Deutsche Märkte schließen in 2 Stunden 38 Minuten

Das sind die dreistesten Produktfälschungen des Jahres

Ob Laptop-Rucksack, Backform oder Rasierer: Wer Markenprodukte nachahmt, verdient auf Kosten anderer. Die Aktion Plagiarius kürte die frechsten Imitate.

Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – er ist Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Der Negativ-Preis „Plagiarius“, 1977 vom Designer Rido Busse ins Leben gerufen, wurde am Freitag auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt zum 44. Mal verliehen. Der Preis geht an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen.

Laut EU-Kommission wurden 2018 an den europäischen Außengrenzen mehr als 27 Millionen rechtsverletzende Produkte mit einem Wert von über 740 Millionen Euro vom Zoll beschlagnahmt. China inklusive Hongkong ist Herkunftsland Nummer eins für diese Fälschungen.

In Auftrag gegeben und vertrieben werden Nachahmungen aber häufig in Industrieländern. Oft sind es ideenarmen Mitbewerber oder frühere Produktions- oder Vertriebspartner, die das kreative Potenzial illegal abschöpfen.

Die Schäden für die Markenhersteller sind enorm: Umsatzeinbußen, Imageschäden und Jobverluste. Durch Fälschungen gehen in der EU mehr als 467.800 Arbeitsplätze direkt verloren, zeigen Zahlen des EU-Amt für geistiges Eigentum (EUIPO). Allein in den Branchen Kleidung, Kosmetik, Spiele, Arzneimittel, Smartphones, Alkoholika, Musikaufnahmen, Uhren und Schmuck, Taschen, Sportartikel und Pestizide entgehen Herstellern aus der EU jährlich Einnahmen bis zu 60 Milliarden Euro.

Für Verbraucher bergen Fakes zudem Gesundheits- und Sicherheitsrisiken. Lebensgefährlich wird es etwa bei gefälschten Felgen, Medikamenten oder Motorsägen. Vertrieben werden Plagiate von Drittanbietern mit Scheinidentitäten auf namhaften E-Commerce-Marktplätzen, kritisiert die Aktion Plagiarius. Parallel entstehen im Internet immer mehr „Fake-Shops“, die vermeintliche Markenwaren anbieten.

Die diesjährigen Preisträger des Schmähpreises sind:

1. Preis: Küchen-Schneidegerät „Nicer Dicer Quick“

Der chinesische Fälscher verletzt diverse gewerbliche Schutzrechte des Herstellers Genius. Er kopiert nicht nur das Produkt- und Verpackungsdesign, sondern auch den Firmennamen, den Produktnamen „Nicer Dicer Quick“ sowie Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung. Die Schneidklingen sind eher stumpf und nicht so fest verankert – es besteht ein Risiko des Herausbrechens und somit Verletzungsgefahr.

2. Preis Kayser Sahnekapseln

Ein belgischer Händler hatte die Fälschungen „im guten Glauben“ erworben. Der Fälscher verletzt die Bildmarke „Kayser“ und kopiert eins zu eins Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet. Das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht.

3. Preis (zweimal vergeben) Julius-K9 Hundegeschirr „IDC Powerharness"


Der Fälscher kopiert eins zu eins das Produkt sowie die Marke „Julius-K9“. Die minderwertigen Materialien und Reflektoren wirken sich negativ auf Tragekomfort, Sichtbarkeit und Langlebigkeit aus. Julius-K9 Fälschungen werden oftmals über E-Commerce-Plattformen wie Alibaba und Social Media vertrieben.

3. Preis Laptop-Rucksack „Wenger Ibex“

Der chinesische Hersteller hat Design und Konstruktion des Originals eins zu eins übernommen. Der Markenname „Wenger“ wird nicht verletzt, aber die geschützte Emblem-Bildmarke (Kreuz auf einem Quadrat). Swiss Bag vertreibt in seinem Shop und auf seiner Website parallel Wenger-Originalprodukte und Wenger-Plagiate.

Sechs gleichrangige „Auszeichnungen“ wurden vergeben:

Verpackungsdesign: „Maria Sole Caffè Espresso“

Caffè Cultura besitzt seit 2016 die Markenrechte an der seit 2008 eingetragenen Marke „Maria Sole“ sowie die exklusiven Nutzungsrechte für das bekannte Verpackungsdesign. Die vorherige Lizenznehmerin, die Rösterei Torrefazione S. Francesco, hat trotzdem Plagiate unter der alten Marke „Maria Sole“ und unter der Bezeichnung „Maria Grazia“ weiter vertrieben. Um eine Abgrenzung zu den Plagiaten vorzunehmen, hat sich Caffè Cultura entschieden, sein Verpackungsdesign zu ändern.

Kehrmaschine „Haaga 677 Profi” (mit Akku-Antrieb)


Design und Technik der Profi-Kehrmaschine wurden kopiert. Der Gesamteindruck ist identisch, es besteht Verwechslungsgefahr. Das Plagiat wurde auf einer Messe in den USA entdeckt.

Taucherlampe „Ledlenser D14.2”

Der Nachahmer kopiert nicht nur das geschützte Design inklusive 3D-Marke, sondern auch das Taucher-Piktogramm. Der sehr niedrige Preis spiegelt sich in billigen Materialien (Plastik statt Edelstahl), einem nicht ausreichend dimensionierten Kühlkörper und minderwertigen LEDs sowie mangelhafter Funktionalität wider.

Rasierer „Futur 700”

Das Plagiat wurde auf Amazon in Text und Bild als Merkur-Rasierer beworben. Geliefert hat der chinesische Anbieter das Plagiat von Ming Shi. Ming Shi kopiert sowohl den Rasierer als auch die Verpackung inklusive zwei Sichtfenstern und wirbt wie Merkur mit „Tradition & Design“.

Pendelleuchte „Tilt Globe”


Design und Funktion (weitgehend freie Bewegung eines Lampenschirms um ein Leuchtmittel) wurden nahezu eins zu eins übernommen. Das niedrigpreisige Plagiat ist hinsichtlich Materialien und Verarbeitung extrem billig und minderwertig. Skapetze bestreitet, dass es sich um ein Plagiat handelt und weigert sich, den Vertrieb einzustellen.

3D-Silikon-Backform „Eleganza“

Das individuelle, geschützte Produktdesign von Silikomart wurde eins zu eins kopiert, der Gesamteindruck von Original und Plagiat ist trotz Größenunterschied identisch. Silikomart verwendet für all seine Produkte hochwertiges, elastisches und flüssiges Rohsilikon. Das Plagiat ist aus festerem Rohsilikon hergestellt, die Form ist härter. Das Plagiat ist teurer als das Original.