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Delphai-Exit: Deshalb hat sich das KI-Startup für einen Verkauf in die USA entschieden

Das Führungsteam von Delphai: Nikolaus Grefe, Konstanze Neumann und Robin Tech. - Copyright: Delphai
Das Führungsteam von Delphai: Nikolaus Grefe, Konstanze Neumann und Robin Tech. - Copyright: Delphai

Robin Tech (CEO) sieht den Exit seines Startups Delphai als Erfolgsgeschichte. Gegründet hat er es gemeinsam mit Konstanze Neumann (COO) vor fünf Jahren in Berlin. „Wir waren früh im Bereich Natural Lanuguage Processing tätig und besitzen Patente für einzelne KI-Bausteine.” Genau an denen war das börsennotierte KI-Unternehmen Intapp mit Sitz in Palo Alto auch interessiert.

Die Software von Delphai durchforstet das Internet nach sämtlichen Daten von Firmen und Unternehmen. Die Daten werden von einer künstlichen Intelligenz ausgelesen und nach Firmen und Themen geclustert. So entstehen riesige Datensätze. Kunden von Delphai sind zum Beispiel McKinsey, KPMG, JP Morgan oder Siemens. Intapp hingegen bedient große Fonds, Private Equity Firmen, Wirtschaftsprüfer sowie Investmentbanker und bietet ihnen unter anderem die Dokumentensicherung und Verwaltung von Benutzerkonten an.

Lieber Exit als weitere Investoren

Erst im Juni 2023 hat das Startup eine Finanzierungsrunde über fünf Millionen US-Dollar abgeschlossen. Im Jahr zuvor wurde Delphai Teil des KI-Forschungsprojekts "news-polygraph", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Das Projekt dient zur Erkennung von Fake News. Wieso also haben sich Tech und Neumann für einen Verkauf ins Silicon Valley entschieden?

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Tech nennt dafür vier Gründe: Knapp 50 Prozent des Umsatzes machten sie ohnehin in den USA. Hinzu komme die Skalierbarkeit und das schnellere Wachstum in den USA. Als dritten Punkt nennt Tech die Integration von Delphai in Intapp und die typische Trial-and-Error-Mentalität im Silicon Valley. Delphai könne weiterhin KI-Technologien entwickeln und Datensätze erstellen, aber eben für tausende Kunden statt 100. Und ja, es ist auch eine finanziell strategische Entscheidung: „Sobald du als Gründer das erste Mal VC-Investoren reinholst, weißt du, irgendwann muss eine Art Exit kommen”, sagt Tech. „Entweder du machst einen Exit oder du gehst pleite. Eins von beidem.“

Schätzungen zufolge soll Delphai für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft worden sein. Tech kommentiert die Frage nach der Verkaufssumme so: „Die Investoren, die letztes Jahr bei Delphai eingestiegen sind, haben meiner Meinung nach für den Zeitraum von sechs Monaten den besten Return of Investment ever bekommen.” Für die oben genannte Förderung müssen die Gründer nichts zurückzahlen.

Das Team geht mit

Während sich viele Gründerinnen und Gründer nach einem Verkauf aus dem Startup zurückziehen, werden Tech, Neumann und ihr Team weiterhin bei Intapp arbeiten. Intern werde eine neue AI-Unit geschaffen, die Tech als Vice President of Artifical Intelligence leiten wird. „Wir werden Kern des Teams und bleiben als Team bestehen”, sagt er. „So habe ich ein sehr gutes Gefühl bei der Sache, weil unser Team intakt bleibt und massiv vergrößert wird.”  Auch der Standort Berlin bleibt erhalten. Wer möchte, könne jedoch auch nach Palo Alto ziehen.

Das Team von Delphai wird sich weiterhin mit der Produkt- und Technologieentwicklung beschäftigen, sagt Tech. Für ihn wird aber ein Teil seiner bisherigen Aufgaben wegfallen: „Ich werde mich auf jeden Fall wesentlich weniger mit Investoren und Fundraising herumschlagen müssen, als es in den letzten Jahren der Fall war.“ Delphai kam laut Tech zwar gut bei Investoren an, dennoch habe das Startup viel Zurückhaltung erfahren.

Immer öfter ist die Rede davon, dass Startups in die USA abwandern, denn dort wird viel mehr Geld in KI-Startups investiert als in Europa. Hier sind die Summen deutlich niedriger. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2023 wurde 30,8 Milliarden US-Dollar in KI-Startups investiert. In Europa waren es 3,7 Milliarden Dollar. Das geht aus einer Analyse von Pitchbook aus 2023 im Auftrag vom Handelsblatt hervor.

Jetzt kommt noch der AI-Act hinzu und mit ihm die Frage: Wie schafft man Regulierung, ohne Innovation zu hemmen? Denn die Entwicklung und Nutzung der KI wird nach Risikograd eingestuft. Je mehr Risiko, desto höher die Regulierung. Für Startups sollen jedoch besondere Bedingungen gelten, die ihnen die Einhaltung der Regularien leichter machen.

Tech sieht das Thema Regulierung auch überhaupt nicht negativ. „Gerade im KI-Bereich hat uns Regulierung immer geholfen”, sagt er. „Die Daten, die wir generieren, sind copyright compliant. Da denkt in den USA keiner drüber nach, ist aber in unserem Fall wichtig. Die europäische Regulierung hat uns einen Wettbewerbsvorteil gebracht.”