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Schwächste Börsenwoche seit Juni: Dax schließt unter 12.500 Punkten

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Zum Ende einer mauen Woche verliert der Leitindex noch einmal deutlich. Der Rüstungselektronikhersteller Hensoldt erlebt einen schwachen Börsenstart.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Der Dax notierte am letzten Tag der Handelswoche zeitweise erneut tief im Minus. Er schloss am Freitag 1,09 Prozent schwächer bei 12.469 Punkten.

Am Vortag hatte der deutsche Leitindex zwar zeitweise im Plus notiert, war aber schon am Mittag wieder abgerutscht und hatte 0,29 Prozent im Minus bei 12.606 Punkten geschlossen. Auf Wochensicht büßte der Dax schließlich 4,9 Prozent ein. So viel verlor das Börsenbarometer zuletzt Mitte Juni.

Dabei waren die Vorgaben aus Asien am Freitag positiv. In Tokio stieg der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 0,6 Prozent auf 23.225 Zähler. Auch der Shanghai Composite notierte leicht im Plus.

Börsianern zufolge setzen Investoren darauf, dass die Regierungen mit neuen Konjunkturpaketen auf den Wirtschaftseinbruch in Folge der Coronakrise reagieren werden.

Einem Abgeordneten zufolge arbeiten die Demokraten im US-Repräsentantenhaus an einem 2,2 Billionen Dollar schweren Paket, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. „Allerdings dürfte es so kurz vor der Wahl schwierig werden, eine große Einigung zwischen Republikanern und Demokraten zu erzielen“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners der Agentur. In New York machten die US-Börsen am Freitag Boden gut.

Erhöhte Corona-Fallzahlen können allerdings auch wieder schärfere Restriktionen auslösen. Hierzulande erreichen die Infektionszahlen immer neue Höchststände. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Freitagmorgen haben sich in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 2.321 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt – die höchste Zahl seit April.

Von den Werten zu Beginn der Pandemie ist Deutschland allerdings noch ein gutes Stück entfernt: Die bisherigen Höchstwerte bei den Neuinfektionen hatten Ende März an manchen Tagen bei knapp 7.000 gelegen.

Dennoch ist das Marktumfeld schwierig – besonders für Börsen-Neulinge. An diesem Freitag ist Hensoldt auf dem Parkett gestartet. Der bayerische Rüstungselektronikhersteller ist mit zwölf Euro exakt auf dem Ausgabepreis gestartet, dann ging es aber rasant abwärts auf 10,57 Euro abgebröckelt.

Die Emission bringt dem Unternehmen rund 460 Millionen Euro ein. Die Gesellschaft aus Taufkirchen bei München hatte zuvor 38,3 Millionen Aktien zu je zwölf Euro zugeteilt. Das war am unteren Ende der Preisspanne, die bis 16 Euro reichte. Der IPO ist nach dem Wohnmobil-Hersteller Knaus Tabbert das zweite Debüt am deutschen Aktienmarkt binnen weniger Tage.

Darüber hinaus blickten Anleger auf neue Geld- und Kreditdaten der EZB. Die teilte am Freitagvormittag mit, dass die starke Kreditaufnahme von Firmen im Euro-Raum auch nach vielen Monaten der Corona-Pandemie anhalte. Im August vergaben die Banken im Währungsgebiet laut der Notenbank 7,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen als ein Jahr zuvor. Damit fällt der Anstieg bereits den dritten Monat in Folge so stark aus wie seit elf Jahren nicht mehr.

Dennoch verkauften die Anleger am Freitag europäische Finanzwerte. Der europäische Banken-Index fiel zeitweise um 1,7 Prozent auf ein Rekordtief von 78,89 Punkten. Sein Pendant für die Euro-Zone rutschte um gut zwei Prozent auf 52,75 Zähler ab, notiert aber immer noch rund vier Punkte über seinem Tiefstwert vom Mai.

Für Optimismus sorgten die Exporterwartungen deutscher Unternehmen, die erneut gestiegen sind. Im September lagen sie mit 10,4 Punkten so hoch wie seit Oktober 2018 nicht mehr, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte.

Im Vergleich zum August verbesserte sich die Stimmung um 4,9 Punkte. Der „Aufschwung der Industrieproduktion in vielen wichtigen Abnehmerländern“ komme der deutschen Exportwirtschaft zu Gute, schreibt Ifo-Präsident Clemens Fuest.

In den USA stehen am Nachmittag deutscher Zeit Zahlen zum Auftragseingang langlebiger Güter an – einem wichtigen Indikator für die Industrieproduktion des Landes.

Einzelwerte im Fokus

Bayer: Bei den Unternehmen rückte Bayer ins Rampenlicht. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern kommt bei seinen Vergleichsverhandlungen im US-Streit wegen des mutmaßlich krebserregenden Unkraut-Vernichters Glyphosat voran. Damit dürften die Chancen steigen, dass der Rechtsstreit mit einem elf Milliarden Dollar schweren Vergleichspaket beendet wird. Bayer-Aktien beendeten den Handel dennoch 1,7 Prozent schwächer bei 53,47 Euro.

Hensoldt: Der bayerische Rüstungselektronikhersteller ist mit zwölf Euro exakt auf dem Ausgabepreis gestartet, dann aber auf 10,73 Euro abgebröckelt. Von den durch den Börsengang erzielten Einnahmen gehen 300 Millionen Euro an den Hersteller von Radarsystemen, Drohnen und Wärmebildsystemen selbst, der damit auch Schulden tilgen will. Der Rest geht an den Eigentümer, den US-Finanzinvestor KKR, der vor vier Jahren bei der damaligen Airbus-Tochter eingestiegen war.

KlöCo: Ein positiver Analystenkommentar hievt Klöckner & Co. (KlöCo) an die Spitze des SDax. Die Aktien des Stahlhändlers schlossen im Frankfurter Handel 7,8 Prozent höher bei 5,28 Euro.

Boohoo: Die Veröffentlichung eines unabhängigen Untersuchungsberichts zu den Arbeitsbedingungen bei einem Zulieferer beschert Boohoo den größten Kurssprung seit zweieinhalb Monaten. Die Aktien des Online-Modehändlers stiegen am Freitag in London um mehr als 21 Prozent und lagen mit 394 Pence wieder auf dem Niveau vor Bekanntwerden der Affäre. Dem Zalando-Rivalen zufolge zeige der Bericht, dass das Unternehmen die geringe Bezahlung bei dem Zulieferer weder gefördert noch bewusst davon profitiert habe. Das Geschäftsmodell basiere nicht auf der Ausbeutung von Mitarbeitern. Boohoo kündigte an, Zulieferer künftig genauer überprüfen zu wollen.

Lagardere: Der direkte Einstieg des Milliardärs Bernard Arnault beschert Lagardere den größten Kurssprung seit 24 Jahren. Die Aktien des angeschlagenen Herausgebers der Zeitschrift „Paris Match“ stiegen am Freitag in Paris zeitweise um fast 30 Prozent auf ein Neun-Monats-Hoch von 19,63 Euro.

Der reichste Mann Frankreichs, zu dessen Imperium der Luxusgüter-Hersteller LVMH gehört, hält den Angaben zufolge nun mehr als fünf Prozent direkt an Lagardere. Darüber hinaus sei er über ein Investment-Vehikel des Firmenchefs Arnaud Lagardere mit knapp 13 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

Mit Agenturmaterial.

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