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Demonstranten fordern Rückzug der Banken aus Rüstung und Kohle

·Lesedauer: 3 Min.

In 30 deutschen Städten protestieren Demonstranten vor Bankfilialen. Sie kritisieren, dass viele deutsche Banken Branchen wie Rüstung und Kohle unterstützen.

Grüne Jacke, grüner Mundschutz, so steht Edwin Sauer vor dem Hauptsitz der Bank in der Frankfurter Innenstadt. Foto: dpa
Grüne Jacke, grüner Mundschutz, so steht Edwin Sauer vor dem Hauptsitz der Bank in der Frankfurter Innenstadt. Foto: dpa

Wer heute zur Commerzbank will, kommt an ihm nicht vorbei: Grüne Jacke, grüner Mundschutz, so steht Edwin Sauer vor dem Hauptsitz der Bank in der Frankfurter Innenstadt.

Sauer spricht Passanten an, verteilt gemeinsam mit seinen Mitstreitern Flyer – auch an die Bankangestellten, die hier gerade Mittagspause machen. Über der Gruppe ragt ein Banner in den grauen Himmel, so gelb wie das Logo der Bank selbst: „Deutsche Banken, raus aus Rüstung und fossilen Energien!“, steht darauf.

Anlass für den Protest ist der heutige Weltspartag: Neben der Greenpeace-Gruppe in Frankfurt, der Sauer angehört, demonstrieren deutschlandweit Vertreter verschiedener Gruppen vor den Filialen der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Sparkassen. Rund 35 Aktionen meldet die Umwelt-NGO Urgewald, die die Protestaktionen unter dem Titel „Banks against Future“ koordiniert, in 30 Städten.

Beteiligt sind unter anderem Fridays for Future, die Kampagne für ein Atomwaffenverbot ICAN, die Bewegung Seebrücke, aber auch der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, die mit Menschenketten, Mahnwachen oder Infoständen – wie in Frankfurt – am Weltspartag auf die Finanzierung von Kohle und Rüstung durch deutsche Banken aufmerksam machen wollen.

„Für uns ist das Greenwashing“

Edwin Sauer setzt sich bei Greenpeace schon seit Mitte der 80er-Jahre für den Umweltschutz ein. Er hofft, dass die Protestaktion Wirkung zeigt: „Was wir machen, ist ein erster Schritt, damit die Banken direkte Investitionen in Kohle und Rüstung reduzieren.“

Zwar haben Commerzbank, die Deutsche Bank und die Sparkassen-Finanzgruppe jeweils eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie. Sauer ist das aber zu wenig: „Die Banken haben seit Jahren butterweiche Richtlinien. Für uns ist das Greenwashing.“

So habe die Commerzbank zwar als einzige deutsche Bank eine Richtlinie, die Energieunternehmen ausschließt, wenn sie in ihren Energie-Investments mehr als 30 Prozent Kohle verzeichnen. Doch Sauer kritisiert, dass diese Richtlinie nur Neukunden betreffe, flächendeckend soll sie erst ab Ende 2021 für alle deutschen Kunden gelten. Bei Kunden aus dem Ausland liegt der Schwellenwert sogar bei 50 Prozent.

Auch von den Sparkassen ist Sauer enttäuscht: „Laut Satzung ist der Sparkassenverband dem Gemeinwohl verpflichtet.“ Gleichzeitig böten die Sparkassen ihren Kunden Fonds an, „in denen sehr dreckige Industrien vertreten sind“.

Damit sich das ändert, macht das Team von Urgewald konkrete Vorschläge. Deutsche Banken sollten sich an anderen europäischen Finanzakteuren orientieren: „Im Kohlebereich sehen wir positive Schritte bei der Unicredit, zu der die Hypo-Vereinsbank gehört.“

Dort müssen die Kunden der Bank im nächsten Jahr einen Plan für einen Kohleausstieg bis 2028 vorlegen – ansonsten bekommen sie keine Kredite mehr. Auch die französische Bank Crédit Agricole gehe das Thema besser an, da sie „Firmen ausschließt, deren Kohleanteil am Umsatz bei über 25 Prozent liegt“.

Weniger optimistisch sind die Veranstalter beim Thema Rüstung: „Im Rüstungsbereich gibt es keine Vorbilder“ – mit Ausnahme des Fondsanbieters Union Investment. Der verbannte 2019 Atomwaffenhersteller aus seinem Publikumsfonds.

Gezieltes Nachfragen bei der Bank

Mats Stadtmann, der die Aktion bei Urgewald koordiniert, erklärt, warum der Protest auf den Weltspartag fällt: „Am Weltspartag, den Banken üblicherweise nutzen, um junge Kundinnen und Kunden an sich zu binden, drängen wir sie bundesweit dazu, auch Verantwortung für deren Zukunft zu übernehmen.“

Das Problem dabei, so Stadtmann: Die Kunden wüssten oft nicht, „dass ihr Erspartes auch bei solch kontroversen Firmen landen kann.“ Das Geschäftsmodell der Banken ginge „auf Kosten von Mensch und Umwelt“.

Deshalb empfiehlt seine Mitstreiterin Kathrin Petz, Kohle- und Rüstungsaktivistin bei Urgewald, den Privatkunden, sich gezielt bei der eigenen Bank zu informieren: In einem ersten Schritt könnten Kunden beispielsweise nach Richtlinien fragen, die die Finanzierung von Kohle und Rüstung ausschließen und die Bank auffordern, auszusteigen oder Ausschlüsse zu formulieren.

Falls sich die Bank gar nicht bewege, sollte über einen Bankwechsel nachgedacht werden. „Uns ist wichtig, dass sich auch die großen Banken bewegen und deren Kunden ihre Möglichkeiten, Veränderung zu bewirken, wahrnehmen“, betont Petz.