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns und neue Fahrerassistenzsysteme entstehen.

Den Verkaufspreis nannte Hella nicht ausdrücklich. Durch den Verkauf von Teilen der Tochterfirma erwarte das Unternehmen jedoch einen außerordentlichen Ertrag in Höhe von rund 100 Millionen Euro. „Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und soll aller Voraussicht nach im ersten Quartal des Kalenderjahres 2021 zum Abschluss (Closing) kommen“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Laut einem Unternehmenssprecher ist Hella mit dem Plan eines Teilverkaufs von Hella Aglaia an VW herangetreten.

Das Geschäft wirkt auf den ersten Blick für einen Weltkonzern wie VW bedeutungslos klein. Strategisch aber hat es Gewicht. Volkswagen dürfte es vor allem auf die Software-Experten der Hella-Tochter abgesehen haben. Im Ullsteinhaus in Berlin entwickeln unter Führung von Hella-Aglaia-Chef Kay Talmi über 400 internationale Mitarbeiter Software-Codes für die Autoindustrie. Unternehmen und die Mitarbeiter gelten in der Branche als versiert. Nach Wolfsburg ziehen müssen Frontkamera-Spartenchef Oliver Klenke und seine Mitarbeiter nicht. Im vergangenen Jahr hat VW für seine Car.Software.Org einen neuen Standort in Berlin eröffnet.

Volkswagen wiederum sucht seit Spartengründung genau solche Mitarbeiter. Bislang hat der Autobauer lediglich 5000 Software-Experten. Bis 2025 sollen es rund 11.000 werden. Gespräche über Kooperationen mit den großen Zulieferern Bosch und Continental, für die jeweils rund 20.000 Software-Entwickler arbeiten, verliefen im Sande. Hinter vorgehaltener Hand sprechen beide von „unverschämten Bedingungen“, denen sich die Zulieferer gegenüber VW hätten beugen müssen.

Hella-Chef Rolf Breidenbach begründet den Verkauf des Frontkamerasoftware-Bereichs mit „außerordentlich hohen Investitionen, verbunden mit einem großen unternehmerischen Risiko“, das der Konzern hätte tragen müssen, um dauerhaft die vorgegebenen Ziele zu erreichen. „Maßgeblich hierfür sind unsere strategischen Eckpfeiler Technologieführerschaft, Marktführerschaft sowie die Erfüllung bestimmter finanzieller Kennzahlen“, sagte Breidenbach. „Wenn wir eines dieser drei Kriterien mit einem Produkt nicht nachhaltig erreichen können, verfolgen wir die entsprechenden Geschäftsaktivitäten nicht weiter.“

Hoher Konkurrenzdruck im Frontkamera-Geschäft

Ausschlaggebend dafür dürfte auch der hohe Konkurrenzdruck im Bereich der Frontkamerasoftware sein, in dem sich milliardenschwere Player wie Intels Mobileye tummeln. Außerdem zeichnet sich ab, dass die Autobauer im Bereich der höheren Automatisierungsstufen des autonomen Fahrens einen größeren Teil der Entwicklung künftig in Eigenregie vornehmen wollen.

„Mit der Übernahme der Kamerasoftware-Sparte von Hella sowie des dazugehörigen Know-hows in der Bildverarbeitung setzen wir unsere Strategie fort, zukünftig wesentliche Softwarekomponenten intern zu entwickeln“, sagt Dirk Hilgenberg, Chef der VW-Softwareeinheit. „Wir treiben damit den Kompetenzaufbau in der Car.Software Org in dem Bereich des maschinellen Sehens weiter voran und stärken unsere Position in der Entwicklung sicherer und innovativer Fahrfunktionen.“

Die Aktie, die vorbörslich zunächst zulegen konnte, reagierte zum Handelsstart mit Kursverlusten von mehr als 1,5 Prozent. Hella hatte vergangene Woche die Bilanz des ersten Quartals seines aktuellen Geschäftsjahres vorgelegt. Wegen Rückstellungen für den geplanten Stellenabbau in Höhe von 169 Millionen Euro rutschte das operative Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal 115 Millionen Euro ins Minus. Der Umsatz ging um fast elf Prozent zurück auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereffekte kommt Hella immerhin auf ein Ebit von 56 Millionen Euro.

Erhalten bleiben der Hella Algaia noch die Geschäfte in den Bereichen Energiemanagement, Lichtsteuerung und People Sensing. Das Unternehmen wolle weiterhin beispielsweise in die Radarsensorik und die Leistungselektronik investieren. „Wir werden weiterhin konsequent in automobile Zukunftsthemen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren, Software und Digitalisierung investieren“, sagt Breidenbach.

Anfang September hatte Hella das „Global Software House“ gegründet, das bei Hella Aglaia verankert ist. Ziel der Neugründung ist es, die Komplexität in der Softwareentwicklung durch einheitliche Prozesse und Methoden zu reduzieren.