Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 54 Minuten
  • DAX

    15.235,87
    -236,80 (-1,53%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.105,75
    -73,40 (-1,76%)
     
  • Dow Jones 30

    34.022,04
    -461,68 (-1,34%)
     
  • Gold

    1.779,20
    -5,10 (-0,29%)
     
  • EUR/USD

    1,1349
    +0,0027 (+0,24%)
     
  • BTC-EUR

    49.760,78
    -1.089,77 (-2,14%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.443,39
    -25,69 (-1,75%)
     
  • Öl (Brent)

    65,88
    +0,31 (+0,47%)
     
  • MDAX

    33.766,88
    -562,65 (-1,64%)
     
  • TecDAX

    3.782,89
    -93,63 (-2,42%)
     
  • SDAX

    16.211,32
    -345,10 (-2,08%)
     
  • Nikkei 225

    27.753,37
    -182,25 (-0,65%)
     
  • FTSE 100

    7.106,59
    -62,09 (-0,87%)
     
  • CAC 40

    6.794,79
    -87,08 (-1,27%)
     
  • Nasdaq Compositive

    15.254,05
    -283,64 (-1,83%)
     

Diese Gründerin will Senioren vor Stürzen retten – und erhält dafür Millionen

·Lesedauer: 3 Min.
Diana Heinrichs hat Lindera 2017 gegründet und dafür ihren Job bei Microsoft in München aufgegeben.
Diana Heinrichs hat Lindera 2017 gegründet und dafür ihren Job bei Microsoft in München aufgegeben.

Diana Heinrichs ist viel unterwegs, gerade erst ist sie von einer Gesundheitskonferenz aus Mailand zurückgekehrt. Der Tag der 36-jährigen Gründerin ist durchgetaktet, sie meldet sich aus einem Berliner-Co-Working-Space in der Nähe der Friedrichstraße – für die Fahrt in ihr Büro in Berlin-Kreuzberg hätte die Zeit bis zum nächsten Termin nicht mehr gereicht, sagt sie. Was sie so beschäftigt hält, ist ihr Startup Lindera, das eine Zielgruppe in den Fokus nimmt, von der zurzeit coronabedingt viel in den Medien gesprochen wird: Senioren und Pflegekräfte. Hierzulande sind einer Studie des Statistischen Bundesamtes zufolge 4,1 Millionen Menschen pflegebedürftig, Tendenz steigend. Die Berliner Healthtech-Firma hat eine App entwickelt, die pflegebedürftige Personen mit Hilfe künstlicher Intelligenz und Ganganalysen vor Stürzen bewahren soll.

Heinrichs hat die Firma 2017 gegründet – und dafür ihren Job als Kommunikationsmanagerin bei Microsoft in München aufgegeben, wo sie sechs Jahre lang tätig war. Nun hat die 36-jährige Gründerin im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde sechs Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wird die Runde von dem Family Office zwei.7, dessen Gesellschafter Karsten Wulf ist. Dieser ist Gründer der Buw-Holding, einer der größten Firmen für Kundenbetreuung Deutschlands. Mit dem Geld will das Health-Tech sein Medizinprodukt weiter ausbauen. Aber auch in Zulassungsstudien investieren, um ab Januar 2022 als digitale Pflegeanwendung in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgenommen zu werden. Pflegeeinrichtungen sollen dadurch die Kosten von den Pflegekassen erstattet bekommen können.

„Stürze sind ein Tabu“

Die Angst vor einem Sturz bereite Millionen von Familien Sorgen, so Heinrichs. Das habe sie in zahlreichen Gesprächen mit Senioren und Pflegekräften erfahren. „Stürze sind ein Tabu. Die Leute erzählen ungern, wo die blauen Flecke herkommen.“ Für Pflegekräfte kann der Sturz eines Pflegeheimbewohners ebenfalls langwierige Folgen haben. Zum einen, weil sie eine Dokumentationspflicht gegenüber der Versicherung haben und entsprechend nachweisen müssen, dass sie alles getan haben, um den Sturz zu verhindern. Das sei, so Heinrichs, eine Menge Papierarbeit, die Pflegende von ihrer eigentlichen Tätigkeit abhalte. Zum anderen sei die Gefahr hoch, dass pflegebedürftige Personen nach einem Sturz oft noch mehr Pflege benötigen, – was zusätzliche Arbeit verursache. In Zeiten des Fachkräftemangels brauche es daher eine effizientere Lösung, findet die gebürtige Westfälin.

Aus dem Coworking-Space heraus erklärt Heinrichs, wie ihre Lösung für die Altenpflege ausschaut: Um Stürze zu vermeiden, analysiert die Lindera-App das Gangbild wie etwa die Schrittlänge, die Schritthöhe oder die Beugung der Hüfte von Senioren. Das Programm bereite das Videomaterial anschließend mit Hilfe künstlicher Intelligenz in ein dreidimensionales Bild auf. Um weitere Risikofaktoren wie Beeinträchtigungen beim Hören oder Sehen ausfindig zu machen, werden Nutzer in einem Fragebogen über ihren Gesundheitszustand befragt. Schließlich berechnet die App den Sturzgrad, der zwischen null und 100 Prozent liegen kann. Die Ergebnisse sollen Pflegekräfte darin unterstützen, die Sturzgefahr der Senioren so genau wie möglich festzustellen. Um darauf aufbauend präventive Maßnahmen einleiten zu können, wie etwa regelmäßige Absprachen über Gehwege.

Hunderte Pflegeeinrichtungen setzen die App bereits ein

Für die Analysen sei kein zusätzliches Equipment nötig, so Heinrichs. Die App lasse sich demnach über jedes Smartphone bedienen. Die Kosten variieren je nach Anzahl der zu pflegenden Personen oder Heimbewohner. Pflegeeinrichtung mit rund hundert Bewohnern zahlen so zwischen 300 und 600 Euro monatlich. Im vergangenen Jahr habe Lindera der Gründerin zufolge einen Umsatz im mittleren siebenstelligen Bereich erzielt. Zudem arbeiten derzeit rund 45 Mitarbeiter für die Firma. Die App soll bereits von mehr als 350 Pflegeeinrichtungen und Therapiezentren genutzt werden, darunter auch von Europas führendem Konzern für Pflegeheime, Korian.

Die Inspiration, eine App zu bauen, die Pflegebedürftigen hilft, habe Heinrichs in den Jahren während ihrer Anstellung bei Microsoft gesammelt. „Meine Mutter hat meine Oma gepflegt“, erzählt sie. Und besonders darauf geachtet, Stürze systematisch zu verhindern, sprich: Risikofaktoren zu reduzieren durch genügend Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Hör- und Sehtests, aber auch das gemeinsame Planen von Laufwegen. Das habe gut funktioniert, erzählt Heinrichs, die diese Methoden mit ihrem Startup Lindera nun digitalisieren und skalieren will.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.