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Diese drei Fragen zu Corona-Impfstoffen werden den Verlauf der Pandemie bis 2022 bestimmen

·Lesedauer: 8 Min.

Schon fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat ihre erste Impfung bekommen, über 20 Prozent sind vollständig geimpft. Jedoch sind wir noch lange nicht sicher vor dem Coronavirus, sagen Expertinnen und Experten. Forschungsteams weltweit halten bereits Ausschau nach Signalen, die auf eine weitere Welle hindeuten könnten – vor allem in Regionen mit einer geringen Impfquote.

„Wir sind weit davon entfernt, den Sieg zu erringen“, sagt etwa Gregory Poland, Direktor der US-amerikanischen Vaccine Research Group der Mayo Clinic. Business Insider hat Interviews mit sechs Experten für Infektionskrankheiten geführt. Laut ihrer Einschätzung gibt es drei große Unbekannte in Bezug auf unsere Impfstoffe.

1. Wie lange hält der Impfschutz an?
2. Wird die Jagd nach noch besseren Impfstoffen erfolgreich sein?
3. Wann werden alle Menschen Zugang zu Impfungen haben?

Die Beantwortung dieser Fragen wird den Verlauf der Pandemie bis 2022 und darüber hinaus bestimmen.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Jennifer Verani ist Co-Leiterin des Teams an den Centers for Disease Control and Prevention in den USA. Dessen Aufgabe ist es herauszufinden, wie gut die Corona-Impfstoffe in der realen Welt funktionieren. Ihr Team versucht zum Beispiel zu prognostizieren, wann und ob geimpfte US-Amerikaner Auffrischungsimpfungen benötigen könnten.

Veranis Team befasst sich mit dem breiten Spektrum verschiedener Erscheinungsformen von Covid-19 und wie sich die Krankheit ausbreiten kann: alles von milden und asymptomatischen Erkrankungen bis hin zu tödlichen ist wichtig bei der Überlegung, wann Auffrischungsimpfungen notwendig werden. "Wenn man einen Impfstoff hat, der zum Beispiel gegen eine schwere Krankheit wirkt, aber nicht gegen eine asymptomatische Infektion schützt, dann kann es sein, dass Menschen herumlaufen und nicht einmal wissen, dass sie infiziert sind und die Krankheit verbreiten", sagt sie.

Bisher könne man aus den Daten erkennen, dass die Impfungen sich in der Praxis als hochwirksam erweisen. In den USA werden vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer und der von Moderna verwendet. Die neuen Daten stimmen nahezu perfekt mit den Ergebnissen der klinischen Studien überein. "Ich glaube wirklich, dass diese Einheitlichkeit ein Hinweis darauf ist, dass die Impfstoffe sehr gut sind", so Verani.

Bisher kann man allerdings nicht beurteilen, wie lange der beobachtete "sehr gut" Schutz vor Corona anhält. "Ich glaube nicht, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt spekulieren können, was die Empfehlungen in Bezug auf einen Booster sein werden", sagte sie.

„Ein paar Jahre“ Schutz – oder vielleicht mehr

Paul Offit ist Impfstoff-Forscher an der University of Pennsylvania und sitzt im Komitee der US-Arzneimittelbehörde, die neue Impfstoffe prüft. Er sagt, dass die Daten aus der Praxis zeigen werden, dass die Gesamtwirksamkeit der Impfstoffe im Laufe der Zeit von etwa 90 Prozent über 80 Prozent auf 70 bis 60 Prozent abnimmt.

Aber er vermutet, dass der Schutz gegen schwere bis kritische Erkrankungen höher bleiben wird – näher an 90 Prozent – selbst, wenn die Geimpften immer anfälliger dafür werden, sich einen leichten Fall von Covid-19 einzufangen.

Offit geht davon aus, dass die meisten Geimpften in den nächsten drei bis fünf Jahren keine Auffrischungsimpfungen benötigen werden, solange keine neuen Varianten auftauchen, die sich den aktuellen Impfstoffen entziehen können. Moderna und Biontech/Pfizer hingegen hatten vorgeschlagen, die Impfung einmal pro Jahr zu erneuern.

"Die CEOs der Unternehmen haben über Auffrischungsimpfungen gesprochen", sagte John Moore, ein Professor für Immunologie und Mikrobiologie am Weill Cornell Medical College. "Nun, wissen Sie, Firmen-CEOs haben eine Agenda, die darin besteht, mehr von ihren Impfstoffen in die Arme zu bekommen. Deshalb blende ich aus, was CEOs sagen."

Da die menschliche Immunreaktion sehr vielschichtig ist, kann man nicht genau berechnen, wenn der Schutz zu sehr nachlässt. Außerdem kann die Abwehrkraft bei jedem Menschen unterschiedlich sein. So werden Menschen mit einem geschwächten Immunsystem möglicherweise nie vollständig geschützt sein. Geimpfte, die bereits eine Corona-Erkrankung überstanden haben, sind hingegen wahrscheinlich am meisten geschützt.

Die Virus-bekämpfenden Antikörper wurden lange Zeit als Schlüsselelement für die Messung einer erfolgreichen Impfreaktion angesehen. Aber die menschliche Immunantwort ist weitaus komplexer.

Bei der Bestimmung, wie lange wir geschützt sind, spielen auch Gedächtnis-B-Zellen und T-Zellen eine Rolle. Diese Zellen schwinden nicht annähernd so schnell wie Antikörper, und sie behalten eine Erinnerung an das Virus für den Körper.

Catarina Hioe, Forscherin für Infektionskrankheiten an der Mount Sinai School of Medicine, sagt, dass weiter untersucht werden muss, wie wichtig jede dieser Komponenten ist und welche Werte zu einem unzureichenden Virenschutz führen. Nur so könne man herausfinden, wann eine Auffrischungsimpfung notwendig ist.

Varianten verkomplizieren die Gleichung

Es ist nun mehr als ein Jahr her, dass Forschende das Virus SARS-CoV-2 sequenziert und damit begonnen haben, Impfstoffe zu entwickeln. In der Zwischenzeit ist das Virus stetig um die Welt gereist und hat sich in einige etwas zähere Varianten verwandelt.

Viele Länder haben immer noch wenig bis gar keinen Zugang zu Impfstoffen. Dadurch kann kein weitreichender Schutz und keine Herdenimmunität erreicht werden. Das bedeutet, dass neue Coronavirus-Varianten weiterhin eine Bedrohung darstellen werden.

Die Varianten können die Wirksamkeit des Impfstoffs etwas verringern. Bisher hat sich allerdings keine Variante so stark verändert, dass die Impfung unwirksam geworden wäre. Dennoch besteht die Sorge, dass einige aktuelle Varianten die Lebensdauer des Impfschutzes verkürzen könnten.

Moderna hat kürzlich Daten von Teilnehmenden einer klinischen Studie veröffentlicht, die den Impfstoff vor etwa sechs Monaten erhalten haben. Etwa die Hälfte der Blutproben zeigten keine nachweisbaren Antikörper mehr, wenn sie der zuerst in Südafrika gefundenen Variante B.1.351 ausgesetzt waren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass mit Moderna geimpfte Menschen nicht gegen B.1.351 geschützt sind. Andere Komponenten des Immunsystems – wie die T-Zellen und B-Zellen – könnten aktiv werden. Neue Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs zeigen, dass die Impfung immer noch einen sehr guten Schutz gegen die verschiedenen Varianten des Coronavirus bietet. Außerdem arbeiten Moderna und andere Impfstoffentwickler an einem spezifischen B.1.351-Impfstoff, der als Booster verimpft werden soll, um vor gefährlichen Veränderungen des Coronavirus zu schützen.

Können wir bessere Impfstoffe entwickeln?

Neue Impfstoffe sind auf dem Weg. Im Laufe des Jahres erwarten mindestens vier große Impfstoffprogramme die Ergebnisse ihrer letzten Studien.

Langfristig wollen Impfstoffhersteller Vakzine entwickeln, die auch zukünftige Virusvarianten angreifen. Auch an der Art und Weise des Schutzes soll gearbeitet werden. Vielleicht gibt es bald einen Corona-Schutz als Pflaster, Creme, Nasenspray oder Tablette.

Poland und sein Team an der Mayo Clinic arbeiten an einer dieser Impfungen der nächsten Generation. Sie wollen innerhalb eines Jahres mit ersten Studien am Menschen beginnen. Ziel ist es, einen Impfstoff zu entwickeln, der nicht nur gegen SARS-CoV-2 schützt, sondern auch gegen ähnliche Viren, die in Zukunft auftauchen könnten.

Selbst für die bereits eingeführten Impfstoffe ist die Forschung noch lange nicht abgeschlossen. Einige Gruppen führen Studien durch, um herauszufinden, ob verschiedene Kombinationen der Impfungen besser zusammen funktionieren. Andere Forschende befassen sich mit seltenen Nebenwirkungen wie ungewöhnlichen Blutgerinnseln und suchen nach einer definitiven Ursache, die bei der Entwicklung besserer Impfungen helfen kann.

Wann wird es Impfungen für alle geben?

Solange sich das Virus weiter ausbreitet und Menschen weltweit unterwegs sind, wird die Pandemie nicht enden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostizierte im April, dass in diesem Jahr bestenfalls 26 Prozent der Menschen in den ärmsten Ländern der Welt durch ihre Initiative COVAX Zugang zu Impfstoffen erhalten könnten. Kurz darauf war es jedoch zu einer Welle von neuen Corona-Infektionen und Todesfällen in Indien gekommen – dem Land, das am meisten Impfstoffe herstellt.

Der Anstieg der Fälle in Indien hat die Lieferziele von COVAX für die erste Hälfte des Jahres 2021 erheblich beeinträchtigt. "Bis Ende Juni werden wir mit einem Defizit von 190 Millionen Dosen konfrontiert sein", hieß es kürzlich in einer Erklärung der Initiative.

COVAX wird nur die Hälfte der 380 Millionen Dosen ausliefern können, die ursprünglich für Entwicklungsländer in der ersten Hälfte dieses Jahres geplant waren. Das bedeutet: Die Mehrheit der Weltbevölkerung wird bis 2022 und darüber hinaus für Covid-19 und alle neuen Varianten anfällig sein.

Das Problem hat gleich zwei Facetten: Einerseits ist ein Großteil der Geimpften gegen eine mildere Variante des Virus geschützt. Gleichzeitig können sich in den Entwicklungsländern neue Mutationen entwickeln, die den Impfschutz umgehen könnten. "Es gibt immer noch einen Haufen Infektionen, die weitergehen. Das ist beängstigend", sagte Hioe vom Mount Sinai. "Diese Mischung ist ein perfekter Weg, um eine Escape-Mutation zu verursachen."

Zwar sind viele optimistisch für den Sommer, allerdings könnte sich die Situation später noch deutlich für uns ändern, glaubt Jane Heffernan, Epidemiologin an der York University in Toronto. "Wonach wir im Herbst Ausschau halten werden, ist ein exponentieller Anstieg des R-Wertes", sagt sie. Der R-Wert beschreibt, wie viele Menschen von einer infizierten Person durchschnittlich angesteckt werden.

Heffernan beobachtet auch genau, wann die Immunität – entweder durch Impfstoffe oder durch natürliche Infektionen – nachlässt. "Wir sind noch eine Weile dabei", fügte sie hinzu.

Dieser Text wurde von Hendrikje Rudnick aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original findet ihr hier.

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