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Diskussion um Cannabis-Legalisierung: Was ihr über die Droge wissen solltet

·Lesedauer: 5 Min.

Jahrelang war SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gegen eine Legalisierung von Cannabis. Nun hat er öffentlichkeitswirksam seine Meinung geändert: In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ plädierte er dafür, dass in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP die Legalisierung der Droge festgeschrieben werden sollte.

Woher rührt sein Sinneswandel? Als Arzt sei er mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass eine kontrollierte Ausgabe von Cannabis an Erwachsene das geringere Problem sei – im Vergleich zu einem anderen: Denn Lauterbach zufolge werde dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges, rauchbares Heroin beigemischt. Das lasse sich durch eine Legalisierung unterbinden, meint der Gesundheitsexperte.

Zu dieser konkreten These Lauterbachs finden sich keine wissenschaftlichen Belege. Allerdings wird die Frage, ob eine Legalisierung von Cannabis sinnvoll wäre oder nicht, derzeit nicht nur von dem SPD-Gesundheitsexperten diskutiert. Alle potenziellen Ampel-Koalitions-Parteien sind zumindest für eine Liberalisierung.

Wie wir bereits berichteten, wird mit einer schnellen Freigabe allerdings nicht zu rechnen sein. Sebastian Fiedler, Mitglied der neu gewählten SPD-Bundestagsfraktion und bis vor Kurzem noch Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), sprach sich im Gespräch mit Business Insider zunächst für Modellprojekte aus. „Bevor man Cannabis komplett kontrolliert freigibt, muss man das gut vorbereiten.“

Damit ihr euch selbst einen Überblick verschaffen könnt, auf welcher Faktengrundlage die Politikerinnen und Politiker ihre Entscheidung treffen, gibt es hier die Antworten auf einige wichtige Fragen zum Thema Cannabis.

Wie viele Menschen konsumieren Cannabis – und in wie vielen Fällen ist der Konsum problematisch?

Bei jungen Erwachsenen ist der Cannabiskonsum zuletzt weiter gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des Jahresberichts der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig, der in der ersten Oktoberwoche 2021 vorgelegt wurde. Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert hatten, hat demnach zwischen 2015 und 2019 zugenommen: von 15,3 Prozent auf 24,1 Prozent.

Eine Studie von Forscherinnen und Forschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) liefert ein noch umfassenderes Bild: Sie untersuchten den Cannabiskonsum innerhalb aller EU-Länder sowie Großbritannien, Norwegen und der Türkei – in der Zeitspanne zwischen 2010 und 2019. Sie stellten fest, dass die Zahl derer, die Cannabis konsumierten, in den neun Jahren von 3,1 auf 3,9 Prozent gestiegen war.

Und auch der besonders riskante Konsum von Cannabis hat der Studie zufolge zugenommen. In jedem zweiten europäischen Land gaben mehr als 20 Prozent der Befragten an, im vergangenen Monat täglich oder fast täglich Cannabis konsumiert zu haben. Spitzenreiter ist Portugal: Hier gaben sogar 70 Prozent der Befragten an, täglich oder fast täglich Cannabis zu konsumieren. In der Folge stieg auch die Zahl der Fälle, in denen Menschen aufgrund ihres Cannabiskonsums behandelt werden mussten – im europaweiten Schnitt um ganze 30 Prozentpunkte, allein zwischen 2010 und 2015. (Die ganze Studie findet ihr übrigens hier.)

Doch was macht so häufigen Konsum eigentlich riskant? Der Hamburger Suchtmediziner Rainer Thomasius erklärt genau das in einem Interview mit „Welt“: Gerade für Teenager, sagt er, sei der regelmäßige Cannabiskonsum gefährlich, weil ihr zentrales Nervensystem noch im Ausreifungsprozess sei – und extrem anfällig dafür, eine Sucht zu entwickeln. „Spätestens, wenn ein Jugendlicher es irgendwann täglich konsumiert, sprechen wir von einer Abhängigkeit – mit all ihren ungünstigen Folgen für Körper und Seele“, wird Thomasius dort zitiert.

Und jene Folgen sind nicht nur unangenehm, sondern gefährlich: Es bestehe die Gefahr für Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie. Oft fixierten sich gerade sehr junge Menschen auch auf das Cannabis und reduzierten ihre Freizeitaktivitäten auf ein Minimum. Außerdem könne täglicher oder fast täglicher Konsum zu kognitiven Störungen führen und Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit schwächen.

Wie hat sich die Zusammensetzung verändert?

Auch den Wirkstoffgehalt von Cannabis haben die Hamburger Forschenden in ihrer Untersuchung über die Jahre ausgewertet. Ihr Fazit: Der THC-Gehalt der Proben, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Zeitraum zwischen 2010 und 2019 untersucht hatten, hat zugenommen. THC steht für delta-9-tetrahydrocannabinol, das Molekül, dem die berauschende Wirkung von Cannabis zugeschrieben wird. Bei Haschisch – also Cannabisharz – hat sich der mittlere THC-Gehalt demnach verdreifacht. Bei Cannabisblüten hat er sich verdoppelt.

„Zeit Online“ zitiert in einem großen Artikel zur Entwicklung des Cannabiskonsums zwei Studien britischer Forscher, die eine aus dem Jahr 1975, die andere aus dem Jahr 2018. In Studie Nummer eins ermittelten Wissenschaftler über mehrere Jahre hinweg den Wirkstoffgehalt von Gras und Haschisch, das in Großbritannien beschlagnahmt worden war, heißt es in dem Beitrag. 1975 enthielt das britische Gras demnach 3,4 Prozent THC, das Haschisch im Schnitt acht Prozent.

Die Ergebnisse von Studie Nummer zwei muten im Vergleich zu diesen Zahlen aus den Siebzigerjahren erschreckend an. Hier analysierten Forschende der Universität Bath und des King’s College London den Wirkstoffgehalt von Gras und Haschisch in ganz Europa, von 2006 bis 2018. Demnach stieg er allein in dieser Zeit bei Haschisch von etwa acht auf mehr als 17 Prozent; und beim Gras von fünf Prozent auf mehr als zehn Prozent.

Die Schlussfolgerung des „Zeit Online“-Autoren Alard von Kittlitz: „(...) gegenüber dem britischen Gras von 1975 hat das europäische Durchschnittsgras von 2016 die Potenz etwa verdreifacht, will sagen: ein Joint heute gleich drei Joints in den Siebzigern“.

Was ist der Unterschied zwischen natürlichem und synthetischem Cannabis?

Gras, das mit synthetisch hergestellten Cannabinoiden versetzt ist, wird auch Chemiegras genannt. Auch darum geht es im „Zeit Online“-Artikel. Dealer, heißt es dort, verkauften das Chemiegras als reguläres Gras – für Käuferinnen und Käufer ist es demnach unmöglich, das am Geruch oder dem Aussehen der Droge zu erkennen. Denn: Als Basis dient in fast allen Fällen CBD-Gras, also legales Marihuana, dessen THC-Anteil so gering ist, dass Konsumentinnen und Konsumenten davon nicht high werden. Darauf werden die synthetischen Stoffe dann aufgesprüht.

„Na und“, könntet ihr jetzt denken, „warum ist das ein Problem?“ Die Antwort darauf lautet: weil die Chemikalie, falsch oder unregelmäßig aufgesprüht, gefährliche oder zumindest unangenehme Folgen haben kann – dazu gehören Übelkeit, Zittern, Bluthochdruck, Schwindel, Panikattacken, Herzrasen und Krämpfe. Die Wirkung der synthetischen Cannabinoide ist also kaum vorhersehbar: Schließlich könnt ihr dem Gras, das ihr gekauft habt, nicht ansehen, ob es mit der Chemikalie versetzt worden ist oder nicht.

Es ist in Deutschland illegal, synthetische Cannabinoide herzustellen, sie in Verkehr zu bringen, mit ihnen zu handeln, sie zu erwerben, zu besitzen oder zu verabreichen.

jb

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