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Deal pünktlich besiegelt: Tengelmann übernimmt Textildiscounter Kik komplett

Kolf, Florian
·Lesedauer: 3 Min.

Nach monatelangen Verhandlungen einigt sich der Familienkonzern auf einen Anteilstausch mit Tedi-Eigentümer Stefan Heinig. Der wird Alleineigentümer der Kette.

Bislang gehörte das Unternehmen zu knapp 85 Prozent zu Tengelmann. Künftig werden es 100 Prozent sein. Foto: dpa
Bislang gehörte das Unternehmen zu knapp 85 Prozent zu Tengelmann. Künftig werden es 100 Prozent sein. Foto: dpa

Mitten im Familienstreit gelingt Tengelmann-Chef Christian Haub offenbar ein klarer Schnitt bei zwei Beteiligungen: Durch einen Tausch der jeweiligen Anteile mit dem Miteigentümer Stefan Heinig übernimmt Tengelmann den Textildiscounter Kik komplett – und der Unternehmer Heinig wird Alleineigentümer der Handelskette Tedi.

Tengelmann und Heinig hatten seit Monaten über den Deal verhandelt und einen Abschluss bis zum Jahresende in Aussicht gestellt. Tatsächlich wurde der Deal nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen pünktlich besiegelt. Auf Anfrage wollten sich die beteiligten Parteien aber nicht äußern.

Der Textildiscounter Kik setzte im vergangenen Jahr mit knapp 3900 Märkten rund 2,1 Milliarden Euro um. Tengelmann hält bislang etwas weniger als 85 Prozent. Heinig, der das Unternehmen 1994 gemeinsam mit Tengelmann gegründet hatte, etwas mehr als 15 Prozent. Der Umsatz von Tedi lag 2019 mit mehr als 2000 Märkten laut Statista bei knapp 1,6 Milliarden Euro. An dem Nonfood-Unternehmen halten Heinig bislang 70 Prozent und Tengelmann 30 Prozent.

Jetzt überschreiben die Minderheitsgesellschafter jeweils ihre Anteile. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen soll Heinig aber zudem einen finanziellen Ausgleich erhalten. Denn zum einen ist Tedi besser durch das Coronajahr gekommen als Kik. Zum anderen hatte Heinig sich als Gründer trotz seines Minderheitsanteils gewisse Sonderrechte einräumen lassen, die er bei der Bewertung mit in die Waagschale geworfen haben soll.

Neben den Beteiligungen an Kik und Tedi gehören zum Familienkonzern Tengelmann auch Anteile an Firmen wie Obi, Zalando und Delivery Hero sowie ein umfangreiches Immobiliengeschäft. 2019 lag der Umsatz der Gruppe, die mehr als 90.000 Mitarbeiter beschäftigt, bei mehr als acht Milliarden Euro.

Ende einer langjährigen Partnerschaft

Nach einer langen Zeit der sehr erfolgreichen Partnerschaft zwischen Heinig und Tengelmann war es Unternehmenskreisen zufolge in den vergangenen Jahren zunehmend zu Spannungen gekommen. Auch wenn Heinig kein operatives Amt mehr bei Kik innehat, war er beim Textildiscounter an wichtigen Entscheidungen beteiligt. Dabei sei er als Gründer Veränderungen gegenüber eher skeptisch gewesen, berichten Unternehmenskreise.

Hinzu kommt: Zu Heinigs Unternehmen zählt auch die deutsche Discountkette Woolworth, die mit ihrem Sortiment ein direkter Wettbewerber von Kik ist. Mit der Zeit habe dieser Umstand die Partnerschaft der beiden Anteilseigner belastet, heißt es in den Kreisen.

Einfluss auf die aktuelle Trennung hatte offenbar auch die Tragödie um den langjährigen Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Haub, der Heinig sehr verbunden war, kam im April 2018 von einer Skitour nicht mehr zurück und ist seither verschollen. Damit aber verlor Heinig seinen wichtigsten Fürsprecher.

Karl-Erivans Bruder, Christian Haub, der Tengelmann heute allein führt, habe die Situation den Kreisen zufolge nüchtern neu bewertet und entschieden, dass eine Trennung für alle Beteiligten die bessere Lösung sei. Im September hatte Tengelmann dem Handelsblatt bereits mitgeteilt, dass man mit Heinig regelmäßig darüber spreche, „was die beste strategische Ausrichtung für unsere gemeinsamen Beteiligungen ist“.

Christian Haub ist den Unternehmenskreisen zufolge nun froh, dass er den Deal noch wie geplant zum Jahresende abschließen konnte und es nun bei Kik klare Verhältnisse gibt.

Lösung im Familienstreit?

Möglicherweise helfen diese auch, den Familienstreit schneller zu lösen. Auch wenn der frühere Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub seit zweieinhalb Jahren verschollen ist, hat ihn seine Ehefrau, Katrin Haub, noch nicht für tot erklären lassen. Es käme eine Erbschaftsteuerzahlung von mehr als 450 Millionen Euro auf ihre Familie zu.

Christian Haub drängt dagegen auf klare Verhältnisse. Im Oktober hatte Tengelmann in seinem Auftrag beim Amtsgericht Köln das sogenannte Aufgebotsverfahren nach dem Verschollenheitsgesetz eingeleitet mit dem Ziel, den vermissten Karl-Erivan Haub, der damals gemeinsam mit seinem Bruder Christian das Unternehmen geführt hatte, offiziell für tot erklären zu lassen.

Ebenfalls im Oktober hatte Christian Haub angeboten, die Anteile der Familie seines vermissten Bruders für 1,1 Milliarden Euro zu übernehmen.