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Deutsche Anleihen unter Druck - Südeuropa legt zu

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Bundesanleihen sind am Donnerstag im Kurs spürbar gesunken. Dagegen legten Anleihen südeuropäischer Staaten wie Italien und Spanien kräftig zu. Sie profitierten von der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), das Corona-Notprogramm PEPP deutlich aufzustocken.

Der für den deutschen Anleihemarkt richtungweisende Euro-Bund-Future <DE0009652644> sank bis zum Abend um 0,25 Prozent auf 170,58 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Gegenzug auf minus 0,32 Prozent.

Die EZB gab nach ihrer regulären Zinssitzung bekannt, ihr Wertpapierkaufprogramm PEPP um 600 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro aufzustocken. Zudem wurde die Laufzeit des Programms bis mindestens Mitte 2021 verlängert. Die Ausweitung lag insgesamt etwas über den Markterwartungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt mit dem beispiellosen Konjunktureinbruch. Die EZB geht in ihrem Basisszenario von einer wirtschaftlichen Schrumpfung in diesem Jahr von 8,7 Prozent aus. Schlimmstenfalls wird ein Minus von 12,6 Prozent befürchtet.

Die Einigung der Bundesregierung auf ein Konjunkturpaket bewegte die Anleihen kaum. Das Paket soll für die Jahre 2020 und 2021 einen Umfang von 130 Milliarden Euro haben. Ökonomen bewerten das Paket überwiegend positiv. "Die Voraussetzungen sind geschaffen, dass sich die deutsche Wirtschaft vom schwersten Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs erholt", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Allerdings sei nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen.