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Dax begrüßt Joe Biden mit Kurssprung – Endspiel beim Verfall der türkischen Lira

·Lesedauer: 4 Min.

Der deutsche Leitindex setzt seine Rally aus der Vorwoche fort. An der Frankfurter Börse steigen vor allem Papiere mit einem hohen Exportanteil.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Die freundliche Stimmung am deutschen Aktienmarkt setzt sich zum Wochenauftakt fort: In der ersten Handelsstunde steigt der Dax um 1,8 Prozent auf 12.704 Punkte. Bereits während der vergangenen Handelswoche legte das Börsenbarometer knapp acht Prozent zu.

Die Verschnaufpause am vergangenen Freitag mit einem Minus von 0,7 Prozent war aus technischer Sicht gesund und untermauert den aktuellen Aufwärtstrend, der mit Sprung über die wichtige Marke von 12.200 Punkten begann. Noch am Freitag vor zehn Tagen lag der Dax zwischenzeitlich nur bei 11.450 Zählern.

„Die Rally aufgrund der Freude über den Wahlsieg Joe Bidens kann sich noch so lange fortsetzen, bis eine Skepsis über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronamaßnahmen Überhand gewinnt“, beurteilt Sentimentexperte Stephan Heibel die Kursgewinne seit gut einer Woche..

Von dem Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentenwahl profitieren am heutigen Montag vor allem asiatische Indizes und deutsche Aktien mit hohem Exportanteil. Schließlich ist die Gefahr von neuen Handelskriegen deutlich gefallen.

Der Leitindex für die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen markierte mit knapp 5000 Zählern den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. Der japanische Nikkei-Index gewann zeitweise 2,6 Prozent und notierte mit knapp 25.000 Punkten so hoch wie zuletzt vor fast 30 Jahren. Auch die chinesische Währung setzte ihren Anstieg fort. Im Gegenzug fällt der Dollar um 0,7 Prozent und ist mit 6,5630 Yuan so billig wie zuletzt vor etwa zweieinhalb Jahren.

Am deutschen Aktienmarkt zählen die Papiere mit hohem Exportanteil zu den großen Gewinnern. Die Titel von Continental, Volkswagen, BASF und Adidas steigen jeweils um mehr als zwei Prozent.

Blick auf die Einzelwerte

Infineon: Der Chipkonzern hat im Geschäftsjahr 2019/20 einen Gewinnrückgang einstecken müssen und kürzt die Dividende. Der Umsatz stieg zwar per Ende September um sieben Prozent auf 8,57 Milliarden Euro, das Segmentergebnis schrumpfte aber um elf Prozent auf 1,17 Milliarden. Der Nettogewinn brach um 58 Prozent auf 368 Millionen Euro ein. Infineon kürzt die Dividende daher auf 22 (Vorjahr: 27) Cent je Aktie. Dennoch legt die Aktie um 2,7 Prozent zu.

Rheinmetall: Ein 27 Millionen Euro schwerer Auftrag der Bundeswehr ermuntert Anleger zum Einstieg bei Rheinmetall . Die Aktien des Rüstungskonzerns und Autozulieferers steigen um 3,7 Prozent. Das Unternehmen soll Wärmebild-Zielgeräte für den Schützenpanzer Marder liefern.

Blick auf andere Assetklassen

Die Devisenanalysten der Commerzbank haben einen interessanten Vergleich zwischen dem Fußballclub Hamburger SV (HSV) und der Türkei aufgestellt. Denn HSV-Fans wissen, dass die ständigen Trainerwechsel nicht das Ende der sportlichen Misserfolge bedeutet. Das muss die Türkei noch lernen, denn dort wurde zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit der Notenbankchef gefeuert. Zudem hat offenbar Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak seinen Rücktritt erklärt.

Die Reaktion an den Finanzmärkten: Die Lira steigt am heutigen Montag um vier Prozent, im Gegenzug fällt der Euro wieder unter die Marke von zehn Euro. Derzeit sind es 9,71 Lira. Die Vermutung liegt nahe, dass der Kurs am heutigen Montag von den türkischen Behörden gesteuert wird.

„Lassen Sie sich nicht von der unmittelbaren Reaktion heute Morgen verwirren: Kurzfristig ist es der türkischen Politik und Zentralbank immer wieder mal gelungen, die Wechselkursentwicklung zu stabilisieren“, schreibt Devisenexperte Ulrich Leuchtmann am heutigen Montag. „Doch kann das solange nicht von Dauer sein, wie das grundlegende Problem nicht angegangen wird: die mangelnde Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Geldpolitik.“

Die Commerzbank hat sofort ihre Prognose auf 11,50 Lira gegenüber dem Euro angehoben versteht dieses Kursziel „eher als ein symbolisches Niveau als eine präzise Punktprognose“.

Für die Banker erscheint es plausibel, dass mit der Ernennung des neuen Notenbankchefs die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank endgültig erledigt ist und Staatspräsident Erdogan, der bekanntermaßen ein Feind von Zinsen ist, direkt die Geldpolitik befiehlt. Entsprechend dürften diese neuen politischen Turbulenzen den Charakter eines Endspiels beim weiteren Verfall der türkischen Lira besitzen, wie es die Commerzbank formuliert. Seit Jahresanfang hat sich die Währung gegenüber dem Euro mehr als halbiert.

Was die Charttechnik sagt

Mit dem Sprung über die Marke von 12.200 Zählern am vergangenen Dienstag hat sich das technische Bild am Aktienmarkt deutlich aufgehellt. Diese Marke war das untere Ende einer monatelangen Seitwärtsspanne, die Ende Oktober nach unten durchbrochen wurde. Nun notiert der Dax wieder in dieser Seitwärtsspanne, deren obere Marke bei rund 13.400 Zählern liegt.

Zudem gibt es bei rund 12.200 Zählern weitere wichtige Marken wie beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.067 Zählern und ist damit die wichtige quasi letzte Unterstützung, die halten muss.

Das nächste Anlaufziel auf der Oberseite ist der gleitende Durchschnitt der vergangenen 50 Tage, der aktuell bei 12.732 Punkten liegt. Diese Linie ist ein Indikator für den mittelfristigen Trend.

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