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Deutsche-Börse-Chef Weimer prüft den nächsten Milliarden-Deal

·Lesedauer: 3 Min.

Die Frankfurter schauen sich die zum Verkauf stehende Fondsplattform Allfunds an. Ob sie am Ende zuschlagen, ist allerdings höchst ungewiss.

Vorstandschef Theodor Weimer will, dass Zukäufe in den kommenden Jahren eine noch wichtigere Rolle spielen. Foto: dpa
Vorstandschef Theodor Weimer will, dass Zukäufe in den kommenden Jahren eine noch wichtigere Rolle spielen. Foto: dpa

Theodor Weimer hat noch lange nicht genug. Erst vor einem Monat verkündete der Vorstandschefchef der Deutschen Börse die 1,5 Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Stimmrechtsberaters ISS. Nun erwägt der langjährige Investmentbanker einen milliardenschweren Zukauf im Fondsgeschäft.

Deutschlands größter Börsenbetreiber nehme die zum Verkauf stehenden Fondsverwaltungsplattform Allfunds unter die Lupe, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Ob der Dax-Konzern am Ende tatsächlich zuschlage, sei jedoch höchst ungewiss.

Allfunds gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Hellman & Friedman, der aktuell einen Börsengang und alternativ einen Verkauf des in Madrid ansässigen Unternehmens prüft. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, die zuerst über das Thema berichtete, strebt Hellman & Friedman dabei eine Bewertung von Allfunds von sieben bis zehn Milliarden Euro an.

Eine Sprecherin der Deutschen Börse wollte sich zu Allfunds nicht äußern. Sie betonte jedoch: „Wir schauen uns grundsätzlich jedes interessante Akquisitionsobjekt an.“

Einige mit dem Prozess vertraute Personen halten eine Bewertung von zehn Milliarden Euro für Allfunds allerdings für deutlich zu hochgegriffen, zumal das Unternehmen aus eigener Kraft kaum noch wachse. Nichtsdestotrotz würde die Plattform strategisch gut zum Frankfurter Konzern passen, betont ein Beteiligter. „Wenn ein solches Asset auf den Markt kommt, wäre es fahrlässig, wenn die Deutsche Börse es sich nicht anschauen würde.“

Börsengänge übertreffen alle Erwartungen

Weimer hat im Fondsservicegeschäft bereits zwei größere Zukäufe gestemmt. 2018 übernahm er von der Zürcher Kantonalbank die Fondsplattform Swisscanto. Anfang 2020 kaufte er dann 51 Prozent der Fondsvertriebsplattform der Schweizer Großbank UBS – mit der Option, sich die verbliebenen 49 Prozent in zwei Jahren auch noch einzuverleiben.

Zudem hat der Vorstandschef betont, sich in diesem Segment nach weiteren Zukäufen umzusehen. Die Analysten von Berenberg hatten bereits im September eine Übernahme von Allfunds empfohlen. Damals beschäftigte sich die Börse damit jedoch nicht, weil es noch keinen Verkaufsprozess gab.

Die Berenberg-Analysten hatten für Allfunds vor drei Monaten einen Kaufpreise von 3,5 Milliarden Euro veranschlagt – eine Bewertung, mit der sich Hellman & Friedman vermutlich nicht zufrieden geben dürfte. Einige Beteiligte halten daher derzeit einen Börsengang für das wahrscheinlichste Szenario, zumal das Klima an den Märkten so gut wie lange nicht ist. Die Börsengänge des Online-Zimmervermittlers Airbnb und des Lieferdienstes Doordash übertrafen zuletzt alle Erwartungen.

Börsenchef Weimer sagte kürzlich bei der Vorstellung der neuen Strategie, dass Akquisitionen für den Konzern in den kommenden Jahren eine noch wichtigere Rolle spielen sollen. Das Unternehmen peile Zukäufe mit einem Volumen von einer bis fünf Milliarden Euro an, sehe sich grundsätzlich aber auch größere Übernahmeziele an.

„Aber solch große Deals sind für uns kein Muss“, betonte Weimer. Die Börse werde nur bei finanziell und strategisch attraktiven Übernahmezielen zuschlagen. Grundsätzlich habe das Unternehmen genügend finanzielle Ressourcen und könne bei Bedarf auch eine Kapitalerhöhung stemmen.