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Dax hat 13.000er Marke im Visier – Continental-Aktie steigt trotz Abschreibung in Milliardenhöhe

Der deutsche Leitindex ist seit Anfang Oktober um mehr als 1000 Punkte gestiegen und konnte an diesem Handelstag die Gewinne zumindest verteidigen.

Wenig Bewegung zum Wochenauftakt. Foto: dpa

Der Dax behauptet seinen positiven Trend seit Anfang Oktober. Zum Handelsschluss liegt das deutsche Börsenbarometer 0,1 Prozent im Plus bei 12.754 Zählern. Das Tageshoch liegt bei 12.791 Punkten und damit nur knapp unter dem bisherigen Jahreshoch von 12.814 Zählern, das der Leitindex am vergangenen Donnerstag erreicht hatte.

Sollte der Dax ein neues Jahreshoch markieren, wäre laut Charttechnik der Weg zum Überwinden der 13.000er Marke frei. Seit dem 4. Oktober ist die Frankfurter Benchmark in der Spitze um mehr als 1000 Punkte gestiegen.

Nachholbedarf gegenüber den US-Märkten hat der Dax damit auf keinen Fall mehr: Seit Jahresanfang konnte der deutsche Auswahlindex um 20,7 Prozent zulegen, der amerikanische S & P 500 lediglich 19,9 Prozent. Das ist eher ungewöhnlich, denn in den vergangenen Jahren erzielten die US-Indizes stets eine höhere Performance als die deutschen Börsenbarometer.

Ein Grund für die heutigen Kursgewinne: „Positive Aussagen sowohl aus China als auch aus den USA haben die Sorgen um eine Behinderung des globalen Handels etwas gemildert“, schrieb Marktstratege Michael McCarthy vom Broker CMC. Allerdings sei den Investoren klar, dass es bis zu einem umfassenden Handelsabkommen zwischen beiden weltgrößten Volkswirtschaften monatelange Verhandlungen brauche.

Im Fokus steht natürlich das Brexit-Drama. (Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen im Newsblog.) Die britische Regierung will am Donnerstag abschließend über die notwendigen Gesetze für einen Austritt aus der EU abstimmen lassen.

Doch wie werden die Märkte reagieren, wenn es zu einer (vorläufigen oder endgültigen) Entscheidung im Brexit-Drama kommt? Stephan Heibel, Experte in Sachen Anlegerstimmung und deren Folgen für die Märkte, erwartet sowohl bei einem harten Brexit als auch bei einer Fristverlängerung kurzfristig fallende Kurse.

Denn aktuell gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen: Ausländische Anleger befeuern die Rally seit zwei Wochen, weil sie auf eine Entscheidung setzen, egal welcher Art. Deutsche Anleger hingegen halten sich zurück, weil sie einen harten Brexit befürchten. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass die große Skepsis unter den inländischen Anlegern kurzfristig nochmals für einen Rücksetzer sorgen wird“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Am Montag war der Dax 0,9 Prozent fester bei knapp 12.748 Zählern aus dem Handel gegangen. Zunehmend für Gesprächsstoff dürften die Firmenergebnisse sorgen. Unter anderem gab die Software AG Einblick in ihre Bücher, in den USA stehen die Zahlen von Texas Instruments an. Analysten hoffen auf Hinweise darauf, wie stark der Handelskonflikt die Geschäfte der Unternehmen beeinflusst.

Die Anleger setzten darauf, dass die Berichtssaison vor allem in den USA nicht so schlecht ausfallen wird, wie es in den Sommermonaten den Anschein hatte, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets.

Blick auf die Einzelwerte

Continental: Der Autozulieferer und Reifenhersteller präsentiert gleich zwei wichtige Nachrichten. Zum einen: Der Konzern will seine Antriebssparte als Ganzes abspalten und an der Börse notieren. Ein möglicher Teilbörsengang ist nach einem Beschluss des Vorstands keine Option mehr. Der Plan eines sogenannten Spin-offs mit Börsennotierung soll am 30. April 2020 der Hauptversammlung vorgelegt werden. Der Aufsichtsrat muss ebenfalls noch zustimmen.

Die andere: Continental wird in diesem Jahr wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung voraussichtlich in die Verlustzone schlittern. Im dritten Quartal verbucht Conti Wertminderungen von rund 2,5 Milliarden Euro. Die Aktie stieg deutlich und ging mit einem Plus von 4,1 Prozent aus dem Handel.

Software AG: Die Papiere der Software AG legen nach der Vorlage der Geschäftszahlen zum abgelaufenen Quartal zunächst mehr zehn Prozent zu und gingen zum Handelsschluss mit einem Plus von 7,8 Prozent aus dem Handel. Der zweitgrößte Software-Konzern in Deutschland nach SAP bestätigte nach Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn seine Jahresziele.

Adidas: Adidas-Papiere verloren 0,4 Prozent. Am Vortag hatte der Sportartikelhersteller überraschend mitgeteilt, dass Markenchef Eric Liedtke das Unternehmen verlassen wird.

Lanxess: Eine Herabstufung durch JP Morgan lastet auf den Lanxess-Titeln. Sie verlieren 2,2 Prozent. Die Experten stuften die Aktien des Chemieunternehmens auf „neutral“ von „overweight“ herunter.

Fresenius Medical Care: Die Aktien des Dialyse-Spezialisten geben nach einem skeptischen Analystenkommentar 5,9 Prozent nach. Berenberg-Analyst Tom Jones bezeichnete die Prognose des Unternehmens für das Gesamtjahr als „herausfordernd“ und hält es für möglich, dass sie revidiert wird. An seiner Kaufempfehlung hält er fest. Das Unternehmen legt seine Zahlen für das dritte Quartal am 29. Oktober vor.

Tui: Die Papiere des Reisekonzerns geben in London 7,3 Prozent nach und sind damit Schlusslicht im Leitindex Footsie. In Frankfurt fallen sie um 7,7 Prozent. Händlern zufolge hat die Investmentbank Morgan Stanley die Papiere des Reiseanbieters auf „equal weight“ von „overweight“ herabgestuft.

Reckitt Benckiser: Der britische Konsumgüterkonzern hat seine Umsatzprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr reduziert. Vorstandschef Laxman Narsimhan schrieb dies dem Rückgang der Bestellungen von saisonalen Produkten zu. Die Aktie des Henkel-Rivalen verlor zunächst mehr als vier Prozent, konnte zum Handelsende das Minus aber auf 1,4 Prozent begrenzen.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax nähert sich allmählich der 13.000er Marke an. Auf dem Weg steht laut Charttechnik nur noch das bisherige Jahreshoch von 12.814 Zählern im Weg, das der Index am vergangenen Donnerstag erreichte.

Oberhalb der 13.000er Marke liegen anschließend die nächsten Hürden bei 13.203 und 13.170 Punkte, die Hochs der Monate Mai und Juni des Jahres 2018. Darüber dürfte der Dax das bisherige Rekordhoch von 13.596 Zählern ins Visier nehmen.

Auf der Unterseite liegt zwischen 12.500 und 12.600 Punkten eine solide Unterstützungszone, darunter liegt derzeit bei 12.300 Zählern die 38-Tagelinie, Gradmesser für den mittelfristigen Trend.

Analystencheck: JP Morgan belässt Scout24 auf „Overweight“

Die US-Bank JP Morgan hat das Kursziel für Scout24 vor Zahlen des Online-Marktplatzbetreibers von 55 auf 58 Euro angehoben und die Einstufung auf „Overweight“ belassen. Die Resultate seien wahrscheinlich eher kein Kurstreiber für die Aktien, wohl aber die im Raum stehenden „strategische Alternativen“ für das Portal Autoscout24, schrieb Analyst Marcus Diebel in einer am Freitag vorliegenden Studie.

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