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Dax verliert nach Zwischenhoch fast 600 Punkte und schließt im Minus

Der deutsche Leitindex kann seinen anfänglichen Erholungskurs nach dem „schwarzen Montag“ nicht halten. Die Aktie der Deutschen Post gewinnt dennoch kräftig hinzu.

Der Handelssaal in Frankfurt. Foto: dpa

Der deutsche Leitindex notierte zum Börsenschluss 1,41 Prozent im Minus bei 10.475 Punkten. Somit konnte sich der Dax nach dem „schwarzen Montag“ nicht von seinem heftigsten Kurssturz seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 erholen. Dabei sah es zur Eröffnung noch ganz danach aus, zeitweise kletterte das Börsenbarometer sogar auf 11.032 Zähler.

Doch am Nachmittag geriet der Dax in den Abwärtssog der US-Aktienmärkte. Am Dienstag zeigte sich die Wall Street, die am Montag den tiefsten prozentualen Verlust seit der Finanzkrise erlitten hatte, zunächst erholt. Der Dow Jones kletterte im frühen Handel um 2,72 Prozent nach oben, nachdem er am Vortag 7,8 Prozent verloren hatte. Zwei Stunden nach Handelsbeginn hatte der US-Leitindex jedoch die Gewinne bereits wieder vollständig abgegeben.

Analysten zufolge basierte die zwischenzeitliche Erholung am Dienstag auf der Hoffnung auf staatliche Hilfspakete für die von der Coronakrise gebeutelte Wirtschaft. US-Präsident Donald Trump hatte Erleichterungen für US-Firmen in Aussicht gestellt. Am Dienstagnachmittag (MEZ) wollte er sich zu Details äußern.

Donald Trump hatte kurz nach den Kurseinbrüchen an der New Yorker Börse eine Senkung der Lohnsteuer und Kredite für Kleinunternehmen in Aussicht gestellt. Seine Pläne, die er heute dem Kongress vorstellen will, sähen „sehr substanzielle Erleichterungen“ vor, versprach Trump. Zudem will der US-Präsident laut eigener Aussage heute weitere Maßnahmen zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft in einer Pressekonferenz verkünden.

Ebenfalls am späteren Nachmittag wollte EZB-Chefin Christine Lagarde per Videokonferenz mit den Staats- und Regierungschefs der EU beraten. Auch bei der EZB setzen Anleger auf Konjunkturhilfen. Ifo-Chef Clemens Fuest forderte von der Bundesregierung ebenfalls umfassendere Maßnahmen. „Es spricht einiges dafür, dass eine Rezession bevorsteht“, warnte er.

Insidern zufolge, so berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, könnten zudem die Finanzaufseher wegen der Coronakrise die Kapitalvorgaben für deutsche Geldhäuser lockern. Bei einem Treffen von Vertretern der Bundesbank, der Finanzaufsicht Bafin und des Finanzministeriums am Montag sei diskutiert worden, den sogenannten inländischen antizyklischen Kapitalpuffer (CCyB) abzuschwächen. Im vergangenen Jahr hatte die Finanzaufsicht Bafin noch einen Aufschlag von 0,25 Prozentpunkten auf den Puffer zur Risikovorsorge eingeführt.

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat sich außerdem an die Banken mit dem Appell gerichtet, bei Unternehmenskunden Nachsicht walten zu lassen. Sie selbst setzt auch alles daran, die Banken kurzfristig großzügiger mit Geld zu versorgen.

Weniger Anlieger fliehen in sichere Häfen

Der „schwarze Montag“ hatte Anleger reihenweise in sichere Häfen fliehen lassen. Die Renditen der US-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit sowie mit zehnjähriger Laufzeit waren auf Rekordtiefs gefallen, ebenso die Rendite zehnjährigen Bundesanleihe. Am Dienstag stiegen die Renditen wieder.

Auch der Goldpreis sank leicht und liegt derzeit bei 1.653 Dollar. Der Euro ist von seinem am Vortag erreichten gut einjährigen Höchststand zurückgefallen und kostete am Nachmittag über 1,13 Dollar. Auch andere als sicher geltende Währungen wie der japanische Yen oder der Schweizer Franken gaben nach.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Post: Das Dax-Unternehmen will seine von den Folgen der Ausweitung der Coronakrise gebeutelten Aktionäre mit einer höheren Dividende versöhnen. Der Bonner Konzern zahle für 2019 eine Dividende von 1,25 (Vorjahr: 1,15) Euro je Anteilsschein, teilte die Post am Dienstag in Troisdorf mit. Der Logistikkonzern hatte 2019 den Umsatz um 2,9 Prozent auf 63,3 Milliarden Euro gesteigert, der operative Ertrag (Ebit) kletterte auf 4,1 (3,16) Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 2,6 Milliarden Euro.

Im laufenden Jahr kommen indes Belastungen durch die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus und das Aus der Produktion des Elektro-Transporters Streetscooter auf die Post zu, wie die Bonner bereits Ende Februar verkündet hatten. Konzernchef Frank Appel hatte deshalb die Prognose eines operativen Ertrags von mindestens fünf Milliarden Euro für 2020 mit einem dicken Fragezeichen versehen. Die Post-Aktie ging mit einem Plus von mehr als sechs Prozent als Dax-Spitzenwert aus dem Handel.

Infineon: Der Chiphersteller hat bei der geplanten rund neun Milliarden Euro schweren Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor eine wichtige Hürde genommen. Die US-Behörde Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) habe die Transaktion genehmigt, teilte Infineon am Dienstag in München mit. Weiter offen sei die chinesische Freigabe.

Der Dax-Konzern will mit der bisher größten Übernahme der Unternehmensgeschichte in die Top Ten der Halbleiterhersteller weltweit aufsteigen. Bei Chips für die Autoindustrie sieht Konzernchef Reinhard Ploss Infineon durch den Zukauf sogar als künftige Nummer eins. Die Infineon-Aktie lag zum Handelsschluss 1,14 Prozent im Plus bei 15,99 Euro.

Uniper: Der vom finnischen Großaktionär Fortum ins Visier genommene Düsseldorfer Energiekonzern wirbt bei Anlegern mit einer hohen Gewinnausschüttung. Der Konzern kündigte am Dienstag an, für 2019 die Dividendensumme um 28 Prozent auf 421 Millionen Euro zu erhöhen. Damit würden die Aktionäre 1,15 Euro je Aktie erhalten nach 90 Cent je Papier im Vorjahr. Für 2020 strebe Uniper eine Ausschüttung von einer halben Milliarde Euro an.

2019 hatte Uniper ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) von 863 Millionen Euro erzielt und lag damit auf Vorjahreshöhe. Für 2020 stellte der Versorger 750 Millionen bis eine Milliarde Euro in Aussicht. Die Uniper-Aktie beendete den Handelstag 1,83 Prozent im Minus.

Klöckner & Co: Preisdruck und eine schwache Nachfrage haben dem Stahlhändler 2019 einen Konzernverlust eingebrockt. Bei einem Umsatzrückgang um rund sieben Prozent auf 6,3 Milliarden Euro lag das Minus bei 55 Millionen Euro nach einem Gewinn von 69 Millionen im Jahr zuvor. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor wesentlichen Sondereffekten brach auf 124 (Vorjahr: 229) Millionen Euro ein.

Die Aktionäre sollen wegen des Verlustes leer ausgehen. Stabilere Preise und Kostensenkungen sollen KlöCo 2020 zu einem deutlichen Anstieg des Ebitda verhelfen. Die Papiere von Klöckner verloren bis zum Handelsschluss 8,88 Prozent.

Commerzbank: Die Bank sieht nach eigenen Angaben bisher keine unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus auf ihr Geschäft. Allgemeine Erleichterungen für die durch den Coronavirus betroffene Kunden, wie das Banken in Großbritannien und Italien angekündigt haben, plant die Commerzbank bisher nicht. Die MDax-notierte Bank ging mit einem Plus von 3,19 Prozent aus dem Handel.

Was die Charttechnik sagt

Was im Dax charttechnisch zumindest für eine Beruhigung in den kommenden Handelstagen spricht: Mittlerweile notiert er mehr als 15 Prozent unterhalb der 200-Tagelinie, der Indikator für den langfristigen Trend. Solch einen Abstand erreichte die Frankfurter Benchmark zuletzt im Dezember 2018, danach folgten deutliche Kurssteigerungen. Ein ausbleibendes neues Verlaufstief unterhalb der Marke von 10.557 Punkten würde einen ersten Hoffnungsschimmer liefern.

Viele Anleger dürften angesichts des Ölpreisverfalls und der Corona-Panik verkauft haben. Diejenigen, die am Montag ihre Positionen gehalten haben, dürften auch weiterhin investiert bleiben. Auch das spricht dafür, dass der Dax an Boden gewinnen könnte. Eine Kurskorrektur nach unten sollte dennoch nicht ausgeschlossen werden, da vor dem Corona-Crash Aktien so hoch bewertet waren wie seit 2007 nicht mehr, also vor der Finanzkrise.

Handelsblatt-Analystencheck

Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Apple nach iPhone-Absatzzahlen in China von 355 auf 335 US-Dollar gesenkt und die Einstufung auf „buy“ belassen. Dort seien die Verkäufe zuletzt stark zurückgegangen wegen der mit dem Coronavirus einhergehenden Restriktionen, schrieb Analyst Timothy Arcuri in einer am Montag vorgelegten Studie. Engpässe bei Zulieferern hätten weltweit Sorgen um die Nachfrage ausgelöst.

Von 25 Analysten empfehlen 16 die Apple-Aktie zum Kauf, keiner zum Verkauf, und neun haben eine neutrale Position. Das gewichtete Kursziel liegt bei 281,21 Dollar. Hier geht es zum Handelsblatt-Analystencheck.

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