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Deutsche Erdgasspeicher leeren sich – SPD plädiert für nationale Reserve

Stratmann, Klaus
·Lesedauer: 3 Min.

Die Speicher dürfen nach Überzeugung der Sozialdemokraten nicht allein marktgetrieben bewirtschaftet werden. Das Bundeswirtschaftsministerium winkt ab.

Die Erdgasspeicher in Deutschland leeren sich zusehends, sie sind inzwischen nur noch zu 31 Prozent gefüllt. Zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres waren es noch 80 Prozent. Die Daten stellen die Betreiber der europäischen Speicher auf der Plattform Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI+) zur Verfügung.

In der Politik sieht man Handlungsbedarf. Die Speicherfüllstände seien zwar „noch nicht besorgniserregend, eine nationale Gasreserve könnte Deutschland aber insgesamt unabhängiger machen“, sagte Johann Saathoff, energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt.

Außerdem ließen sich mit einer nationalen Gasreserve amerikanische Bedenken wegen einer „angeblichen Abhängigkeit von russischem Erdgas zerstreuen“, sagte Saathoff. Das Argument wird von den USA im Zusammenhang mit der Debatte über den Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 ins Feld geführt.

Das Bundeswirtschaftsministerium folgt der Forderung des SPD-Politikers nach staatlicher Bevorratung nicht. „Die Befüllung der Gasspeicher erfolgt zu Recht nach Marktpreissignalen“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei weiterhin hoch.

„Die Regulierung des Marktes ist ausreichend und gewährleistet eine hohe Versorgungssicherheit“, sagte sie. Der Markt sei hoch liquide und belastbar. Zusätzlich hätten die jeweiligen Marktgebietsverantwortlichen seit 2016 die Möglichkeit, kurz- und langfristige Vorsorgeprodukte in den Regelenergiemarkt einzubringen.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht keinen Handlungsbedarf: „Zurückgehende Speicherfüllstände am Ende der Wintersaison sind nichts Ungewöhnliches. Der BDEW sieht keine Notwendigkeit für eine zusätzliche Regulierung“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. „Es gibt aktuell keinerlei Anzeichen, dass es in diesem Winter zu Problemen in der Gasversorgung kommen könnte. Daher gilt auch in diesem Winter, wer mit Gas heizt, hat eine warme Wohnung“, ergänzte sie.

Restrisiken bleiben

Außerdem stünden auch im Winter neben Gasspeichern weitere leistungsfähige Instrumente der Gasversorgung zur Verfügung. „Deutschland bezieht Gas auch während der Wintermonate kontinuierlich aus zahlreichen unterschiedlichen Lieferländern, aus eigener deutscher Förderung sowie aus der Produktion regenerativer Gase in Deutschland. Zudem ist Deutschland in den europäischen Gasbinnenmarkt eingebunden. Auch dies trägt zur hohen Versorgungssicherheit bei“, sagte Andreae.

Gleichwohl bleiben Restrisiken. Engpass-Situationen können theoretisch auftreten, wenn über das Jahr gesehen zu wenig Vorrat aufgebaut wird, zugleich im Zuge einer Kältewelle viel Gas ausgespeist wird und sich kurzfristig nicht ausreichend Gas beschaffen lässt. Das wird auch in der Branche nicht grundsätzlich ausgeschlossen, wenngleich es für unwahrscheinlich gehalten wird.

Die Speicher werden im Sommer mit Erdgas aus Russland, Norwegen oder den Niederlanden befüllt. An vielen Wintertagen stammt das verbrauchte Gas mehrheitlich aus den 48 unterirdischen Reservoirs in Deutschland, die ein Viertel des Jahresbedarfs speichern können.

„Sollte die Politik mit Blick auf die Speicherfüllstände weitere regulatorische Eingriffe erwägen, empfehlen wir, die europäischen Vorgaben zur Gasversorgungssicherheit mit Gasspeichern umzusetzen“, sagte Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Erdgasspeicher (INES), dem Handelsblatt.

Der Initiative gehören Betreiber deutscher Gasspeicher an, darunter Uniper, EWE, VNG, RWE und Trianel. Die Unternehmen stehen für mehr als 90 Prozent der Erdgasspeicherkapazität in Deutschland und knapp 25 Prozent der Kapazität in der EU. „Über die Marktgebietsverantwortlichen können Füllstände in Gasspeichern sichergestellt werden“, sagte Bleschke. Dadurch würde insbesondere die Versorgung der geschützten Kunden, das heißt vor allem der Haushaltskunden, in den vorgegebenen Winterszenarien gewährleistet.

Während die Vorratshaltung beim Erdgas den Regeln des Marktes folgt, gibt es beim Erdöl seit Jahrzehnten eine staatlich geregelte Bevorratung. Die Ölreserve wird vom Erdölbevorratungsverband (EBV) organisiert und überwacht. Im EBV sind alle deutschen Unternehmen Pflichtmitglieder, die Öl einführen oder verarbeiten, insbesondere die großen Mineralölkonzerne. Mit dem Vorrat soll der deutsche Erdölbedarf im Notfall für mindestens 90 Tage gedeckt werden.