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Diese Aufräumer spannen den Schutzschirm über Galeria Karstadt Kaufhof

Die Sanierungsexperten müssen mit dem Insolvenzplan für Galeria Karstadt Kaufhof retten, was noch zu retten ist. Beide haben schon große Insolvenzen begleitet.

Vom Gericht als Sachwalter in dem Schutzschirmverfahren bestellt. Foto: dpa

Für Arndt Geiwitz ist Krise nichts Neues. Seine wohl größte Herausforderung war vor acht Jahren der Versuch, das Drogerieimperium von Anton Schlecker zu retten. Sie endete mit einer Niederlage: In zwei Wellen musste er Tausende von Geschäften schließen, die Insolvenz war schließlich unvermeidlich, mehr als 20.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Bis heute noch kämpft er um Zahlungen für die Schlecker-Frauen.

An diese Dimensionen reicht die Krise bei Galeria Karstadt Kaufhof zwar nicht heran. Doch es ist alles andere als Routine, als der Sanierungsexperte an diesem Montag dem Gläubigerausschuss den vorläufigen Rettungsplan für die Warenhausgruppe vorlegt, den er zusammen mit dem Sachwalter Frank Kebekus ausgearbeitet hat.

Etwas ist in diesem Fall anders als bei den meisten anderen Feuerwehreinsätzen des 50-jährigen Diplomkaufmanns, Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters: Er ist diesmal nicht als Insolvenzverwalter vom Gericht eingesetzt worden wie in früheren Fällen, etwa bei Weltbild.

Denn noch handelt es sich bei Galeria nur um ein Schutzschirmverfahren. Vom Gericht bestellt wurde Kebekus als Begleiter des Verfahrens. Geiwitz, der eine Kanzlei in Neu-Ulm hat mit 320 Mitarbeitern und 22 Standorten, wurde vom Eigentümer René Benko engagiert und als Generalbevollmächtigter installiert. Dies gibt ihm Autorität und zugleich mehr Gestaltungsspielraum. Doch das macht seine Aufgabe nicht weniger unangenehm.

Denn er ist dafür engagiert worden, all die Grausamkeiten durchzuziehen, die der Eigentümer eigentlich längst hätte angehen müssen. Er muss die Träumereien beenden und mit der Realität abgleichen. Wo Benko bei der Übernahme von Kaufhof vor zwei Jahren noch vollmundig sagte: „Wir kämpfen um jede Filiale“, stellt Geiwitz nüchtern fest: „Letztlich geht es darum, das Unternehmen und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern.“

Geiwitz und Kebekus bilden ein abgestimmtes Gespann bei Galeria Karstadt Kaufhof. Der 56-jährige Jurist Kebekus ist der unbequeme Sanierer, der unbeirrbar alle Fakten prüft und sein Urteil fällt. Geiwitz mit seinem freundlichen und zugewandten Auftreten bildet nach dem Abgang des Vorstandschefs Stephan Fanderl das Gesicht des Unternehmens und setzt seinen direkten Draht zum Eigentümer ein, um Ziele zu erreichen.

Er ist bekannt für seine guten Kontakte, ist Treuhänder bei Unternehmern wie Willy Bogner oder Erwin Müller. Doch letztlich sind sie auch diesmal beide die Beauftragten fürs Grobe, die Aufräumer. Gemeinsam haben sie es geschafft, der Gewerkschaft Verdi und dem Gesamtbetriebsrat eine Einigung abzuringen.

Kebekus' Meisterstück: Suhrkamp-Verlag

Sie haben erreicht, dass die Arbeitnehmervertreter die Schließung von 62 Häusern und die Entlassung von mehr als 5000 Mitarbeitern zähneknirschend noch als gewissen Verhandlungserfolg verkaufen konnten. Denn die beiden Sanierer hatten geschickt vorher lanciert, dass bis zu 80 Häuser auf der Kippe gestanden haben sollten.

Beide haben große Routine in solch schwierigen Situationen. Denn auch Kebekus hat langjährige Erfahrung in spektakulären Insolvenzfällen. Sein Meisterstück war sicherlich die Rettung des Suhrkamp-Verlags in der Insolvenz. Mit der Umwandlung in eine AG schaffte er es damals, den sperrigen Minderheitseigentümer Hans Barlach in die Schranken zu weisen.

Auch den Warenhauskonzern kennt er aus einem früheren Fall genau: Bei der ersten Insolvenz von Karstadt im Jahr 2009 vertrat er das Immobilienkonsortium Highstreet – und saß damals bei den Verhandlungen über Mietenreduzierung auf der anderen Seite des Verhandlungstischs.

Mit der Einigung auf einen Sozialplan mit den Arbeitnehmern haben die Sanierer einen wichtigen Schritt getan. Doch bis sie Anfang Juli dem Gericht den endgültigen Insolvenzplan vorlegen können, liegt noch einiges an Arbeit – und nicht zuletzt auch an Überzeugungsarbeit – vor ihnen.

Letztlich wird aber auch dem Gläubigeraussschuss wohl nichts anderes übrig bleiben, als dem Sanierungskonzept zuzustimmen – um Schlimmeres zu verhüten. Und Geiwitz und Kebekus hätten dann ihren Ruf als zwei der versiertesten Sanierungsexperten Deutschlands weiter gefestigt.