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Curevac plant erste Kapitalerhöhung

Fröndhoff, Bert Hofmann, Siegfried
·Lesedauer: 4 Min.

Die Tübinger Firma will erstmals seit ihrem Börsengang neue Aktien ausgeben. Damit könnte Curevac bis zu 600 Millionen Dollar frisches Kapital einnehmen.

Der Impfstoff-Entwickler wird an der Börse mit gut 18 Milliarden Dollar bewertet. Foto: dpa
Der Impfstoff-Entwickler wird an der Börse mit gut 18 Milliarden Dollar bewertet. Foto: dpa

Der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac will die Aktionäre zum ersten Mal seit seinem Börsengang um frisches Kapital bitten. Curevac will fünf Millionen neue Aktien verkaufen, bei entsprechender Nachfrage ist eine Aufstockung um 15 Prozent möglich, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Zum Schlusskurs vom Montag an der US-Technologiebörse Nasdaq von 104,50 Dollar könnte Curevac damit bis zu 600 Millionen Dollar einnehmen. Meistens werden neue Aktien aber mit einem Abschlag ausgegeben, um Investoren anzulocken.

Vor dem Start der Kapitalerhöhung muss die US-Börsenaufsicht SEC den Prospekt aber erst genehmigen. Curevac hatte im August ein fulminantes Börsendebüt an der Nasdaq gefeiert. Damals waren die Aktien zu 16 Dollar ausgegeben worden, der Schlusskurs lag am ersten Handelstag bei 55,90 Dollar. Seither hat sich der Kurs fast verdoppelt. Damit ist das Unternehmen gut 18 Milliarden Dollar wert.

Vor dem Börsengang waren die Bundesregierung über die Staatsbank KfW und weitere Investoren eingestiegen – damals zu einer Bewertung von 1,6 Milliarden Euro. Aktuell hält die Regierung 17 Prozent der Anteile. Rund 47 Prozent gehören der Biotechholding Divini des Investors Dietmar Hopp. Er hält direkt noch weitere vier Prozent.

Curevac befindet sich derzeit in der entscheidenden Phase in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Die Firma arbeitet an einem Mittel, das ebenso wie das von Biontech und Moderna auf Basis des Botenstoffs mRNA funktioniert. Diese beiden Impfstoffe sind bereits zugelassen.

Doch Curevac will den Rückstand zur Konkurrenz schnell aufholen. Für dessen Vermarktung hatte sich das Unternehmen kürzlich mit dem Pharma-Riesen Bayer verbündet. Bayer soll seine Expertise bei Studien und Zulassungsfragen einbringen.

Möglicherweise wird der Leverkusener Konzern auch die Produktion des Curevac-Mittels ergänzen, denn im Fall einer erfolgreichen Zulassung müsste der Impfstoff schnell ausgeliefert werden. Curevac will nach bisherigen Plänen in diesem Jahr 300 Millionen Dosen seines Vakzins produzieren. Allein 225 Millionen sollen an die EU-Staaten geliefert werden.

Das Unternehmen baut dazu mit mehreren Partnern in Europa ein Netz zur Herstellung seines Impfstoffs auf. So wird unter anderem der Münchener Chemiekonzern Wacker in einem extra umgerüsteten Werk in Amsterdam künftig mehr als 100 Millionen Dosen produzieren.

Der neue Partner Bayer prüft ebenfalls, ob sich Standorte des Pharmakonzerns für die Fertigung des Curevac-Mittels umrüsten lassen. Da Bayer aber bisher kein Impfstoffspezialist ist, wird dies schwierig.

Curevac-Impfstoff böte logistische Vorteile

Der Impfstoff der Tübinger Firma spielt bei der Strategie der Bundesregierung eine gewichtige Rolle, aber möglicherweise auch für andere Länder mit einer weniger ausgeprägten Logistik-Infrastruktur. Denn anders als das Mittel von Biontech braucht der Curevac-Stoff bei Transport und Lagerung keine extreme Kühlung von minus 70 Grad. Das Vakzin ist nach Unternehmensangaben bei Kühlschranktemperatur haltbar.

„Der Bedarf an Impfstoffen gegen Covid-19 ist enorm“, hatte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich zum Start der Kooperation gesagt. Curevac-Chef Franz-Werner Haas ergänzte: „Mit seiner Expertise und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten CVnCoV noch schneller für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen.“

Tatsächlich kommt es für Curevac nun darauf an, die entscheidende Phase-3-Studie mit den Tests an Zehntausenden Probanden erfolgreich zu Ende zu führen und die Daten schnellstmöglich für den Zulassungsantrag bei den Gesundheitsbehörden aufzubereiten. Die Studie wurde kurz vor Weihnachten gestartet und damit etwa viereinhalb Monate später als die Studien der Konkurrenten Biontech und Moderna.

Man gehe davon aus, dass am Ende des ersten Quartals die nötigen Daten für einen Antrag auf eine bedingte Zulassung in der EU vorliegen werden, heißt es vonseiten des Unternehmens. Somit könnte eine bedingte Zulassung in der EU theoretisch gegen Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals erfolgen.

Die mRNA-Mittel von Biontech und Moderna weisen eine Wirksamkeit von 95 Prozent auf, daran wird sich das Vakzin von Curevac messen lassen müssen. Beide Mittel sind auch gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Coronavirus wirksam.

Bei der südafrikanischen Mutante zeigte das Moderna-Mittel einen ausreichenden Schutz, teilte das Unternehmen am Montag mit. Moderna entwickelt aber vorsichtshalber eine neue Version, die noch zielgerichteter gegen diese Variante wirken soll. Daten von Biontech zu dem Südafrika-Virus liegen noch nicht vor.

Die Curevac-Aktie notierte am Dienstag zu Beginn des Handels an der Wall Street 2,5 Prozent niedriger bei rund 102 Dollar.

Mit Material von Reuters