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DWS prüft rechtliche Schritte

Die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, prüft in Zusammenhang mit der erneuten Bilanzverschiebung des Dax-Konzerns Wirecard rechtliche Schritte. Auch Union Investment erwägt eine Klage.

„Wir analysieren die Faktenlage und prüfen die Einleitung rechtlicher Schritte“, heißt es in einer Mitteilung der DWS. Die Fondstochter der Deutschen Bank hält laut Wirecard mit Stand 18. Juni 2,84 Prozent direkt am Finanzdienstleister und 0,5 Prozent über andere Instrumente, das können etwa Derivate sein. Aufsehen erregte die DWS, als bekannt wurde, dass einzelne Fonds bis zu zehn Prozent ihres Gesamtvermögens in Wirecard investiert hatten. Der DWS Deutschland etwa, eines der Flaggschiffe, hielt Ende Februar laut Fondsanalysehaus Morningstar noch 9,94 Prozent des Anlegervermögens in Wirecard-Aktien.

Die ehemaligen und auch noch aktuellen Positionen haben die DWS offenbar unter Rechtfertigungszwang gesetzt. Die DWS habe „über die letzten Monate ihre treuhänderisch gehaltene Position in Wirecard-Aktien sukzessive reduziert“, heißt es. Per Marktschluss 17. Juni seien die DWS-Positionen bereits „um circa 60 Prozent“ reduziert worden. Aktuell halte man „keine materiellen Positionen in aktiv gemanagten Fonds mehr“. Faktisch bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die DWS 40 Prozent am Crashtag verkauft hat - raus mit Schaden.

230 Millionen Euro Verlust?

Allein die 2,84 Prozent direkt gehaltene Anteile an Wirecard hatten am Donnerstagmorgen noch einen Wert von rund 350 Millionen Euro. Als die Wirecard-Aktie am Nachmittag um 70 Prozent gefallen war, schmolz dieser Wert auf rund 115 Millionen Euro. Anders herum gesagt, verloren DWS-Anleger in der Spitze gut 230 Millionen Euro, falls die DWS im Tagesverlauf nicht schon Anteile abgestoßen haben sollte. „Nach der heutigen Nachrichtenlage kommen wir unserer treuhänderischen Verpflichtung unverändert nach“, gab die DWS jedenfalls auch bekannt.

Die DWS dürfte nicht allein bleiben. Auch die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und bis vor kurzem einer der größten Investoren des Zahlungsabwicklers, denkt nach eigenen Angaben über eine Klage nach. „Die Berichterstattung zu Wirecard hat die Union Investment zum Anlass genommen, auch in diesem Fall eine mögliche Beeinträchtigung von Anlegerinteressen und eine Einleitung rechtlicher Schritte zu prüfen“, sagte ein Sprecher der Fondsgesellschaft.

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